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Bericht der "New York Times": IS nutzt Verhütungsmittel für systematische Vergewaltigungen 

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REUTERS

Geflüchtete Jesidinnen

Der IS hält Tausende Frauen als Sklavinnen, die systematisch vergewaltigt werden. Damit sie die Opfer jederzeit missbrauchen können, verabreichen die Dschihadisten ihnen laut "New York Times" Antibabypillen.

Der Mediziner Nezar Ismet Taib hat in seiner Klinik im Nordirak schon mehr als 700 Jesidinnen behandelt, die von Kämpfern der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) vergewaltigt wurden. Nur fünf Prozent von ihnen, insgesamt 35 Frauen, waren während ihrer Versklavung schwanger geworden.

Statistisch hätte die Zahl der Schwangeren um ein Vielfaches höher liegen müssen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine junge Frau durch ungeschützten Geschlechtsverkehr schwanger wird, liege in jedem Monat bei 20 bis 25 Prozent. "Eigentlich sogar noch höher", sagte Taib der "New York Times". "Sie müssen bedenken, dass diese Frauen von mehreren Männern über viele Monate hinweg täglich vergewaltigt wurden."

Eine medizinische Studie aus dem Jugoslawienkrieg hatte zum Beispiel ergeben, dass von 68 kroatischen und bosnischen Vergewaltigungsopfern 29 schwanger wurden.

Doch der IS verteilt nach Angaben geflohener Sexsklavinnen systematisch Antibabypillen und andere Verhütungsmittel. Die Frauen sollen nicht schwanger werden, damit sie pausenlos missbraucht werden können.

Die Terrororganisation hat in einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, festgelegt, dass ein Mann, der eine Frau zur Sklavin nimmt, sicherstellen muss, dass sie nicht schwanger ist. Damit sollen Unklarheiten über die Vaterschaft ausgeschlossen werden.

In der "New York Times" schildern Jesidinnen, dass sie Schwangerschaftstests machen mussten, bevor sie von einem IS-Kämpfer an den nächsten weiterverkauft wurden. Ein positiver Test bedeutete, dass sie das Kind ihres Peinigers austragen mussten, ein negatives Ergebnis hatte zur Folge, dass sie weiter vergewaltigt werden würden.

Eine Frau, die insgesamt sieben Mal weiterverkauft wurde, berichtete, dass ein IS-Scherge ihr zunächst die "Pille danach" und dann die Dreimonatsspritze verabreicht habe, bevor er sie vergewaltigte.

Bereits 2014 hatten mehr als hundert islamische Gelehrte in einem offenen Brief an IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi die religiöse Begründung für die Versklavung der Frauen scharf zurückgewiesen. Sie schrieben: "Die Wiedereinführung der Sklaverei ist im Islam verboten."

syd

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