Islamische Staaten Neue Mohammed-Karikaturen ignorieren

Es ist eine Provokation mit Ansage: Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hat einen Comic über das Leben des Propheten Mohammed veröffentlicht. Die Organisation für islamische Kooperation kritisierte zwar die Aktion, rief aber ihre Glaubensbrüder zur Zurückhaltung auf.

"Charlie Hebdo"-Ausgabe: "Auf diese Aufwiegelung mit Zurückhaltung zu reagieren"
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"Charlie Hebdo"-Ausgabe: "Auf diese Aufwiegelung mit Zurückhaltung zu reagieren"


Paris/Dschidda - Eigentlich sind Proteste wieder vorprogrammiert. Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" provoziert streng gläubige Muslime wieder: Gut drei Monate nach den umstrittenen Mohammed-Karikaturen veröffentlichte die Zeitschrift am Mittwoch einen Comic über das Leben des Propheten. Doch die in Saudi-Arabien beheimatete Organisation für islamische Kooperation (OIC) rief dazu auf, das Buch einfach zu ignorieren.

Der türkische OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu bat seine Glaubensbrüder, "auf diese Aufwiegelung mit Zurückhaltung zu reagieren." Gleichzeitig kritisierte er die Veröffentlichung des Comics, den er jedoch offensichtlich zunächst nicht selbst in Augenschein genommen hatte. Ihsanoglu rief die französischen Behörden auf, juristisch gegen die Redaktion des Magazins vorzugehen.

Strenggläubige Muslime empfinden es bereits als anstößig, Mohammed überhaupt als Person darzustellen. Bereits im September hatte eine "Charlie Hebdo"-Ausgabe mit derben Mohammed-Karikaturen zu weltweiten Protesten geführt.

"Charlie Hebdo"-Chefredakteur Stéphane Charbonnier bemüht sich nun um demonstrative Gelassenheit. "Das ist eine autorisierte Biografie, weil sie von Muslimen verfasst wurde. Es ist einfach eine Zusammenstellung dessen, was von islamischen Chronisten über das Leben von Mohammed geschrieben wurde, und wir zeigen das in Bildern." Die Bildergeschichte sei "völlig halal", also den muslimischen Religionsgesetzen entsprechend. "Wenn die Leute schockiert sein wollen, werden sie schockiert sein", so Charbonnier weiter.

Das 64 Seiten umfassende Sonderheft liegt nun für sechs Euro an französischen Kiosken aus. Der Verlag hat laut Charbonnier etwa 85.000 Exemplare drucken lassen. Die reguläre Auflage des Wochenblattes wurde zuletzt rund 75.000-mal gedruckt.

In einer ersten Reaktion verwies Najat Vallaud-Belkacem, Ministerin für die Rechte von Frauen und Sprecherin der französischen Regierung, auf die Meinungsfreiheit. Dem Sender France 2 sagte sie gleichzeitig: "Es ist nicht notwendig, Öl ins Feuer zu gießen."

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung hatte es Proteste aus Iran gegeben. "Wir verurteilen jegliche religiöse Beleidigung, insbesondere die des islamischen Propheten, und fordern juristische Schritte gegen die Karikaturisten", sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast am Dienstag während einer Pressekonferenz in Teheran.

heb/dpa/dapd



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