Terrorherrschaft IS tötete binnen vier Wochen offenbar 100 Gefangene

100 Morde in vier Wochen: Die Dschihadisten der IS-Terrormiliz gehen mit ihren Gefangenen äußerst brutal vor. Viele Opfer sollen geköpft, gekreuzigt und gesteinigt worden sein.

Beerdigung des ermordeten Jordaniers Kaseasbeh: Der IS tötet Dutzende Gefangene
AP

Beerdigung des ermordeten Jordaniers Kaseasbeh: Der IS tötet Dutzende Gefangene


Damaskus/Bagdad - Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat in Syrien und im Irak seit Jahresbeginn offenbar fast 100 Gefangene ermordet. Mehreren Opfern schlugen die Extremisten den Kopf ab, andere wurden gesteinigt oder an öffentlichen Plätzen gekreuzigt, berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Organisation sitzt in London und bezieht ihre Informationen von Augenzeugen vor Ort - sie lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Manchen Opfern sei Blasphemie, Prostitution oder Homosexualität vorgeworfen worden, heißt es weiter. Andere habe der IS getötet, weil sie angeblich Spione für das syrische Regime oder ausländische Geheimdienste waren.

Allein in Syrien ermordeten die Extremisten laut den Aktivisten mindestens 50 Gefangene. Zu den Opfer gehörten auch die Japaner Haruna Yukawa und Kenji Goto sowie der bei lebendigem Leib verbrannte Jordanier Muaz al-Kasaesbeh. In Syrien seien zudem 25 Menschen von anderen radikalen Gruppen getötet worden, erklärten die Menschenrechtler - unter anderem von der Nusra-Front, dem syrischen Ableger von al-Qaida.

Im Nachbarland Irak berichteten Bewohner von Gebieten unter IS-Kontrolle und Sicherheitskräfte seit Jahresbeginn von 48 Tötungen, unter den Opfern waren demnach zwei Christen, zwei Journalisten und drei Rechtsanwältinnen. Die meisten Opfer wurden in der nordirakischen Metropole Mossul und im Umkreis der Stadt öffentlich erschossen.

Der Konflikt hat inzwischen auch mehrere Hundert Peschmerga-Kämpfern das Leben gekostet: Seit Juni sollen im Krieg gegen die Terrormiliz nach offiziellen Angaben allein im Irak seit Juni fast tausend kurdische Kämpfer getötet worden sein.

Die IS-Miliz hat seit Sommer große Gebiete im Irak und in Syrien unter ihre Kontrolle gebracht. In den folgenden Monaten verfolgte sie ethnische und religiöse Minderheiten wie Jesiden und Christen brutal. Mit Unterstützung der US-Luftwaffe und verbündeter europäischer und arabischer Staaten gelang es Kurden, Schiiten und Regierungstruppen seitdem, die IS-Miliz vor allem im Irak an mehreren Fronten wieder zurückzudrängen.

Trotz der Erfolge sind die Kämpfer des "Islamischen Staates" jedoch bei Weitem noch nicht besiegt. In den befreiten Gebieten machen die IS-Gegner zudem immer wieder grausige Entdeckungen. So wurde zuletzt am Montag im Nordwesten des Irak ein Massengrab mit den sterblichen Überresten Dutzender Jesiden entdeckt.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

mxw/dpa



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