IS-Audiobotschaft Durchhalteparolen vom Terrorchef

Der IS steht unter Druck: Im Norden Syriens haben die Dschihadisten einen wichtigen Staudamm verloren, das irakische Ramadi ist schwer umkämpft. Terrorchef al-Bagdadi versucht, die Moral seiner Kämpfer zu stärken.

IS-Chef al-Bagdadi: "Habt Geduld, denn Gott ist mit euch"
DPA

IS-Chef al-Bagdadi: "Habt Geduld, denn Gott ist mit euch"


Sieben Monate blieb Abu Bakr al-Bagdadi stumm, sieben Monate, in denen es immer wieder Meldungen gab, dass der Anführer derTerrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nicht mehr lebe oder schwer verwundet sei. Jetzt ist eine Audiobotschaft im Internet aufgetaucht, die al-Bagdadi zugeschrieben wird. IS-nahen Internetseiten zufolge handelt es sich um die Stimme von al-Bagdadi. Für die Echtheit der Botschaft gibt es aber bisher keine unabhängige Bestätigung. Auch ist unklar, wann genau diese aufgenommen wurde.

24 Minuten ist das Audiofile lang, es trägt laut Site Intel, einer Organisation, die sich mit IS-Botschaften beschäftigt, den Titel "Wartet. Auch wir warten mit euch". Zu hören ist die übliche Mischung aus Drohungen gegen IS-Feinde.

So kündigt die al-Bagdadi zugeschriebene Stimme Angriffe auf Israel an. Die israelische Webseite zitiert Ynet al-Bagdadi: "Die Juden dachten, dass wir Palästina vergessen haben und sie uns ablenken konnten. Das ist nicht der Fall." Der IS rücke immer näher, heißt es weiter, Palästina würde "ein Grab" für Israelis werden. Die Terrormiliz erkennt den Staat Israel nicht an, deshalb ist die Rede von Palästina.

Zudem macht sich die Stimme über die Anti-IS-Koalition lustig. Die USA und die anderen Länder wären zu feige, Bodentruppen in den Irak und Syrien zu schicken, "weil ihre Herzen voller Angst vor den Gotteskriegern" seien.

Aufruf zum Aufstand in Saudi-Arabien

In der Aufnahme wird auch das Bündnis gegen den IS aus 34 Ländern kritisiert, das Saudi-Arabien am 15. Dezember angekündigt hat. Diese Koalition, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak bekämpfen will, werde fälschlich "islamisch" genannt, heißt es in der Botschaft. "Wäre diese Koalition islamisch, hätte sie dem Volk in Syrien den Sieg und ihre Hilfe gebracht." Die Menschen in Saudi-Arabien werden zudem aufgerufen, "sich gegen die vom Glauben abgefallenen Tyrannen zu erheben" und ihre Glaubensbrüder in Syrien, im Irak und im Jemen "zu rächen".

Al-Bagdadi bekräftigt verschiedenen Berichten zufolge in der neuen Botschaft seinen Aufruf an alle Muslime, sich am Dschihad zu beteiligen, um den "Krieg der Ungläubigen" gegen den Islam zu stoppen. Auch Drohungen gegen Europa und die USA sind erneut Bestandteil der Rede. Außerdem warnt der IS-Chef Russland, das in Syrien Luftangriffe fliegt.

Fotostrecke

10  Bilder
Kampf um Ramadi: Irakische Armee rückt in Stadtzentrum vor

Niederlagen der Terrorkrieger

Jenseits dieser Drohungen dürfte die Audiobotschaft vor allem einem Zweck dienen: die Moral der IS-Kämpfer zu stärken. Denn der heilige Kampf für das IS-Kalifat ist ins Stocken geraten. Tausende Dschihadisten sind in den vergangenen Monaten durch die Luftangriffe der Anti-IS-Miliz getötet worden. Einem US-Institut zufolge hat die Terrorgruppe seit Jahresbeginn 14 Prozent ihres Gebiets in Syrien und im Irak verloren. Erfolgsmeldungen, die die IS-Propaganda für sich nutzen kann, sind rar geworden.

Unbesiegbar, wie sich der IS gern lange inszenierte, sind die Terrorkrieger nicht mehr:

  • In der irakischen Stadt Ramadi liefern sich Regierungstruppen und IS-Kämpfer heftige Gefechte. Am Dienstag hatten die Iraker mit internationaler Luftunterstützung einen Großangriff auf das Zentrum Ramadis begonnen. Dort sollen sich nach Schätzung der USA bis zu 350 IS-Kämpfer verschanzt haben. Verlören diese die Stadt, wäre es die vierte Niederlage der Extremisten nach Tikrit, Badschi und Sinjar. Und Ramadi ist kein beliebiger Ort, sondern die Hauptstadt der Provinz Anbar, sie gilt als Machtbasis des IS.

  • Im Norden Syriens eroberten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge arabisch-kurdische Truppen den strategisch wichtigen Tischrin-Staudamm am Fluss Euphrat - eine herbe Niederlage für den IS. Die Transportstrecke über den Damm war eine wichtige Nachschubroute der Terrormiliz zwischen ihrer Hochburg al-Rakka und den vom IS kontrollierten Gebieten westlich des Euphrat. Damit sind die Extremisten nun gezwungen, auf eine längere Verbindung auszuweichen. Der Tischrin-Damm ist zudem eine der Hauptenergiequellen Nordsyriens.

Angesichts solcher Verluste übt sich die Stimme in der Audiobotschaft in Durchhalteappellen: "Soldaten des Islamischen Staats, seid geduldig, denn ihr befindet euch auf dem richtigen Weg." Und weiter heißt es: "Habt Geduld, denn Gott ist mit euch." Von al-Bagdadis Kampfparolen von einst ist nicht mehr viel übrig geblieben.

heb/dpa/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
conny1969 27.12.2015
1. was soll schon passieren...
wenn es eng wird, gehen die irakischen und syrischen IS Anhänger einfach nach Hause und machen im Untergrund weiter, wie in den Jahren zuvor. Die Ausländer in Diensten des IS werden das gleiche machen,wenn sie aus Ländern stammen die den IS unterstützen. Wenn die Lage ruhig ist, der Westen verschwunden ist, kommen sie wieder, mit einem anderen Namen, mit anderen Anführern, wer weiß? Ach ja außer dem IS gibt es ja noch dutzende andere Gruppen, mal sehen ob die ihre Waffen abgeben, ihre Ziele aufgeben, ich glaubs nicht.
Spiegelleserin57 27.12.2015
2. die Lage ist dort so unübersichtlich...
dass man die Ansage des Führers nicht als Durchhalteparole deuten kann. der Untergrnd ist undurchschaubar da es zu viele Aufständische gibt. Man sollte nicht Dinge in Aussagen hineininterpretieren die nur auf Hoffnungen auf einen Rückzug basieren. Der Westen träumt davon aber sehr wahrscheinlich sieht die Realität ganz anders aus.
nexus7 27.12.2015
3. Es wird immer enger
Die Anzahl der Terroristen reicht hinten und vorne nicht um ein Gebiet in der Größenordnung tatsächlich kontrollieren zu können. Das zeigen auch die Zahlen und die Entwicklung in Ramadi. Früher gab es eben kaum Gegenwehr, da konnte man leicht Gebiete erobern. Das Halten dieser Gebiete ist aber aussichtslos. Wäre nicht verwunderlich, wenn die bald keine Munition mehr hätten. Die Nachschubwege werden immer mehr abgeschnitten. Ohne die feigen Geiselnahmen wäre der IS in Ramadi längst Geschichte.
Oskar ist der Beste 27.12.2015
4. abwarten...
...laut Todenhöfer kann man IS in der momentanen Form nicht erfolgreich bekämpfen, dazu bedarf es eines nachhaltigen Konzeptes...was immer wieder übersehen wird, ist, daß die IS ein Staat ist und eine Zerstörung eines Staates nur in Form einer Kapitulation erfolgen kann und dazu braucht es ein Folgekonzept, ansonsten hat man spätestens in 2-3 Jahren den nächsten IS Staat, nur mit anderen Namen. Aber etwas Hoffnung besteht, immerhin hat man sich jetzt endlich auf eine Friedenskonferenz über Syrien geeinigt.
B.Buchholz 27.12.2015
5.
Zitat von Oskar ist der Beste...laut Todenhöfer kann man IS in der momentanen Form nicht erfolgreich bekämpfen, dazu bedarf es eines nachhaltigen Konzeptes...was immer wieder übersehen wird, ist, daß die IS ein Staat ist und eine Zerstörung eines Staates nur in Form einer Kapitulation erfolgen kann und dazu braucht es ein Folgekonzept, ansonsten hat man spätestens in 2-3 Jahren den nächsten IS Staat, nur mit anderen Namen. Aber etwas Hoffnung besteht, immerhin hat man sich jetzt endlich auf eine Friedenskonferenz über Syrien geeinigt.
Laut Todenhöfer bestand der IS vor einigen Jahren auch nur aus höchstens ein paar tausend Leutchen, wegen denen man sich keine Sorgen machen brauche. Denen würd sich niemand anschließen, das seien nur ein paar Durchgeknallte, die 99,999% der Muslime strikt ablehnen. Mit den paar Leutchen würden die Iraker gut alleine fertig werden, und deshalb bräuchte man hier die Sache auch nicht so hochkochen. Und weil es genauso war und ist, bin ich auch künftig auf die wertvollen Analysen Todenhöfers gespannt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.