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US-Luftangriffe auf IS-Miliz: Rückzugsraum Syrien

IS-Kämpfer im irakisch-syrischen Grenzgebiet (Archiv): USA erwägen Luftschläge Zur Großansicht
DPA/ Albaraka News

IS-Kämpfer im irakisch-syrischen Grenzgebiet (Archiv): USA erwägen Luftschläge

Täglich fliegt die US-Luftwaffe Angriffe gegen die IS-Milizen im Irak. Militärs und Außenpolitiker in Washington wollen den Einsatz nun auf Syrien ausweiten - und dabei laut einem britischen Medienbericht sogar das Assad-Regime unterstützen.

Hamburg - Verbal kann das Pentagon seine Attacken auf den "Islamischen Staat" (IS) kaum noch intensivieren: "Große Bedrohung", "jenseits von allem, was wir kennen", "mehr als eine Terrorgruppe", so sprach US-Verteidigungsminister Chuck Hagel über die Miliz. Militärisch jedoch beschränken sich die US-Truppen auf Luftschläge im Irak.

Noch.

In Washington diskutieren Außenpolitiker, Militärs und Experten längst, ob das reicht - oder ob nicht doch Einsätze in Syrien nötig werden. Denn die IS-Milizen ziehen sich immer wieder zurück in den Osten Syriens, wo sie sich festgesetzt haben. Sie verlegen ihre Kämpfer und Waffen hin und her, je nach Lage.

"Wir müssen IS auf beiden Seiten der inzwischen nicht mehr existierenden Grenze angehen", sagte etwa Martin Dempsey, Generalstabschef der US-Streitkräfte. Die Republikaner forderten Präsident Barack Obama auf, sich für eventuelle Luftschläge auf syrischem Boden ein Mandat vom Kongress zu holen.

Bislang flogen US-Kampfpiloten einem CNN-Bericht zufolge 94 Einsätze gegen IS-Milizen im Irak und zur Unterstützung der kurdischen Kämpfer, die sich den Islamisten am Boden entgegenstellen. Am 8. August starteten die ersten Jets, seitdem gab es an jedem Tag Luftschläge. Sowohl Republikaner als auch Demokraten sind sich allem Anschein nach darin einig, keine Bodentruppen zu schicken.

Wie geht der Westen mit Assad um?

Neben der Debatte, ob Einsätze auch in syrischem Luftraum nötig seien, entflammte auch eine weitere: Wie geht man mit Baschar al-Assad um, dem Despoten von Damaskus? Jenem Mann, der im Kampf gegen den Untergang seines Regimes sein eigenes Land in die Steinzeit zurückbombt. Der aber vielleicht gebraucht wird, um die IS-Milizen zurückzudrängen.

Zwar hatte Obama gesagt, mit Assad dürfe man nicht zusammenarbeiten. Doch gibt es einen Bericht, wonach die USA das syrische Regime bereits verdeckt unterstützen. Der "Independent" berichtet, die Amerikaner hätten Geheimdienstinformationen über die Aufenthaltsorte von Dschihadisten an Assads Schergen weitergeleitet. Als Übermittler habe der Bundesnachrichtendienst (BND) fungiert. Als Beleg dient allerdings nur eine einzige anonyme Quelle, der Bericht lässt sich kaum überprüfen.

Während in den USA über die Ausweitung der Luftschläge debattiert wird, tobt am Boden der Kampf gegen IS weiter. So hat die irakische Armee nach eigenen Angaben einen Großangriff der Terrorgruppe auf die Erdölraffinerie Baidschi nördlich von Bagdad abgewehrt. 30 Extremisten seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Angaben zu Verlusten der Armee gab es nicht. Mehrere Selbstmordattentäter hätten den Eingang der Raffinerie attackiert, hieß es weiter.

In Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad liegt eine der größten Erdölraffinerien des Iraks. Die Terrorgruppe versucht seit Wochen, das Gelände einzunehmen.

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August) Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Der Kampf gegen Assad
hermannheester 24.08.2014
Dieser Kampf hat den Bock zum Gärtner gemacht undden Islsmismus gestärkt. Dieser Fehler der westlichen Politik wird heute von Irak und von Syrien mit der Entstehung und dem Anwachsen des IS als mächtiger Terrororganisation bezahlt. Da ist guter Rat teuer! Besser wäre es gewesen, hätte man Assad als Stabilitätsfaktor nicht demontiert und notfalls sogar toleriert. So aber hat man seine liebe Not mit denen, die nun er auch nciht mehr auf Dauer niederhalten können wird.
2.
drittaccount 24.08.2014
Ok, ich habe jetzt schon des öfteren gelesen, dass man mit denen - sicherlich erfahrungsgemäß - nicht reden könnne. Oder, IS verstünde nur eine Sprache, die der Gewalt. Und deswegen wäre es unbedingt notwendig, die mit aller Macht zu bekämpfen. Aber vielleicht habe ichs einfach vergessen ... wann und wo hat eigentlich schon mal jemand das Gespräch mit denen gesucht, um vielleicht eine nicht militärische Konfliktlösung zu suchen?
3. Wenn der Westen in Syrien nicht selbst einmarschieren will ...
e_d_f 24.08.2014
... um die IS-Sadisten zu bekämpfen, muss man deren Feine unterstützen. Nach Lage der Dinge kann das nur der Diktator Assad sein, der immerhin für ein laizistisches Regime, Religionsfreiheit und Ruhe steht. Viele Syrer wünschen sich längst alte Zeiten zurück, auch die marginalisierte gemäßigte Opposition. Was will man machen?! Besser Assad als IS. So einfach ist die Wahl!
4. Viel Wichtiger
tecdetai 24.08.2014
Wäre es einem Herrn Erdowahn klar zu machen das er seinen privat Krieg gegen die Kurden und Assad einstellt und als NATO Partner endlich die Logistischen Rückzugsräume und Versorgung der IS Verbrecher in der Türkei beendet. Tec
5. heuchlerische Doppelmoral der Medien
eonyx81 24.08.2014
Lustig lustig. Ein russischer Hilfskonvoi wird von euch, den scheinheiligen Medien zur invasion aufgetauscht, will jedoch die US-Junta ein souveränes Land bombardieren, wird es still im Wald. Eklig.
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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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