Schlacht um Mossul im Irak Der gefährliche Marsch auf die letzte IS-Metropole

Falludscha ist vom IS befreit, nun nimmt die irakische Armee das nächste Ziel ins Visier: die Millionenstadt Mossul. Doch viele Bewohner fürchten die Befreier.

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Erst Tikrit, dann Ramadi, jetzt Falludscha: Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat innerhalb von 15 Monaten die dritte Großstadt im Irak verloren. Nun kontrollieren die Dschihadisten nur noch eine Metropole im Land: die Millionenstadt Mossul.

Während das irakische Militär und verbündete Milizen die Straßen von Falludscha noch nach versprengten IS-Kämpfern durchkämmen, planen das US-Militär, die irakische Regierung und die kurdische Autonomiebehörde bereits die Offensive gegen Mossul. Neben der inoffiziellen IS-Hauptstadt Rakka in Syrien ist Mossul die wichtigste Hochburg der Terrororganisation. Hier trat im Juli 2014 IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi öffentlich in einer Moschee auf und ließ sich als Kalif huldigen. Sollte die Stadt fallen, wäre es das bislang deutlichste Zeichen an die IS-Unterstützer, dass das selbsternannte Kalifat nach zwei Jahren vor dem Zusammenbruch steht.

Familien flüchten aus Dörfern rund um Mossul

Am Sonntag traf sich Brett McGurk, der Sondergesandte des US-Präsidenten für den Kampf gegen den IS, in der kurdischen Regionalhauptstadt Arbil mit dem Präsidenten der kurdischen Autonomieregierung Masoud Barzani und dem Sicherheitsberater des irakischen Ministerpräsidenten, Faleh al-Fayad. Bei dem Termin besprachen sie die Pläne für eine gemeinsame Militäroperation zur Befreiung Mossuls.

Zunächst richtet sich die Offensive gegen die vom IS besetzte Kleinstadt Kajara. Der Ort liegt am Tigris, rund 60 Kilometer südlich von Mossul und verfügt über ein Flugfeld. "Unser Ziel ist es, Kajara zu befreien und von dort unsere Angriffe auf Mossul zu starten", sagte der irakische Verteidigungsminister Khaled al-Obeidi. US-Marines unterstützen den Vormarsch auf den Ort mit Artillerie. Die kurdische Regionalregierung behauptet, dass der IS bereits begonnen habe, wichtige Institutionen und teure Gerätschaften wie Baumaschinen aus Mossul nach Syrien zu bringen.

Schon jetzt flüchten die ersten Zivilisten aus den Dörfern und Kleinstädten südlich von Mossul. Allein am Wochenende sind nach Angaben des irakischen Vertriebenenministeriums rund 600 Familien im Nordirak als Flüchtlinge registriert worden. Sie werden in provisorischen Camps versorgt.

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Kampf gegen den IS: Heute Falludscha, morgen Mossul

Je weiter irakische Armee, kurdische Peschmerga und verbündete Milizen auf Mossul vorrücken, desto mehr Menschen dürften aus dem Gebiet fliehen. Das zeigt das Beispiel Falludscha: In den vergangenen Tagen, als die Regierungstruppen in die Stadt einrückten, flüchteten mehr als 30.000 Menschen aus dem Ort - vor den Truppen, die sie eigentlich befreien sollten.

Mossul war einst ein Schmelztiegel: Hier lebten über Jahrhunderte Araber, Kurden und Assyrer, Muslime, Christen und Jesiden. Spätestens seit der Eroberung durch den IS ist davon nichts mehr geblieben. Die religiösen Minderheiten wurden systematisch vertrieben, wer nicht rechtzeitig flüchtete, wurde umgebracht. Deshalb ist Mossul nun eine sunnitisch-arabische Stadt, ähnlich wie Falludscha.

Unter den Truppen, die Mossul nun zurückerobern sollen, stellen arabische Sunniten aber die Minderheit. Die irakische Armee und die Regierungsmilizen sind zwar Araber, aber keine Sunniten, sondern Schiiten. Die Peschmerga sind zwar Sunniten, aber keine Araber, sondern Kurden. Viele Menschen in Mossul fürchten die Rache derer, die der IS aus ihrer Stadt vertrieben hat.

Mossuls Einwohner fürchten die Eroberer

"Ich habe Angst vor dem, was kommt", sagt ein Bewohner der Stadt SPIEGEL ONLINE. "Die Schiiten in der Armee und die Kurden hassen uns doch. Sie sehen in jedem Mann aus Mossul einen Terroristen und wollen bestimmt Rache nehmen."

Der irakische Premierminister Haider al-Abadi verkündete am Wochenende: "Mossuls Befreiung ist nah." Eine äußerst optimistische Einschätzung. Nicht nur, weil sich der IS seit mehr als einem Jahr auf die Schlacht um Mossul vorbereitet und einen Verteidigungsring um die Stadt errichtet hat. Auch die Einigung zwischen Arabern und Kurden ist brüchig.

Die Kurden haben deutlich gemacht, dass sie eine Belohnung für ihren Einsatz im Kampf gegen den IS erwarten. Seit Langem fordern sie die Angliederung der Stadt an die Autonome Region Kurdistan. Nun ist die Rede davon, dass die Kurden nach der Rückeroberung zumindest "eine wichtige Rolle" bei der Verwaltung der Stadt spielen sollen.

Noch wichtiger aber ist die Verteilung der Einnahmen aus der Erdölförderung. Mossul und Umgebung gehören schließlich zu den wichtigsten Förderstätten im Irak.


Zusammengefasst: Die irakische Regierung will dem IS nach Falludscha die letzte Großstadt im Irak entreißen. Doch die Eroberung Mossuls wird schwierig: Die Dschihadisten werden alles daran setzen die Metropole zu halten, außerdem ist das Militärbündnis der Regierung zwischen Arabern und Kurden brüchig.



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Seite 1
sarkosy 20.06.2016
1. Es ist doch seltsam,
wie dir vor noch 2 Wochen hochgelobten und hochgefürchteten "schwarzen Rebellen" aus Falludscha verjagt worden sind!Sehr seltsam?Sind sie vielleicht doch nur manipulierte,verirrte Jugendliche ,die keine Zukunft sahen und auch nichts zu verlieren hatten?Wahrscheinlich sind sie jetzt tödlich geschwächt,weil die korrupten irakischen Generäle und Obristen in die Wüste geschickt wurden und die Nachfolger es noch nicht wagen,bei den Rebellen die Hand aufzuhalten,. Alles halb so will und in den USA haben seit 1963 mehr Menschen den nichtmilitärischen,gewaltsamen Tod gefunden als alle USA-Kriege seit dem Ende des Krieges gegen England zu Beginn des 19.Jahrhundert.Und davon gab es doch schon einige ..zig!!!!
chico 76 20.06.2016
2. Die Einwohner
Mossuls fürchten Racheakte der irakischen Armee? Dann wird es höchste Zeit für die UNO und /oder USA über eine Möglichkeit zur Verhinderung *öffentlich* zu diskutieren. Öffentlich deshalb, um Druck auszuüben.
kleinbürger 20.06.2016
3. thema
Zitat von sarkosywie dir vor noch 2 Wochen hochgelobten und hochgefürchteten "schwarzen Rebellen" aus Falludscha verjagt worden sind!Sehr seltsam?Sind sie vielleicht doch nur manipulierte,verirrte Jugendliche ,die keine Zukunft sahen und auch nichts zu verlieren hatten?Wahrscheinlich sind sie jetzt tödlich geschwächt,weil die korrupten irakischen Generäle und Obristen in die Wüste geschickt wurden und die Nachfolger es noch nicht wagen,bei den Rebellen die Hand aufzuhalten,. Alles halb so will und in den USA haben seit 1963 mehr Menschen den nichtmilitärischen,gewaltsamen Tod gefunden als alle USA-Kriege seit dem Ende des Krieges gegen England zu Beginn des 19.Jahrhundert.Und davon gab es doch schon einige ..zig!!!!
....und was wollen sie uns mit ihrem anti-amerikanischen geschwurbel nun genaues in bezug auf den artikel sagen ? oder wollten sie garnichts sagen sondern nur ihren anti-amerikanischen ressentiments freien lauf lassen. wennja, dann haben sie jetzt mal etwas sagen dürfen. wenn nicht, dann ist das thema verfehlt.
rkinfo 20.06.2016
4. IS und ihre Mittäter in Mossul
In Mossul wütete breit ein sunnitischer Islamismus. Da entstand Schuld bei vielen Einwohnern und nun werden wieder geordnete Verhältnisse entstehen. Es stellt sich aber die Frage, wie und wo die vielen Sunniten aus Irak und Syrien einmal leben sollen und wollen. Da wird bald eine internationale Konferenz nötig.
Over_the_Fence 20.06.2016
5. Ja welcher Islam ist es denn nun...
... der zu Deutschland gehört? Hier sehen wir einmal wieder ein Beispiel, wo sich die Mitglieder der verschiedenen islamischen Strömungen nicht wohlgesonnen sind. In diesem Kontext stelle ich mir regelmässig die Frage, welcher Islam es denn sein soll, der zu Deutschland gehört? Die sunnitische, schiitische, alewitische, wahabitische Auslegung? Bei den Sunniten mehr in Richtung Muslimbrüder oder Erdogan, oder vielleicht eher gemässigt wie im Senegal? Die Leute erkennen sich z.T. ja selbst gegenseitig nicht als "rechtgläubig" an und verachten sich. Allein durch diese Vielfalt und Streitigkeiten in der sog. "Umma" ist der Satz "DER Islam gehört zu Deutschland", absoluter Nonsens. Es gibt ihn nämlich nicht "DEN" Islam.
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