Einsatz in Syrien Türkische Eliteeinheiten befreien Kameraden aus Exklave

Die türkische Armee hat Hunderte Elitesoldaten nach Syrien geschickt, in die Nähe der Stadt Kobane. Ihre Mission: 38 Kameraden in Sicherheit bringen - und die Überreste eines Nationalheiligen.

DPA

Hamburg/Ankara - Die Türkei hat in der Nacht zum Sonntag etwa 700 Elitesoldaten in das Nachbarland Syrien geschickt - zur Befreiung von Kameraden aus einer von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) belagerten Exklave, nicht weit entfernt von der lange hart umkämpften Stadt Kobane.

Die 38 Soldaten, die das Grabmal von Suleiman Schah auf einer Halbinsel am Euphrat bewacht hatten, seien zurück in die Türkei gebracht worden, teilte der türkische Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu mit. Die Operation wurde wegen einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region gestartet.

Zwei hochrangige Regierungsvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Aktion sei erfolgreich gewesen, allerdings sei ein Soldat dabei ums Leben gekommen. Er starb nach offiziellen Angaben bei einem Unfall.

Nach Angaben von Davutoglu wurden bei der Operation hundert militärische Fahrzeuge eingesetzt, darunter 39 Panzer. Man habe andere Staaten im Vorfeld nicht um Erlaubnis oder Hilfe gebeten. Erst als die Mission begann, habe man das Bündnis gegen den "Islamischen Staat" (IS) informiert, zu dem auch die USA gehören.

Grabstätte von Suleiman Shah (Archiv): Bedrohung durch IS war zu groß
AP/dpa

Grabstätte von Suleiman Shah (Archiv): Bedrohung durch IS war zu groß

Bei dem von Kämpfern des IS bedrohten Mausoleum geht es um das Grab von Suleiman Shah, der als Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches, Osman I., gilt. Suleiman Shah starb im 13. Jahrhundert. Die Grabstätte wurde von mehreren Dutzend türkischen Soldaten bewacht. Nach Angaben von Davutoglu werden die Überreste in eine andere Region Syriens gebracht, die von der Türkei kontrolliert wird.

Die Türkei betrachtet das in Syrien gelegene Mausoleum und das zugehörige rund zwei Hektar große Areal als eigenes Hoheitsgebiet. Sie beruft sich auf einen entsprechenden Vertrag mit Frankreich aus dem Jahr 1921. Damals wurde Syrien von Frankreich beherrscht.

Früheren Angaben der türkischen Regierung zufolge rückten IS-Kämpfer gegen das Mausoleum vor. IS und andere Extremistengruppen lehnen die Verehrung von Gräbern als Götzendienst ab. Sie haben daher bereits eine Reihe von Gräbern und Moscheen in Syrien zerstört.

In dem von den USA geführten Militäreinsatz gegen den IS hat die Türkei bislang keine aktive Rolle gespielt.

bim/Reuters/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 68 Beiträge
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boheme02 22.02.2015
1. Natürlich haben die die PYD/YPG um Hilfe und Erlaubnis gebeten
Es fanden nämlich in Vorfeld Gespräche mit der PYD statt! einfach nur verlogen die türkische Regierung! die türkische Armee marschiert ein und tausende kurdische Soldaten reagieren nicht??? es wurde um Erlaubnis gefragt. Das aber öffentlich einzugestehen, dafür ist der Türke zu stolz!
butzibart13 22.02.2015
2. undurchsichtiges Treiben von RTE und Davotoglu
Die Rolle der Türkei in diesem Konflikt ist immer noch nicht klar. Erst einmal Kampf gegen die Kurden und gegen Assad scheint ihre Devise zu sein. Der IS steht in der Priorität weit unten, obwohl deren Terror lautstark verurteilt wurde. Ihre heimliche Unterstützung von IS sieht man jetzt auch an der Metastase in Lybien.
redbayer 22.02.2015
3. Ach wie nett, so nebenbei
wird mal erwähnt, dass die Türkei mit massiven Panzereinsatz eigene Truppen in Syrien von der IS befreien muss. Aber natürlich hat die gute Türkei & NATO Partner nichts mit dem Kampf gegen den Islamischen Staat zu tun. Genauso wenig wie die deutschen Waffenlieferungen an die angeblichen Peschmerga nichts mit dem Kampf der Kurden gegen die Türkei (PKK) zu tun haben. Die Einheit von Politk & Medien in D wird offenbar immer wirrer.
tobor 22.02.2015
4. Wortwahl
Interessante Wortwahl mal wieder. Zu anderen Zeiten / bei anderen (souveränen) beteiligten Staaten hätte man z.B. formuliert: "Hamburg/Ankara - Die Türkei ist in der Nacht zum Sonntag mit etwa 700 Elitesoldaten in das Nachbarland Syrien einmarschiert - zur Befreiung von Kameraden aus einer von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) belagerten Exklave, nicht weit entfernt von der lange hart umkämpften Stadt Kobane. Dieser völkerrechtswidrige Überfall wird am Montag bei der UNO in einer Sondersitzung behandelt."
Schnubbie 22.02.2015
5. Türkische Spezialeinheit?
39 Panzer und 700 Soldaten? Klingt für mich nicht nach einer Spezialeinheit.
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