IS-Labyrinth im Irak In den Terrortunneln von Sindschar

Kilometerlange Tunnel hat der IS in der Stadt Sindschar angelegt, zum Schutz und als Waffenlager. Nun sind die Terroristen vertrieben. Doch das Höhlennetz ist noch da - und voller Sprengfallen. Ein Blick in den Untergrund.

Alex Kühni

Zwei Monate sind vergangen, seitdem Milizionäre der kurdischen Peschmerga die Stadt Sindschar im Nordirak zurückeroberten. Doch noch immer sind die Bewohner nach der Rückkehr damit beschäftigt, das Erbe der Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) zu beseitigen. Die Dschihadisten hatten Sindschar im August 2014 eingenommen und den Ort 15 Monate lang kontrolliert.

Nach der Eroberung hatten sich die IS-Kämpfer in der Stadt buchstäblich eingegraben. Sie errichteten ein weitverzweigtes Tunnelsystem, das sie vor den Luftangriffen der Anti-IS-Koalition und dem Artilleriebeschuss der Peschmerga schützen sollte. Außerdem dienten die Anlagen als Munitionslager. Durch die unterirdischen Gänge verlegten sie Stromkabel, die Wände verstärkten Sandsäcke.

Nun sind die IS-Terroristen vertrieben - und die Bewohner von Sindschar erforschen die Tunnel. Der Schweizer Fotograf Alex Kühni hat den jesidischen Scheich Nasir in den Untergrund von Sindschar begleitet. Dabei mussten sie äußerst vorsichtig vorgehen: Die Dschihadisten haben in den Gängen Sprengfallen versteckt, eine tödliche Gefahr.

Manche Tunnelabschnitte wirken wie ein Bunker, in Regalen liegen Koranausgaben, auf dem Boden haben die Terroristen Medikamente zurückgelassen. Die Aufnahmen aus den IS-Tunneln von Sindschar sehen Sie in unserer Bildergalerie.

Eine ausführliche Reportage aus Sindschar von Hasnain Kazim lesen Sie hier.

syd



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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
m.gu 26.01.2016
1. Welche Dramen werden sich in diesem Tunnelsystem abgespielt haben?
Andere Beiträge aus dieser Stadt Sindschar belegen, dass bis heute bereits 7 Massengräber mit hunderten Toten gefunden wurden. Allein in einem Grab ca 80 Frauenleichen, Frauen die sich dem Sex verweigerten oder Andersgläubige waren. Genau so wird es in vielen Städten im Kalifat des Schreckens aussehen, lange Tunnel zum Schutz gegen Luftangriffe gebaut, wo sich die Mörderbanden des IS verstecken. Nur mit Bodentruppen können diese Schwerverbrecher besiegt werden, nicht wie heute von der Allianz mit Bombenangriffe. Wer hat diese Verbrecher auf diesen Kampf gegen das Assad Regime ausgebildet und mit den modernsten Waffen bewaffnet? Siehe Quelle: "Die Terrorarmee "Islamischer Staat" wird von drei der.." Saudi Arabien, Katar und vor allem die Türkei, das sollte jeder User bedenken. Aus Quelle Zitat "Aber auch ein anderer Verbündeter der USA - die Türkei - bildete ISIS/IS Kämpfer auf dem Gelände des Luftwaffenstützpunktes Incirlik in der Nähe der Stadt Adana im Süden der Türkei aus." Zitatende. Ist nicht die Türkei Anstifter und Mittäter im Kampf des IS und der Al-NUSRA Front im Kampf gegen das Assad Regime? Sind sie nicht mitverantwortlich für den Tod von vielen Zivilisten durch den IS auch in Sindschar?
winnybanger 26.01.2016
2. Aus dem Innenleben des IS
Alle, die dem IS beitreten, sind verpflichtet, am Scharia-Unterricht teilzunehmen. Milizen von anderen Gruppierungen werden im neuen IS-Gebiet hingerichtet, sofern sie nicht vor einem Scharia-Gericht öffentlich bereuen und IS-Schlächter Baghdadi die Treue schwören. Weiters müssen sie Kampfbereitschaft bei Bedarf bekunden und die IS-Auslegung des Islam in ihrem Leben sicherstellen. Weiters wird den Bewohnern im IS-Gebiet klargemacht, sollten sie keine Kampfbereitschaft gegen die Assad-Truppen zeigen, würden diese ihre Frauen und Töchter vergewaltigen, was oftmals vorkam, wenn Assad-Milizen in ein Gebiet eindrangen. Scharia-Kurse, welche der IS vorschreibt, dienen dazu, Leute mittels Gehirnwäsche zu indoktrinieren. Charismatische, fachkundige, rhetorisch hochbegabte IS-Imame, großteils aus Saudi-Arabien und Jordanien, üben sehr schnell Guru-Einfluss aus auf die Teilnehmer aus, die vorher nur oberflächlich über den Islam bescheid wussten. So bestätigt ein ehemaliger Teilnehmer dieser Kurse: "IS-Imame sind hochgebildet und wissen schnell zu beeindrucken. Sie überredeten mich schon nach 3 Lektionen zu 2 Stunden, als Selbstmordattentäter zu fungieren. Es gab Hunderte andere Beispiele wie mich." Im inhaltlichen entsprach der Scharia-Unterricht groteils der Al-Qaida Takfiri-Ideologie, welche lange vor dem IS entwickelt wurde. Er basiert auf den Lehren des Salafisten Ibn-i Taymiyyah aus dem 13. Jh. und wird von Schriften von Abd-Al-Vahhab, des Gründers des Saudi-Wahhabismus, ergänzt. Ziel der IS-Imame ist es, bei den Teilnehmern den Gedanken zu stärken, dass nur der IS den wahren Islam vertritt und alle Anderen - auch Sunniten - Murtad (Apostaten) sind, und somit der Tötung freigegeben.
winnybanger 26.01.2016
3. Hotspot Sanliurfa
Eigentlicher Hotspot ist die türkisch-syrische Grenze Die syrische Grenze zur südlichen Türkei erstreckt sich über 800 km Länge. Auf der türkischen Seite befindet sich die 9. größte Provinz der Türkei, Sanliurfa, mit über 2 Mio. Einwohnern. Sanliurfa hat einen über 200 km langen Grenzstreifen zu Syrien. Die Grenzregion gilt als ziemlich durchlässig. Sanliurfa gilt auch als Erholungsort für IS-Kader von ihren zermürbenden Kämpfen in Syrien und im Irak. Die Stadt fungiert auch als Sammelstelle für neu rekrutierte IS-Kämpfer, welche nach Syrien eingeschleust werden sollen. Jene, die aus dem IS-Gebiet flüchten, sind in Sanliurfa alles andere als sicher. Der IS hat viele Spitzel in der Region. So wurde kürzlich ein Deserteur der IS-Miliz kaltblütig hingerichtet, als er mit einer jungen Europäerin in Sanliurfa ankam. Die junge Frau wurde zurück zum IS-Gebiet verschleppt. Jene die aus dem IS-Gebiet fliehen, werden, sofern erwischt, auf der Stelle hingerichtet. Egal ob auf türkischem oder syrischem Gebiet.
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