Islamisten-Vormarsch im Irak Kindersoldaten für den Dschihad

Systematisch rekrutieren die Radikalislamisten im Irak Kindersoldaten für ihre Zwecke. Sie locken sie mit Zuckerwatte und einfachen Botschaften. Selbst Zehnjährige werden eingespannt.

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Riad war 16, als er ins Trainingslager des "Islamischen Staates im Irak und in Syrien" (ISIS) ging, - also eher einer der Älteren. "Manche von uns waren nicht älter als zwölf", erinnert sich der Syrer. Aufstehen, beten, Ideologie-Unterricht - 15 Tage lang Gehirnwäsche. In den Pausen lagen die Kinder im Schützengraben und bewachten das ISIS-Lager.

So erzählt Riad es in einem Bericht über Kindersoldaten in Syrien, den die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch am Montag veröffentlicht hat.

In Syrien und im Irak kämpfen Minderjährige in nahezu allen Milizen. Meist werden die Kinder über Verwandte - den Vater, den größeren Bruder, den Onkel - rekrutiert. Doch niemand wirbt so systematisch um Kinder wie die Radikalen, die Nusra-Front und ISIS.

Die Extremisten kämpfen nicht nur, sie setzen auch darauf, die Bevölkerung für sich zu gewinnen. So bieten sie Schulunterricht an, die Kinder lernen dort dann, dass ISIS den Willen Gottes erfülle und Andersdenkende den Tod verdienten. An manchen Tagen spendieren die Gotteskrieger auch Zuckerwatte und Eis.

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Irak und Syrien: Der Konflikt im Überblick

Schon die Kleinsten werden in die Pflicht genommen. Ein Arzt erzählt in dem Bericht, dass ISIS ihm einen etwa zehnjährigen Junge vorbeibrachte. Er hatte sich an der Hand verletzt. Sein erwachsener bärtiger Begleiter sagte, der Junge sei ihr Gefängniswärter. Seine Aufgabe sei es, die Gefangenen auszupeitschen.

Die Uno-Kinderrechtsorganisation Unicef warnt bereits vor einer "verlorenen Generation". Viele syrische und irakische Kinder erlebten täglich Gewalt und Elend. Ihre Kindheit verbringen sie im Ausnahmezustand.

ras



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
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PeterLublewski 23.06.2014
1. Dann aber richtig
"Kindersoldaten für den Dschihad" Wenn schon Barbarentum, dann aber richtig.
biker61 23.06.2014
2. Menschenverachtende Verbrecher
Das zeigt wieder einmal, wie menschenverachtend vermeintlich religiöse Fanatiker vorgehen. Tatsächlich geht es hier einer kleinen Gruppe um Macht, Rache und das Ausleben ihrrer Gewaltfantasien für die sie die Gutgläubigkeit und Religiösität der Menschen ausnutzen.
porkypork 23.06.2014
3. Sham
Das zweite "S" bei ISIS steht übrigens nicht für "Syrien" sondern für "Sham" also die Levante (deswegen wird ISIS an anderer Stelle auch ISIL genannt).
medermark 23.06.2014
4. Saddam Hussein war kein Engel aber
Der brutale Diktator Saddam Hussein war sicherlich kein Engel. Keine Frage. Aber er ist ursprünglich von den USA aufgebaut worden bis er in Ungnade fiel und garantierte wenigstens noch ein gewisses Maß an Diktatorstabilität. Hoffen wir, dass die gegenwärtige Regierung mit großem Soldatenaufgebot von 50000 Mann die Gegenoffensive doch noch siegreich hinbekommt und endlich auch der gerechte Interessenausgleich zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen angegangen wird.
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