Islamfeindlichkeit Jeder zweite Tscheche will keine muslimischen Nachbarn

Einer Meinungsumfrage zufolge ist Islamfeindlichkeit in Tschechien weit verbreitet. Jeder Zweite will demnach keine Nachbarn islamischen Glaubens. Anteil der Muslime an der Bevölkerung: unter 0,2 Prozent.

Andrej Babis, Regierungschef
MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Andrej Babis, Regierungschef


Mehr als die Hälfte der Tschechen möchte einer Umfrage zufolge keine Muslime als Nachbarn haben. 51 Prozent der Befragten würde eine muslimische Familie mit Kindern in ihrer Nachbarschaft stören, wie aus einer am Montag veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Median im Auftrag der Zeitung "MF Dnes" hervorgeht.

Noch größer waren die Vorbehalte gegen einen allein lebenden Muslim (52 Prozent). Zugleich gaben 80 Prozent der Befragten an, persönlich keine Muslime zu kennen.

Nach der Analyse der Meinungsforscher sind Vorbehalte gegen Muslime am stärksten verbreitet unter den Wählern der rechten Oppositionspartei Freiheit und direkte Demokratie (SPD), der Kommunisten (KSCM) und der populistischen Regierungspartei ANO.

Anteil der Muslime in Tschechien verschwindend klein

Ministerpräsident und ANO-Gründer Andrej Babis hatte sich zuletzt gegen Zuwanderung ausgesprochen und die Aufnahme von Bootsflüchtlingen aus Italien entschieden abgelehnt.

Bei vier von fünf Umfrageteilnehmern würde die Eröffnung einer Moschee oder eines islamischen Gemeindezentrums auf Ablehnung stoßen. Ältere Menschen und solche mit niedrigem Bildungsabschluss waren stärker negativ eingestellt. Befragt wurden 817 Menschen.

In Tschechien leben nach Schätzungen nur rund 10.000 bis 15.000 Muslime. Bei gut zehn Millionen Einwohnern sind das weniger als 0,2 Prozent. Eine im vorigen Jahr veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung hatte ergeben, dass in Deutschland 19 Prozent der nichtmuslimischen Befragten muslimische Nachbarn ablehnen.



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