Erste Botschaft seit Monaten IS-Chef ruft Muslime zur Einwanderung ins "Kalifat" auf

Im Internet ist eine mögliche Botschaft von IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi aufgetaucht. Darin wendet er sich an alle Muslime weltweit. Ob die Audionachricht echt ist, lässt sich nicht sicher sagen.


Erstmals seit Monaten ist im Internet eine angebliche Botschaft von Abu Bakr al-Baghdadi, dem Chef der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS), veröffentlicht worden. Über Baghdadis Gesundheitszustand war seit Berichten über eine Verletzung bei einem Luftangriff spekuliert worden. In der am Donnerstag verbreiteten 34-minütigen Audiobotschaft ruft der Sprecher alle Muslime auf, ins "Kalifat" zu emigrieren - "oder in ihrem Land zu kämpfen, wo immer das ist".

Ob die Audiobotschaft echt ist, ließ sich zunächst nicht sicher bestätigen. Die Stimme entsprach jedoch derjenigen, die in früheren Tonbotschaften Baghdadis zu hören war. Ein Datum der Aufzeichnung wurde nicht genannt, allerdings spricht der IS-Chef darin aktuelle Entwicklungen im Jemen an.

Der IS hatte seit dem vergangenen Sommer Teile des Irak und Syriens erobert. Baghdadi hatte dort ein islamisches "Kalifat" ausgerufen und sich zu dessen Anführer erklärt.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

wal/dpa/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
torquemada13 15.05.2015
1. Eigentlich nichts Neues
Die Aufforderung zur Hidschra läuft in den sozialen Medien schon seit geraumer Zeit. Dort kann man sehr schön verfolgen wie ganze Gruppen von Kämpfern die Muslime aus dem entsprechenden Land auffordern ins Kalifat einzuwandern. Beispielsweise fordern französischstämmige Kämpfer des IS ihre Muslimischen Brüder in Frankreich auf, aus dem Land der Ungläubigen auszuwandern und in den Islamischen Staat einzuwandern. Das ganze natürlich auf Französisch und mit leuchtenden Paradebeispielen garniert. Z.B. ein Marrokanischstämmiger Vater, der mit seinen 5 erwachsenen und zum Teil noch jugendlichen Söhnen die Hidschra angetreten hat und alle kämpfen heute für den IS. Dabei muss man bedenken, dass die Hidschra für jeden ordentlichen Muslim eine Pflicht ist und es gibt viele historische Beispiele vom Mittelalter bis ins 20'te Jahrhundert. Natürlich gibt es diese Aufforderungen auch auf Deutsch, Englisch, Russisch, Spanisch, Italienisch usw. Ich verfolge das auf Facebook und Twitter bereits seit dem Herbst 2014. Das einzig neu an dieser Nachricht ist, dass der Kalif selbst dazu aufruft. Die Aufforderung an und für sich gibt es schon wesentlich länger.
bigfabo 15.05.2015
2. Gegenoffensive?
Immer wenn ich Artikel über den IS lese, bekomme ich Gänsehaut.. Ich verstehe nicht, weswegen sich die Führungskräfte der Welt nicht an einen Tisch setzen und eine Weltallianz gegen den IS ins Leben rufen. Außerdem ist es meiner Meinung nach sehr verfehlt in Artikel über die Zerstörung von Weltkulturerben zu reden, zumindest so lange zahlreiche Menschen im Kampf gegen den IS ihr Leben verlieren. Sie müssen endlich besser unterstützt werden.
KurtT. 15.05.2015
3.
Zitat von torquemada13Die Aufforderung zur Hidschra läuft in den sozialen Medien schon seit geraumer Zeit. Dort kann man sehr schön verfolgen wie ganze Gruppen von Kämpfern die Muslime aus dem entsprechenden Land auffordern ins Kalifat einzuwandern. Beispielsweise fordern französischstämmige Kämpfer des IS ihre Muslimischen Brüder in Frankreich auf, aus dem Land der Ungläubigen auszuwandern und in den Islamischen Staat einzuwandern. Das ganze natürlich auf Französisch und mit leuchtenden Paradebeispielen garniert. Z.B. ein Marrokanischstämmiger Vater, der mit seinen 5 erwachsenen und zum Teil noch jugendlichen Söhnen die Hidschra angetreten hat und alle kämpfen heute für den IS. Dabei muss man bedenken, dass die Hidschra für jeden ordentlichen Muslim eine Pflicht ist und es gibt viele historische Beispiele vom Mittelalter bis ins 20'te Jahrhundert. Natürlich gibt es diese Aufforderungen auch auf Deutsch, Englisch, Russisch, Spanisch, Italienisch usw. Ich verfolge das auf Facebook und Twitter bereits seit dem Herbst 2014. Das einzig neu an dieser Nachricht ist, dass der Kalif selbst dazu aufruft. Die Aufforderung an und für sich gibt es schon wesentlich länger.
Wer das Phänomen "IS/Kalifat" mehr in der "historischen Zeit-Dimension" einzuordnen versucht, könnte dieses "religionistische Geschwür" auch als "ein (vielleicht?) letztes Aufbäumen" einiger ihren Status "konservieren wollenden" theokratischen Führer gegen die Moderne sehen - und die "Drecksarbeit" erledigen hierbei die Dschihadisten: von denen man sich ja bei Bedarf und Opportunität wieder distanzieren kann ...* * Irgendwie denke ich in diesem Zusammenhang immer an den "Orden der Assassinen" > http://de.wikipedia.org/wiki/Assassinen
puc 15.05.2015
4. Die Puppe ist längst tot
Das Video stammt von März, als Tikrit noch in den Händen des sog. Islamischne Staates war. Die Puppe des ehemaligen irakischen Geheimdienstes, Al-Baghdadi ist längst tot.
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