Offensive des "Islamischen Staats" Türkei spricht von neuer Flüchtlingskatastrophe

Es kam zu Tumulten, schließlich wurde die Grenze an acht Stellen geöffnet: 45.000 syrische Kurden seien in die Türkei geflüchtet, sagte Vizepremier Kurtulmus. Die Menschen sind auf der Flucht vor dem "Islamischen Staat".

Türkische Grenzregion: Kurden fliehen aus Syrien
AFP

Türkische Grenzregion: Kurden fliehen aus Syrien


Hamburg - Eine Offensive des "Islamischen Staats" (IS) hat vermutlich Zehntausende syrische Kurden in die Flucht getrieben. Die Terrormiliz hatte nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehrere vor allem von Kurden bewohnte Dörfer an der Grenze zur Türkei erobert.

Der türkische stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters nun dem Sender CNN Turk, seit der Öffnung eines Grenzabschnitts am Freitag seien etwa 45.000 syrische Kurden in die Türkei geflüchtet.

Zuvor war es an der türkischen Grenze zu Tumulten gekommen, weil Flüchtlinge nicht passieren durften. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie türkische Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer einsetzten.

Die Extremisten des "Islamischen Staats" haben in Teilen Syriens und Iraks ein Kalifat ausgerufen und gehen dort gegen alle vor, die sie als Ungläubige ansehen: Dazu gehören schiitische Muslime ebenso wie Kurden und Christen.

Die Türkei gab am Samstag bekannt, dass 49 Geiseln aus der Gefangenschaft des IS freigekommen sind. Die Islamisten hatten die Türken in ihre Gewalt gebracht, als sie am 11. Juni das Konsulat im nordirakischen Mossul stürmten. Unter den Geiseln waren neben dem Generalkonsul auch andere Diplomaten, Soldaten und Kinder.

Sie seien am Morgen in die Türkei in Sicherheit gebracht worden, teilte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mit. Zu den näheren Umständen der Befreiung ist bisher nichts bekannt. Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einer sorgfältig vorbereiteten Rettungsaktion des heimischen Geheimdienstes.

Die Regierung in Ankara hatte die Geiseln stets als Grund angeführt, dass sie sich nicht stärker im internationalen Kampf gegen IS beteiligen könne. Unklar ist, ob die Türkei nun - wie von den USA erwünscht - engagierter gegen IS vorgehen wird. Die regierungsnahe türkische Zeitung "Daily Sabah" hatte kürzlich geschrieben, selbst wenn die Geiseln frei kämen, arbeiteten weitere 80.000 Türken im Irak. "Niemand kann garantieren, dass sie nicht zum Ziel von IS werden."

Erdogan dankte dem Geheimdienst und der Regierung für ihre Anstrengungen in der Geiselkrise. Davutoglu sagte, die Befreiung sei das Ergebnis "tagelanger, wochenlanger harter Arbeit". Der Ministerpräsident brach eine Aserbaidschan-Reise ab und flog von Baku aus in die südtürkische Grenzstadt Sanliurfa. Dort traf mit den freigelassenen Geiseln zusammen. Anschließend reiste die Gruppe mit dem Regierungsflugzeug in die Hauptstadt Ankara.

Ex-Geiseln in Sanliurfa (mit Ministerpräsident Davutoglu): Nach Monaten wieder frei
AFP

Ex-Geiseln in Sanliurfa (mit Ministerpräsident Davutoglu): Nach Monaten wieder frei

hut/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
guki 20.09.2014
1. So langsam muss Erdogan
Farbe bekennen. Erst IS aufrüsten, personel und mit Waffen, nun heulen wegen der Flüchtlinge. Ich warte nur darauf, dass die Türkei den Nato-Status ausruft.
t dog 20.09.2014
2. Verantwortung
Da die Türkei, von ihrem Staatsgebiet aus, aktiv Waffen und Kämpfer nach Syrien hat einsickern lassen um Assad zu stürzen, ist es doch wohl das Mindeste jetzt alle Flüchtlinge aufzunehmen.
Atheist_Crusader 20.09.2014
3.
Zitat von gukiFarbe bekennen. Erst IS aufrüsten, personel und mit Waffen, nun heulen wegen der Flüchtlinge. Ich warte nur darauf, dass die Türkei den Nato-Status ausruft.
Der Mann MUSS überhaupt nichts. Er kann sich jede Situation so zurechtreden wie es ihm passt. Die inländischen Medien kontrolliert er, die ausländischen Medien kann er aussperren. Und als NATO-Partner ist er für die USA zu wertvoll, um ihn von außen zu irgendwas zwingen zu können. Also erzählen Sie ihm doch mal, was er tun MUSS.
reinerhohn 20.09.2014
4. Da hat der IS...
... die Loesegelder die er von der Tuerkei bekommen hat, doch gleich sinnvoll eingesetzt und hat weitere Gebiete an der Türkischen Grenze erobert. Vielleicht gabs auch kein Geld, sondern gleich Waffen, dann hat man sich Umstaende erspart! "Wer Krieg saeht, wird sicher keinen Frieden ernten". Die Tuerken haben nun ihre Ernte von dem was sie gesaeht haben bekommen.
ulrich-lr. 20.09.2014
5. Verantwortung?
Zitat von t dogDa die Türkei, von ihrem Staatsgebiet aus, aktiv Waffen und Kämpfer nach Syrien hat einsickern lassen um Assad zu stürzen, ist es doch wohl das Mindeste jetzt alle Flüchtlinge aufzunehmen.
Nein, die Türkei ist NATO-Partner und hat westliche Werte übernommen. Ein ganz wichtiger Wert ist: Niemals Verantwortung für das eigene Zündeln übernehmen. Immer andere die Folgen ausbaden lassen. Das ist Grundbedingung für die EU-Mitgliedschaft.
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