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Vor Großangriff der Iraker: "Islamischer Staat" hält Menschen in Ramadi fest

Rauchwolken über Ramadi: IS-Kämpfer besetzen die Stadt seit Mai 2015 Zur Großansicht
AP

Rauchwolken über Ramadi: IS-Kämpfer besetzen die Stadt seit Mai 2015

Mit einem Großangriff will die irakische Armee offenbar Ramadi befreien. Binnen 72 Stunden sollen die Bewohner die vom "Islamischen Staat" besetzte Stadt verlassen - doch die Terrormiliz lässt die Zivilisten nicht raus.

72 Stunden haben die Bewohner von Ramadi Zeit, die Stadt im Westen des Landes zu verlassen. So stand es auf den Flugblättern, die am Sonntag über dem Stadtgebiet abgeworfen wurden. Vieles deutet darauf hin, dass irakische Streitkräfte einen Großangriff auf die von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) besetzte Stadt planen. Doch nach Informationen des Verteidigungsministers versucht der IS, die Menschen am Aufbruch zu hindern.

Manchen Familien sei die Flucht vor den Gangs des IS gelungen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt aber Geheimdienstinformationen, wonach sie Familien davon abhalten, zu gehen. Sie wollen sie als menschliche Schutzschilder benutzen."

Wie vielen Menschen bislang die Flucht gelungen ist, sagte der Sprecher nicht. In der vergangenen Woche hatten die Streitkräfte Erfolge beim Vormarsch auf Ramadi vermeldet. Die Hauptstadt der Provinz Anbar war im Mai vom IS eingenommen worden. Der irakische Geheimdienst vermutet, dass sich 250 bis 300 IS-Kämpfer im Zentrum Ramadis verschanzt haben.

Auf den Flugblättern der irakischen Armee wurden die Menschen auch aufgefordert, auf ihrer Flucht aus Ramadi gültige Ausweispapiere mitzuführen. Außerdem wies das Militär auf sichere Ausfallrouten hin.

Zuletzt gab es Ende November eine entsprechende Erklärung des Militärs, damals waren die Bewohner über das Fernsehen zur Flucht aufgefordert worden. Nach Angaben der Armee versuchte der IS jedoch schon damals, die Bürger am Aufbruch zu hindern. Einem Militärsprecher zufolge betrachten die Terroristen die rund 50.000 Bürger unter ihrer Kontrolle als Geiseln. Demnach mussten Familien, die versuchten, Ramadi zu verlassen, eine Strafe von umgerechnet mehr als 5600 Euro pro Familie an den IS zahlen. Laut Augenzeugen sollen die Dschihadisten auch gedroht haben, all jene zu töten, die aus der Stadt fliehen wollen.

brk/Reuters

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