Terrorismus Einnahmen des IS gehen dramatisch zurück

Die Einnahmen der Terrormiliz "Islamischer Staat" haben sich seit 2014 halbiert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Londoner King's College, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Terrorgefahr mindere das aber nicht.

Verlassenes IS-Gebäude in Libyen
REUTERS

Verlassenes IS-Gebäude in Libyen


Wissenschaftler des Londoner King's College haben erstmals umfassend die Finanzsituation der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) untersucht. Die Studie, die dem SPIEGEL und der "Washington Post" vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass sich die Einnahmen der Gruppe innerhalb von nur zwei Jahren ungefähr halbiert haben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 8/2017
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Nahm der IS 2014 laut der Studie geschätzt noch bis zu 1,89 Milliarden US-Dollar ein, waren es 2016 nur noch maximal 870 Millionen Dollar. Die Wissenschaftler führen dies unter anderem auf die Tatsache zurück, dass der IS nicht mehr expandiert, sondern kontinuierlich Territorien in Syrien und im Irak verliert. Damit schrumpfen auch seine Einnahmen.

Unter den wichtigsten Finanzquellen führt die Studie "Steuern und Gebühren" an, die der IS in den eroberten Gebieten erhebt. An zweiter Stelle folgen Gelder, die aus der Produktion und dem Verkauf von Öl stammen. Einnahmen aus Entführungen oder dem so oft zitierten Antikenhandel seien hingegen gering.

Der Rückgang der finanziellen Mittel ändere allerdings kaum etwas an der terroristischen Bedrohung. "Einer Schätzung französischer Behörden zufolge wurden für die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris nicht mehr als 20.000 Euro aufgewendet", sagt Terrorexperte Peter Neumann vom King's College, einer der vier Autoren der Studie.

Die Studie, die am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt wird, entstand in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die Wissenschaftler werteten interne IS-Unterlagen, öffentlich zugängliche Regierungsdokumente, Medienberichte und eigene Recherchen aus.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 8 Beiträge
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frankfurtbeat 17.02.2017
1. man kann ...
man kann sich sicher sein, das diese "Gläubigen" ausreichend Unterstützer haben damit das anvisierte Ziel aufrecht erhalten werden kann. Dabei kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, das es sich bei den Unterstützern nicht lediglich um verwirrte wohlhabende Privatpersonen dreht sondern auch Länder welche die "Politik" dieser kranken "Gläubigen" unterstützen.
sean100 17.02.2017
2. Rohöl!
Was ist los? Kauft die Türkei dem IS kein Rohöl mehr ab? Ist der IS jetzt nutzlos im Kampf um den Russenstützpunkt und gegen Assad? Der nahe Osten wird so oder so nicht mehr zur Ruhe kommen. Man hat dort leichtsinniger Weise einen Glaubenskrieg entfacht, der den 30 jährigen Krieg locker in den Schatten stellen wird. Sunniten ( unterstützt von Saudi Arabien ) gegen Schiiten ( unterstützt von Iran )!!! Das wird auf viele Jahre nicht enden. Alle anderen muslimischen Glaubensrichtungen spielen keine Rolle mehr. Und Christen usw. sind da ganz raus und extrem gefährdet! Der Westen und ganz besonders die USA hätte sich im nahen Osten niemals einmischen sollen. Man erntet was man gesät hat! Und nicht der Verursacher USA, sondern Europa kriegt es ab! Sämtliche Einmischung in diese politischen Strukturen haben nur mehr Leid, Tod und Elend gebracht! Und dabei ging es niemals um Demokratie, Freiheit und Menschenrechte für das Volk. Es geht alleine um die Sicherung von Ressourcen und Militärstützpunkten! Der IS war ein Mittel zum Zweck! Für die Türken gegen die Kurden und Assad. Für Amerika gegen Assad und den russischen Stützpunkt! Und wir in Europa lassen und etwas vom arabischen Frühling erzählen. Lächerlich! Es geht nur alleine um Geld und Macht! Und um sonst gar nichts!
BBirke 17.02.2017
3. Besonders wettbewerbsfähige Wirtschaftsstandorte!
Der IS kann doch ganz simpel die Firmen der Welt zu sich locken, indem er Produktion mit Sklaverei anbietet. Das wäre der ultimative Standortvorteil und die größtmögliche Wettbewerbsfähigkeit! Warum dann noch Näherinnen in Bangladesch 30 Euro im Monat zahlen? Das führt bestimmt zu einer Umstrukturierung der internationalen Arbeitsteilung, zur Kostensenkung, zu billigeren Konsumprodukten und höheren Profiten. Ach so, und Arbeitnehmern in Deutschland kann man natürlich auch wieder aufdrängen, dass sie sich ganz alternativlos anpassen müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Ist ja nur der blöde Trump, der protektionistische Zölle und Steuern einführt, damit die Amis sich wieder in Ruhe fett fressen können. Nein, unsere Politik bleibt dem freien Markt treu und behindert nicht den Wettbewerb!
recepcik 17.02.2017
4. 870 Millionen Dollar
Sind immer noch zu hohe Einnahmen für eine Terrororganisation. Die Quellen müssen ausgetrocknet und auch die Transaktionen sollten unterbunden werden damit dieses Geld nicht für Terroranschläge im Ausland benützt wird. Dazu sollten die Banken in Saudi-Arabien, Türkei und den Golfstaaten unter die Lupe genommen werden. Vor allem die Türkei, die zur Zeit ohne Nachfrage Devisen aller Art ins Land lässt, könnte die Finanzoase für islamistische Terroristen werden. Auch wenn man nach außen den Eindruck erweckt den IS zu bekämpfen, hält der Dschihadtourismus in der Türkei an. Die Terroristen haben ihre Taktik geändert . Nach dem die internationalen Geheimdienste den Anlaufpunkt Fatih in Istanbul entdeckt haben, wurde Sultanbeyli in Istanbul die neue Anlaufstelle für Dschihadisten und es sind vermehrt Terroristen aus Zentralasien statt Nordafrikaner .
adieu2000 17.02.2017
5. Kein Wunder
Man mag zu den Russen stehen wie man will, aber das der IS soweit zurück gedrängt wurde isz ihr Verdienst, auch wenn es nur ein Nebeneffekt war bei der Unterstützung von Assad. Aber wie konnte es erst soweit kommen? Um so mehr sich die Anti Assad Allianz in Syrien engagiert hat und um so mehr Waffen an moderate Rebellen geliefert wurden, um so mehr konnte der IS an Einfluss gewinnen. Der ganze Kampf gegen die Achse des Bösen hatte nur einen Effekt, Destabilisierung und Chaos, Ausweitung des Saudischen und amerikanischen Einflusses in der Region. Angefangen bei den Lügen Geschichten über Greultaten den Iraker in Kuwaitischen Krankenhäusern als Legitimation für die amerikanische Invasion im im Irak.
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