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Irak: Befreite IS-Geiseln schildern Schrecken ihrer Gefangenschaft

Befreite IS-Geiseln: Die meisten von ihnen waren Polizisten Zur Großansicht
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Befreite IS-Geiseln: Die meisten von ihnen waren Polizisten

Mit ihrer Kommandoaktion im Nordirak haben US-Armee und kurdische Peschmerga Dutzenden IS-Geiseln das Leben gerettet. Die befreiten Männer berichten von Folterungen und Exekutionen.

Als die Spezialkräfte der US-Armee mit ihren kurdischen Verbündeten das Gefängnis der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) stürmten, fanden sie dort nicht die Gefangenen vor, die sie erwartet hatten. Das Militär war davon ausgegangen, dass der IS in dem Gebäude in der nordirakischen Stadt Hawija kurdische Peschmerga-Kämpfer festhielt. Stattdessen waren dort arabische Iraker interniert. Als Sunniten gehörten sie der gleichen islamischen Glaubensrichtung an wie ihre Peiniger.

Bei der Kommandoaktion wurden am vergangenen Donnerstag insgesamt 69 IS-Geiseln befreit. Der US-Soldat Joshua L. Wheeler kam bei dem Einsatz ums Leben.

Mehrere befreite Gefangene haben nun der "New York Times" die Umstände ihrer Geiselhaft geschildert. Die meisten von ihnen seien einst Polizisten gewesen, hätten für die irakische Regierung gearbeitet oder seien verdächtigt worden, Beziehungen zu US-Behörden zu unterhalten.

Folter mit Elektroschocks und Schlägen

Die Dschihadisten pferchten ihre Geiseln auf engstem Raum zusammen. 39 Gefangene mussten sich eine Zelle teilen. Die Terroristen folterten ihre Opfer mit Elektroschocks und Schlägen.

Muhammad al-Jibouri wurde beschuldigt, mit dem US-Militär kooperiert zu haben. "Wenn ich Ja sage, werden sie mich hinrichten. Wenn ich Nein sage, werden sie mich so lange schlagen, bis ich Ja sage und mich dann hinrichten", berichtete er.

Saad Faraj geriet ins Visier des IS, weil eine seiner beiden Ehefrauen eine Kurdin war. Die Dschihadisten verlangten von Faraj die Scheidung. Er weigerte sich. Sein Bruder wurde von den Terroristen enthauptet.

Auf einem Fernseher mussten die Gefangenen mehrfach Enthauptungen ansehen. Ihre einzige Nahrung war Brot, das die Entführer ihnen unter der Zellentür hindurchschoben. Die letzten Wochen ihrer Geiselhaft verbrachten sie in nahezu völliger Dunkelheit.

Mit der Befreiungsaktion verhinderte die US-Armee die drohende Hinrichtung der Gefangenen. Die IS-Wärter hatten den Geiseln mitgeteilt, dass sie in den nächsten Stunden getötet würden.

Nach ihrer Befreiung wurden die Männer nach Erbil gebracht, in die Autonome Region Kurdistan. Ihre Familien leben noch immer unter der Terrorherrschaft des IS in Hawija. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat weitere Kommandoaktionen gegen die Dschihadisten angekündigt.

Sehen Sie im Video die Befreiungsaktion der US-Spezialeinheit:

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insgesamt 64 Beiträge
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1.
DuDDle 28.10.2015
Dummerweise rechtfertigt der Islamische Staat seine Handlungen mit dem Islam. Das bereitet all den andersdenkenden Muslimen (klar die totale Mehrheit) große Probleme oder sollte es zumindest. Ich denke es wird Zeit, daß sich die Muslime zusammentun und ihre Religion derart reformen, daß die Islamisten sich nicht mehr darauf berufen können, was sehr schierig sein dürfte. Zumindest sollten sie sich abgrenzen von den Islamisten und diese isolieren, damit diese ihre Sichtweise des Islam nicht mehr innerhalb der Gemeinschaften verbreiten können.
2. Is
wahrsager26 28.10.2015
Ich vertrete eine unpopuläre Linie:Der Blutzoll muss drastisch erhöht werden-es sind so viele IS Kämpfer auszuschalten wie möglich-ein runder Tisch hilft da nicht mehr...auch die lieben Deutschen werden lernen müssen,das gutmenschliches Reden nicht hilft-Frieden auf Erden ohne Waffen es einfach nicht zu erreichen -wir haben uns mit dieser Haltung schon viel eingebrockt,auch das aktuelle Flüchtlingsproblem.Und die unselige EU wird von uns nicht reformiert...ja,Deutschland hat zu führen ,wobei wir durchaus in die Zukunft schauen müssen und uns nicht selbst in einer Art Rückschau knebeln und handlungsunfähig machen,was zu neuem Unglück führt!Danke
3. So sehr.....
KapArkona 28.10.2015
...ich die Aktion der USA und der Peschmerga begrüße haben die USA denn Erdogan gefragt ob diese Kurden einfach so in die Autonome Region Kurdistan gebracht werden durften? Nichts desto trotz es tut sich was und ich hoffe diese Aktion wird weiter geführt. Die Kurden sind Momentan die einzigsten inländischen Kräfte die gegen die Terroristen kämpfen und es nötigt mir Respekt ab wenn ich Frauen gleichberechtigt Seite an Seite mit den Männern kämpfen sehe. Leider muss ich aber wieder feststellen, dass wenn um die russischen Angriffe berichtet wird es sich um "Rebellen" oder "Opposition" handelt. Die sind alle Terroristen und auch der Spiegel sollte das so komunizieren. Vielleicht kommen die USA auch näher zusammen um gegen ALLE Terroristen zu kämpfen. Zu wünschen wäre es. MfG
4. Warum zum Teufel
chjuma 28.10.2015
machen nur die Amerikaner so was? Klar haben sie mit der Zerschlagung des Irak die Büchse der Pandora geöffnet, aber ich denke mal das wissen die mittlerweile selber. Nun heißt es wirklich zu helfen. Schon den 6.6.1944 vergessen? Was haben die Amerikaner gemacht?? Etwa eine Generaleinladung an alle Europäer geflötet?? Nein!! Heute wären wir mal dran den Amerikanern und Russen zu helfen. Da reicht es nicht mit verschwiemelten Blick den Rest der Welt einzuladen und dann verschreckt aus dem Bett gucken wenn die wirklich alle kommen, sondern zu helfen dass das Land fort unten wieder lebenswert und bewohnbar wird.
5. Es gibt keinen modernen Islam
zappa99 28.10.2015
hat z.B. Erdogan postuliert. Es gibt nur den einen Islam, und seine Zentralfigur ist das Maß aller Dinge. Man google z.B. nach "Banu Quraiza".
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