Kampf um Mossul "Schier unendlicher Vorrat an Selbstmordattentätern"

Seit dem Start der Mossul-Offensive haben das irakische Militär und seine Verbündeten mehr als 750 IS-Kämpfer getötet. Der kurdische Ministerpräsident will die Stadt in drei Monaten erobert haben - warnt aber vor Terrorangriffen.

Irakisch-kurdische Sicherheitskräfte führen nahe Mossul einen IS-Terrorverdächtigen ab
AFP

Irakisch-kurdische Sicherheitskräfte führen nahe Mossul einen IS-Terrorverdächtigen ab


Vor knapp zwei Wochen haben das irakische Militär und seine Verbündeten die Offensive zur Rückeroberung Mossuls gestartet, der IS-Hochburg im Nordirak. Seit Beginn des Einsatzes sind nach irakischen Angaben 772 Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" getötet worden. Weitere 23 seien festgenommen worden, teilte ein Sprecher, Brigadegeneral Yahia Rasul, mit. Das US-Militär hatte zuvor mitgeteilt, es seien bis zu 900 IS-Kämpfer getötet worden.

Von irakischer Seite hieß es, seit dem 17. Oktober seien bereits 93 Dörfer und Ortschaften im Umkreis der zweitgrößten irakischen Stadt befreit worden. Zudem habe man 127 Autobomben und drei Tunnel der IS-Kämpfer zerstört.

An der Offensive zur Befreiung Mossuls ist ein Bündnis von irakischer Armee, kurdischen Peschmerga und schiitischen Milizen beteiligt (mehr zu der brüchigen Allianz lesen Sie hier). Östlich von Mossul sind die Truppen bisher auf etwa sechs Kilometer an die Stadt vorgedrungen, im Süden sind sie noch etwa 35 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Die gesamte Mission laufe nach Plan, sagte Haider Fadhi von den irakischen Spezialeinheiten.

Bombenwerkstatt und Tunnelsysteme

Nach Angaben vom Mittwoch entdeckten irakische Anti-Terror-Einheiten zuletzt im Ort Bartella östlich von Mossul eine Waffenfabrik und einen Tunnel der IS-Kämpfer. Ein ehemaliges Reifengeschäft wurde laut Fadhi umfunktioniert, dort hätten die Terroristen Bomben hergestellt und Waffen an Fahrzeuge montiert. Zudem fanden die Truppen einen Tunnel, der mit Ventilatoren und Lichtern ausgestattet war.

Irakischer Soldat in einem IS-Tunnel in Bartella
AP

Irakischer Soldat in einem IS-Tunnel in Bartella

Wo der IS vertrieben wurde, finden die Befreier häufig riesige Tunnelsysteme unter den Häusern. Sie belegen die straffe Organisation der Miliz - und lassen Übles für die Schlacht um Mossul befürchten (lesen Sie hier mehr über die "Höhlenmenschen vom IS" von Christoph Reuter aus der Region Mossul). Zudem haben die Extremisten in vielen Orten unter ihrer Herrschaft Sprengfallen versteckt. "Die verminen alles, es ist Wahnsinn", sagt ein Minensucher vor Mossul, den der SPIEGEL getroffen hat (hier lesen Sie die ganze Reportage über ihn).

Irakische Kurden bitten Deutschland um mehr Waffen

Der Ministerpräsident der irakischen Kurden, Nechirvan Barzani, rechnet damit, dass Mossul spätestens in drei Monaten erobert ist. Die Vororte seien von kurdischen Peschmerga-Kämpfern und irakischen Truppen recht schnell erobert worden, sagte er der "Bild"-Zeitung. Unsicher sei, wie stark die Dschihadisten die Stadt selbst verteidigen wollten. "Aber wir sehen, dass sie Hunderte Selbstmordattentäter haben, es muss dort ganze Fabriken geben, wo sie die Sprengstofffallen herstellen." Dies sei die größte Gefahr beim Vormarsch.

"Wir hören dramatische Geschichten, über Erschießungen, über Menschen, die als menschliche Schutzschilde missbraucht werden", sagte Barzani. Es sei ein Krieg, "natürlich passieren hier schreckliche Dinge". Die Uno hatte erst vor wenigen Tagen berichtet, dass die Extremisten in der Region Massaker an der Bevölkerung begehen.

Barzani bat zudem um mehr Waffen aus Deutschland. Man sei der Bundesregierung sehr dankbar für die Panzerabwehrwaffe Milan, sagte er der "Bild". "Aber in diesem Krieg werden wir noch mehr Waffen brauchen." Der IS habe "so vielen Menschen einer Gehirnwäsche unterzogen, dass sie einen schier unendlichen Vorrat am Selbstmordattentätern haben".

SPIEGEL TV Magazin

aar/AP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.