Islam-Gegner: Wilders hofft auf europäische Unterstützer

Der Niederländer Geert Wilders verdammt den Islam als "gewalttätige Ideologie", jetzt setzt er auf Hilfe aus den Nachbarländern. Europa müsse aufstehen, sagt er im SPIEGEL-Interview - und kritisiert die Bundeskanzlerin für ihre Politik: "Merkel hat Angst."

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Rechtspopulist Geert Wilders: "Die politische Elite ist in Aufruhr"

Hamburg - Das Lob war damals nicht willkommen. Als Geert Wilders im Oktober erklärte, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe "die Führung auf dem Gebiet der Islam-Kritik" übernommen, war diese wenig begeistert. Nun hat sich Wilders Ton gegenüber der Kanzlerin deutlich geändert. Im Interview mit dem SPIEGEL orakelt er: "Merkel hat Angst." Eine "charismatische Persönlichkeit ohne rechtsextremen Hintergrund" könne in Deutschland inzwischen mit 20 Prozent der Stimmen rechnen, prognostiziert der niederländische Islam-Kritiker.

"Die politische Elite ist in Aufruhr", droht Wilders. Er ging damit auch auf die Debatte um die umstrittenen Thesen des Ex-Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin und die Äußerungen von Bundespräsident Christian Wulff ein. Wulff hatte in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland.

Wilders hingegen bezeichnete den Islam im Gespräch mit dem SPIEGEL als "totalitäre und gewalttätige Ideologie". In seinem Ziel, die Islamisierung Europas zu bekämpfen, sehe er sich bestärkt durch Zuspruch aus Nachbarländern. "Europa muss aufstehen", forderte Wilders, "und der islamischen Welt mitteilen: Genug ist genug, wir werden uns wehren, mit demokratischen Mitteln."

Erst im Oktober war ein Prozess gegen Wilders wegen islamkritischer Äußerungen vor einem Gericht in Amsterdam geplatzt, nachdem die Richter auf Antrag der Verteidigung für befangen erklärt worden waren. Die Anklage gegen Wilders lautete auf Anstachelung zum Hass und Diskriminierung von Muslimen. Er hatte den Islam zuvor als "faschistisch" bezeichnet und den Koran mit Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" verglichen.

Durch den Erfolg seiner Partei für die Freiheit (PVV) bei den niederländischen Parlamentswahlen im Juni 2010 sieht Wilders sich in seinen radikalen Ansichten gestärkt. Seine Partei wurde drittstärkste Kraft im Land: Sie ist nicht direkt an der Regierung beteiligt, verschafft ihr aber die Mehrheit im Parlament und verfügt daher über erheblichen Einfluss.

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Minderheitsregierung in den Niederlanden: Von Wilders Gnaden
Das von ihm gestützte Kabinett in Den Haag sei entschlossen, ein Verbot der Burka wie auch eine "enorme Verringerung" der Einwanderung durchzusetzen, sagte Wilders nun. Er fordert auch ein Verbot des Korans in seinem Land - wegen "Anstachelung zu Gewalt und Hass".

Zum Thema Europäische Union bekräftigte Wilders im SPIEGEL, seine Partei lehne "jede Form von EU-Erweiterung ab. Wir werden gegen sämtliche weiteren Kandidaten inklusive Kroatien stimmen. Die Regierung wird sich ihre Mehrheit anderswo suchen müssen". Insbesondere einer Aufnahme der Türkei werde er sich widersetzen - es drohe "ein Trojanisches Islamisches Pferd in der EU, plus eine Außengrenze mit kriminellen Staaten wie Syrien und Iran".

kgp

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insgesamt 496 Beiträge
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1. Was gibt's noch hinzuzufügen?
sorgenlos 06.11.2010
Der Mann hat recht. So jemanden brauchen wir auch in Deutschland. Wenn ich mir allerdings so unsere Parteienlandschaft und auch die Politiker ansehe, denke ich eher ans Auswandern
2. Wir brauchen auch endlich einen Wilders in DEU
elpaso 06.11.2010
ein Verbot des Koran geht vielleicht zu weit, aber Maßnahmen, wie sie auch Sarrazin vorschlägt sind dringend an der Zeit. Unsere angeblich Konservativen tun nichts um unsere Kultur zu bewahren, die SPD ist weit von Schmidt entfernt und tut nichts, um die Grundsätze unserer freien Grundordnung zu verteidigen und die letzten verzweifelt und sich schlagenden Anhänger von Multikulti und die Sozialromantiker, die auf unsere Kosten die Gutmenschen spielen wollen, dürfen mit ihrer lauten Minderheitenmeinung nicht mehr die Diskussion bestimmen. Mir reichts und ich habs satt. Wenn sich in DEU diesbezüglich nichts ändert, werde ich in die Schweiz oder in die NLD übersiedeln. Brüssel, wo ich zur Zeit leben und arbeiten muß, ist schon fest in der Hand des islamischen Mobs. Die Folgen eines passiven laissez faires und eines letztlich gescheiterten Staates (6 Monate ohne handlungsfähige Regierung, Korruption allerorten udn eine unfähige Administrtion und Polizei)kann man sich in 2/3 von Brx in den dreckigen und bei Nacht extrem gefährlichen Scharebaek, St. Joost ten Node, Anderlecht und Molenbeek St. Jean ansehen. Es ist einen Trip in die nahe Zukunft wert, um einen meinungsbildenden Eindruck zu gewinnen. Solange sich das Merkel nur rund um den Rond Point Schuhmann behüten läßt, wird sie natürlich von den Problemzonen nichts mitbekommen. Das Buch von Sarrazin nicht einmal zu lesen und dennoch zu kritisieren ist schon nicht mehr als Ignoranz zu bezeichnen.
3. "Merkel hat Angst"
rkinfo 06.11.2010
Angst war schon immer Lieblingsthema radikaler Hetzer. In G. Orwells '1984' wird eine Diktatur der Angst beschrieben. Angst soll den Bürger lähmen nicht nüchtern rational zu denken und überlegt zu handeln. Damit hatte schon Hitler wie Goebbels erfolgreich Politik gemacht - oder jüngst ein Thilo Sarrazin. Sicherlich machen diese Typ vielen Menschen Angst wobei einige Masochisten ja das als Befriedigung empfinden - wie die Sarrazin-Anhänger. Normalerweise zerfrißt Angst aber den klaren Verstand wobei gerade paranoide Anführer wie Geert Wilders selbst total zerfressene Hirnwindungen haben. Wie oben aufgeführt - der jetzige helle Wahnsinn wurde schon 1948 von G.Orwell auf Papier geschrieben. Die bringen nichts Neues zustande - egal ob Wilders oder Sarrazin.
4. Islam ist Frieden
hatem1 06.11.2010
Zitat von sysopDer Niederländer Geert Wilders verdammt den Islam als "gewalttätige Ideologie", jetzt setzt er auf Hilfe aus den Nachbarländern. Europa*müsse aufstehen, sagt er im SPIEGEL-Interview - und kritisiert die Bundeskanzlerin für ihre Politik: "Merkel hat Angst." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,727675,00.html
Es gibt nicht DEN Islam. Islamismus hat nichts mit Islam zu tun, sondern ist ganz falsch verstandener Islam. Integrationsprobleme haben mit der Religion nichts zu tun, sondern sind eine rein soziale Frage. Wir brauchen mehr Staddteilmanager, Förderkurse, Lehrer, Polizisten und Richter mit Migrationshintergrund. Die Medien könnten ebenfalls helfen, wenn sie in Zukunft kultursensibel berichten. Hetzer wie Wilders und Sarrazin sind nicht hilfreich, stattdessen brauchen wir eine Kultur des Willkommens. Wir haben bei der Integration versagt, nicht die Muslime. Kulturelle Besonderheiten von Zuwanderern sollte man achten und als bereichernd empfinden. Die Forderung nach Assimilation ist ein Verbrechen und der Islam gehört zu Deutschland.
5. Wilders Prognose ist falsch
HennesB 06.11.2010
Wilders liegt mit seiner Prognose "eine "charismatische Persönlichkeit ohne rechtsextremen Hintergrund" könne in Deutschland inzwischen mit 20 Prozent der Stimmen rechnen" viel zu niedrig.Realistischer wären 40 Prozent plus x.
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