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Terrorpropaganda: Brite identifiziert vierjährigen Enkel in IS-Video

In einem neuen IS-Propagandavideo taucht ein kleiner Junge mit britischem Akzent auf. Ein Mann aus London hat das Kind erkannt: Sein Enkel Isa ist gerade einmal vier Jahre alt.

Der kleine Junge trägt Militärkleidung und ein schwarzes Stirnband mit dem Logo der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Sein linker Arm deutet in die Ferne. "Wir werden die Ungläubigen dort hinten umbringen", sagt er mit breitem britischen Akzent in die Kamera.

Mit dieser Szene endet ein IS-Propagandavideo, das die Miliz am Wochenende im Internet veröffentlichte. Es zeigt die Erschießung von fünf Männern, die angeblich für Großbritannien in der syrischen Stadt Rakka spioniert haben sollen. Die Schlussszene mit dem britischen Kind kündigt ein weiteres Tötungsvideo an.

Henry Sunday Dare aus London hat den Jungen erkannt. "Das ist mein Enkel. Ich kenne ihn sehr gut", sagte der Mann dem britischen Fernsehsender Channel 4. Der Junge heiße Isa Dare und sei der vierjährige Sohn seiner Tochter Khadijah.

Die Frau mit nigerianischen Wurzeln konvertierte 2009 mit 18 Jahren zum Islam, 2013 reiste sie ins Kriegsgebiet nach Syrien. Seither postete sie auf ihrem Twitter-Account zahlreiche Berichte und Fotos aus dem IS-Gebiet. 2014 ließ sie Isa für ein Bild mit einer Kalaschnikow posieren

.

"Er ist doch nur ein kleiner Junge. Sie benutzen ihn als Schutzschild", sagte sein Großvater bei Channel 4. Auf die Frage, ob er jemals mit seinem Enkel telefoniert habe, sagte Henry Dare. "Nun, ihm gefällt es da unten nicht." Mit seiner Tochter habe er "vor Wochen" das letzte Mal gesprochen. Ansonsten ignoriere er ihre Anrufe, weil sie Schande über die Familie und sich selbst gebracht habe.

Nach BBC-Informationen haben britische Behörden auch den Mann identifiziert, der in dem jüngsten Video einen Menschen erschießt und Anschläge in Großbritannien androht. Es soll sich um Siddharta Dhar handeln, einen Mann aus Ostlondon, der 2014 nach Syrien ging.

Der gebürtige Hindu war vor einigen Jahren zum Islam konvertiert und hatte sich radikalen Gruppen in Großbritannien angeschlossen. Vor seiner Ausreise galt er als einer der führenden Köpfe der Islamistengruppe al-Muhajiroun.

Nun hat er beim IS offenbar die Rolle des getöteten Mohamed Emwazi angetreten. Der Brite mit dem Spitznamen Jihadi John hatte mehrere IS-Geiseln vor laufender Kamera enthauptet.

syd

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