Uno-Bericht zum Irak IS hält 3500 Frauen und Kinder als Sklaven 

Kämpfer der IS-Terrormiliz halten im Irak rund 3500 Menschen als Sklaven - vor allem jesidische Frauen und Kinder. Die Uno beschuldigt die Extremisten der Kriegsverbrechen.

Jesidische Frauen im Nordirak: Protest gegen den IS-Terror
AP

Jesidische Frauen im Nordirak: Protest gegen den IS-Terror


Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) begeht im Irak Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit - möglicherweise sogar Genozid. Das geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen hervor. (Den Bericht finden Sie hier.)

Schätzungsweise rund 3500 Menschen seien vom IS versklavt worden, heißt es in dem Report. Es soll sich dabei insbesondere um Frauen und Kinder handeln, Angehörige der Volksgruppe der Jesiden. Die Terrororganisation hat nach Angaben der jesidischen Gemeinde von August 2014 an 5838 Angehörige entführt. Inzwischen seien 2258 wieder frei: Entweder seien sie geflohen oder freigelassen worden.

Der 46-seitige Bericht der Uno-Unterstützungsmission im Irak (Unami) und des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte basiert auf Aussagen von Überlebenden und Augenzeugenberichten. Eines der Kapitel beschäftigt sich mit den Gräueltaten des IS. Einige Beispiele:

  • 21. Juni: In Mossul, Ninewa, einem Regierungsbezirk im Nordwesten des Iraks, hat der IS einen Koran-Rezitationswettbewerb ausgerufen - der Preis für die ersten drei Gewinner: Sexsklavinnen.

  • 21. Juni: 800 bis 900 Kinder im Alter von neun bis 15 Jahren werden aus Mossul entführt. Die Kinder werden in ein Camp des IS gebracht: die jüngeren bis zehn Jahre werden religiös erzogen, die über Zehnjährigen müssen am Militärtraining der Extremisten teilnehmen,

  • 25. Juni: In Ninewa entführt der IS 42 jesidische Frauen. Sie werden ins syrische Mayadin, Deir Ezzor, transportiert, das von den Terroristen kontrolliert wird. Dem Bericht zufolge wurden die Frauen als Sexsklavinnen missbraucht und einige von ihnen an IS-Kämpfer für 500 bis 2000 US-Dollar (etwa 460 bis 1800 Euro) verkauft.

  • 3. August: IS-Kämpfer töten 19 Frauen in Mossul, Ninewa. Diese hatten sich zuvor geweigert, mit den Extremisten Sex zu haben.

Machtverhältnisse in Syrien und Irak - Oktober 2014 und Dezember 2015 im Vergleich

Mehrere Massengräber seien entdeckt worden - vor allem in Gebieten, die vom IS kontrolliert und wieder von Regierungstruppen zurückerobert wurden, heißt es in dem Bericht weiter. In einem der Gräber liegen dem Report zufolge 377 Leichen. Ein Teil der Gräber gehe jedoch auf die Zeit unter Diktator Saddam Hussein zurück. Einige der Verbrechen seien möglicherweise als Genozid zu werten, so die Uno.

Nicht nur der IS, auch die irakischen Streitkräfte sowie Milizen, darunter die kurdische Peschmerga, werden im Bericht der Uno erwähnt. Vom 1. Januar 2014 bis 31. Oktober 2015 sind den Vereinten Nationen zufolge 18.802 Menschen getötet und 26.245 verwundet worden.

heb/Reuters/AP



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