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Kampf gegen "Islamischen Staat": China zürnt, China zaudert

Von Ulrike Putz

Chinesische Paramilitärs in der Xinjiang-Region: Der IS sieht Chinas Westen als Teil seines Kalifats Zur Großansicht
REUTERS

Chinesische Paramilitärs in der Xinjiang-Region: Der IS sieht Chinas Westen als Teil seines Kalifats

Der IS ermordet immer wieder chinesische Bürger - trotzdem vermeidet die Regierung den direkten Kampf gegen die Terroristen. Peking sieht drei große Gefahren.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Es war ein doppelter Schlag für China: Am vergangenen Donnerstag gab der "Islamische Staat" in Syrien die Ermordung einer chinesischen Geisel bekannt. Der 50-Jährige Fan Jinghui, der unter ungeklärten Umständen in die Hände der Miliz geraten war, sei getötet worden, nachdem seine Regierung kein Lösegeld für ihn habe zahlen wollen. Das erklärte der IS in einer Propagandaschrift, in der auch eine Foto der Leiche gezeigt wurde.

Einen Tag darauf starben drei Manager der staatlichen chinesischen Eisenbahngesellschaft. Sie kamen um, als Qaida-nahe islamistische Terroristen ihr Hotel in Bamako, Mali, stürmten.

Der doppelte Angriff auf chinesische Staatsbürger ließ Präsident Xi Jinping deutlich Töne anschlagen. Er verurteilte die Taten scharf und kündigte an, Peking werde "resolut" gegen Terroraktivitäten vorgehen.

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Terror in Mali: Befreiungsaktion in Bamako
Viel mehr als harte Worte dürften das nicht sein. In Wahrheit hält sich die Regierung zurück. Es sei unwahrscheinlich, dass sich Peking durch solche Vorfälle in eine aktive Rolle in Syrien drängen lasse, sagt Srikanth Kondapalli, Professor für China-Studien an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi. "Dazu sind die Opferzahlen nicht groß genug. Die Regierung macht die Kosten-Nutzen-Rechnung auf, und danach lohnt sich ein Eingreifen in Syrien noch lange nicht."

Li Guofu, vom staatlichen Chinesischen Institut für Internationale Studien, begründet die Zurückhaltung mit den schlechten Resultaten westlicher Interventionspolitik in Nahost. "Es ist für Peking klar, dass die Herangehensweise der USA in Syrien und dem Nahen Osten nicht funktioniert", so Li gegenüber der Agentur Bloomberg. Die Syrien-Politik der USA habe im Gegenteil zur Eskalation geführt: "Man sieht das Phänomen: Je härter sie zuschlagen, desto größer der Terrorismus."

Tatsächlich hat China gute Gründe, sich nicht tiefer in die Konflikte des Nahen Ostens hineinziehen zu lassen:

• Zigtausende Chinesen im Ausland könnten gefährdet werden, wenn Peking aktiv in den Kampf gegen den Terror einsteige, so China-Experte Kondapalli. Allein in Algerien arbeiten 42.000 Chinesen, in Libyen 50.000 - sie wären nach einer Einmischung Chinas in den Krieg in Syrien potenzielle Opfer der Terroristen.

• Im vergangenen Jahr sind 120 Millionen Chinesen als Touristen ins Ausland gereist. Auch sie könnten erhöhter Gefährdung ausgesetzt sein, sollte China in Nahost militärisch aktiv werden. Zwischenfälle mit urlaubenden Chinesen wolle Peking unbedingt vermeiden, sagt Xie Tao, Professor an der Pekinger Universität für Auslandsstudien.

• Die Gefahr von islamistischen Anschlägen daheim könnte sich durch chinesisches Engagement im Kampf gegen den Terror deutlich erhöhen. In der chinesischen Provinz Xinjiang ist es in den vergangenen Jahren mehrfach zu blutigen Anschlägen durch radikale Uiguren gekommen. Die in der Mehrheit friedliche muslimische Minderheit wird von der Zentralregierung mit schweren Repressalien drangsaliert. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" setzte China im vergangenen Jahr deshalb auf Platz eins einer Liste von 20 Ländern, die "muslimische Rechte gewaltsam entzogen" hätten. In China leben etwa 20 Millionen Muslime. Der IS sieht Chinas Westen als Teil seines Kalifats. Nach Angaben der Zentralregierung haben sich etwa 300 Uiguren der Terrormiliz angeschlossen, um in Syrien und im Irak zu kämpfen.

Trotz dieser Risiken ist fraglich, wie lange sich die Chinesen aus dem Chaos in Nahost noch heraushalten können. Nachdem Großbritannien angekündigt hat, sich eventuell an dem von den USA, Frankreich und Russland geführten Luftkrieg gegen den "Islamischen Staat" in Syrien beteiligen zu wollen, ist China die einzige Veto-Macht im Uno-Sicherheitsrat, die sich noch an die Hoffnung auf eine politische Lösung für Syrien klammert. Der Druck auf Peking könnte schon bald zu groß sein.


Zusammengefasst: Eine direkte Einmischung in Syrien will China unbedingt vermeiden. Peking fürchtet Anschläge auf chinesische Arbeiter im Ausland, auf Touristen oder im eigenen Land. Schon bald aber dürften die anderen Großmächte den Druck erhöhen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 196 Beiträge
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1. China könnte klug handeln!
maria79797 26.11.2015
Wenn wir den IS massiv als Feind angreifen, wird er seine Taktik ändern und die „erfolgreichen Dschihadisten“ als Flüchtlinge getarnt nach Europa und in die ganze Welt schicken und Tod und Verwüstung und einen Überwachungsstaat zu uns bringen. Das hat in der Vergangenheit nachweislich (Afghanistan, Irak) noch nie funktioniert und es ist unverständlich, wie die v.a. männlichen Protagonisten dieses Verfahrens immer noch ernsthaft Koalitionen gegen den Feind schmieden wollen. Wir müssen ursächlich handeln! Der kriegerische IS besteht v.a. aus einer perspektivlosen lokalen Zivilbevölkerung und aus ebenso perspektivlosen Menschen aus der ganzen Welt. Jugendliche, die keine Arbeit bekommen oder sich in einer anonymen Welt unverstanden fühlen oder die schon einmal durch Krieg und Verwüstung jegliche Hoffnung auf ein „normales“ Leben verloren haben. Diese Menschen werden wir nicht bezwingen, indem wir sie totschiessen. Wie bei der Hydra aus der griechischen Mythologie werden dann aus einem abgeschlagenen Kopf wieder zwei nachwachsen!!! Was können wir statt dessen tun. Wenn wir allerdings der unentschiedenen lokalen Zivilbevölkerung in und um das Herrschaftsgebiet des IS über alle zur Verfügung stehenden Kanäle vermitteln, dass wir ihre Kultur respektieren und für ihre und die Zukunft ihrer Kinder Milliardensummen zurückstellen, damit unter einer friedlichen Herrschaft (denn für eine Demokratie reicht es noch nicht, bis evtl. die Frauen ihre kriegerischen Männer vom Kämpfen abhalten können) Schulen, ein funktionierendes Gesundheitswesen, die Wirtschaf und z.B. ein Versorgungssystem für die Schwachen aufgebaut wird. Der IS will Krieg. Er braucht Krieg. Nur so bekommt er mehr und mehr Kämpfer. Die Kriegsspielindustrie lässt ebenso grüssen. Er kann nur durch Frieden bezwungen werden!
2.
jamey 26.11.2015
Noch ein paar Chinesische Jets in Syrien und dann gibt's Entspannung pur....
3. Fehler andere ausbaden?
saiber 26.11.2015
Warum sollte China fuer die Fehler anderer gerade stehen? Sie hatten ja frueh genug immer wieder gewarnt vor Interventionen im nahen Osten aber keiner wollte hoeren. Ausserdem haben sie schon genug zu tun bei denen daheim mit radikalen Extremisten.
4. Wow, ein Thread über
redbayer 26.11.2015
China & Islam ist zugelassen. Soll wohl den "bösen Chinesen" zeigen, dass sie nicht genug "dem Westen helfen" in seinem "Kampf gegen den Islam"? Die "Allianz der Willigen" bombardiert doch so schön in der Levante, von Syrien bis Irak, diejenigen (IS) die sie selbst und ihre Freunde am Golf etabliert und ausgestattet haben (als Gegner zu Assad). Die Chinesen halten sich mit Recht zurück. Denn der "Kampf gegen den Islam" ist auch ein Problem im eigenen Land (Minderheit). Andere Länder wie Deutschland holen sich dieses Problem erst ins Land und können deshalb noch dumm daher reden.
5. Nachvollziehbar
pr-watch 26.11.2015
Deckt sich auch ein wenig mit dem Augstein Kommentar hier auf SPON. Wird allerdings wohl keinen Einfluss auf das Verhalten der Europäer oder Amerikaner haben.
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