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Kampf um Kobane: Kurden sollen IS-Panzer zerstört haben

Kobane am Freitag: Stadt unter IS-Beschuss Zur Großansicht
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Kobane am Freitag: Stadt unter IS-Beschuss

Der Kampf um die nordsyrische Stadt Kobane geht offenbar in die entscheidende Phase. Den kurdischen Verteidigern soll es gelungen sein, mehrere IS-Fahrzeuge zu zerstören. Die Türkei verspricht den Eingekesselten Hilfe.

Kobane/Bagdad - Seit Tagen rückt die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf die nordsyrische Stadt Kobane vor. Wie unterschiedliche Nachrichtenagenturen berichten, ist es den kurdischen Volksschutzeinheiten nun offensichtlich gelungen, den Vormarsch der Extremisten wenn auch nicht zurückzuschlagen, so doch vorerst zu stoppen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Freitag, die Kurden hätten zwei IS-Fahrzeuge zerstört. Die kurdische Nachrichtenseite "Welati" meldet sogar, es sei den Verteidigern von Kobane gelungen, einen IS-Panzer außer Gefecht zu setzen. Das wäre ein beachtlicher Erfolg, denn den Tausenden mit modernsten Waffen und Panzern ausgerüsteten Dschihadisten stehen nur wenige Hundert schlecht ausgestattete kurdische Kämpfer entgegen.

Kobane (auf Arabisch Ain al-Arab) liegt direkt an der Grenze zur Türkei. Es ist die letzte Bastion in einer Region, die bisher unter Kontrolle syrischer Kurden stand. Sollte der IS sie einnehmen, würde er weite Teile der rund 900 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenze beherrschen.

Jetzt will die Türkei den Kurden zu Hilfe kommen. "Wir werden tun, was immer wir können, damit Kobane nicht fällt", sagte Ministerpräsident Ahmed Davutoglu in einem Fernsehinterview am Donnerstagabend. Einzelheiten, wie die Türkei den IS an der Erstürmung Kobanes hindern will, blieb er zunächst schuldig.

Das türkische Parlament hatte der Regierung am Donnerstag grünes Licht für ein militärisches Vorgehen gegen den IS in Syrien und im Irak gegeben. Regierungsmitglieder dämpften aber Erwartungen, es könnten schon bald Soldaten in die Region geschickt werden.

Derweil hat Iran die Türkei vor den Folgen eines Militäreinsatzes gegen den IS gewarnt. "Zumindest die Länder in der Region sollten nicht etwas unternehmen, was die Lage weiter eskalieren würde", sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif laut iranischem Staatsfernsehen. Man sollte verantwortungsvoll reagieren und sie nicht noch komplizierter machen, sagte er demnach in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu.

Aus Kobane und den Dutzenden umliegenden Dörfern, die alle schon vom IS erobert wurden, sind 160.000 Menschen in die Türkei geflüchtet. "Wir haben unsere Arme für unsere Brüder aus Kobane ausgebreitet", so Davutoglu bei seinem TV-Auftritt.

Während es den Kurden im Norden des Irak zuletzt - auch dank der aus mehreren westlichen Ländern gelieferten Waffen - gelungen war, einige Dörfer vom IS zurückzuerobern, konnten die Dschihadisten in Syrien immer stärkere Geländegewinne machen. Hintergrund: Der IS soll Verstärkung von neuen Kämpfern aus dem Osten Syriens erhalten haben.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

cbu/dpa

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Ich verstehe es nicht
tradepro 03.10.2014
Die Kampfkraft der IS scheint mir doch sehr beschränkt zu sein. In den letzten Wochen las ich Meldungen über 11 Granateinschlägen an einem Tag, ein paar Panzern, etliche Jeeps mit aufmontierten Maschingewehren etc. etc. Jetzt wurde der Vormarsch gestoppt weil 2 Panzer zerstört wurden. Ausser vielen Kämpfern scheint die IS nicht besonders gut ausgerüstet zu sein. Klar, wenn man selber nichts hat ist der andere mit einem Maschinengewehr natürlich schwer überlegen. Aber dass es den USA & dem Westen nicht gelingt die IS aufzuhalten verstehe ich beim besten Willen nicht.
2. Elektronik noch nicht einsetzbar?
inoodles 03.10.2014
Seit Jahren wird unter Militärs darüber diskutiert, wie man einen Gegner ohne "Waffen" schwächen kann. Eine Methode: Störfunksignale auf einen Panzer richten, der dann innerhalb einer Sekunde kampf/fahrunfähig ist. Es wäre eine geeignete Methode, gegen ISIS anzugehen. Offensichtlich noch nicht einsatzfähig...
3. erst mal abwarten
atech 03.10.2014
scheint eher die Devise der Türkei zu sein. Ist doch praktisch, wenn die IS das Gebiet, das ein kurdischer Staat hätte werden sollen, erobert.
4.
ratte321 03.10.2014
Also, die Syrische Armee hält im Westen die Stellung die Türken kommen aus dem Norden, die Kurden aus Nord Ost, die Irakische Armee aus Süd Ost und die Amerikaner mit den Briten und Australiern aus der Luft. Ok kann es sein das die IS auf gleichem Niveau bewaffnet und ausgebildet ist wie die Russen? Ich wundere mich aus allen Richtung wird attackiert und kein Fortschritt. Oder ist das ganze vll mehr als Militärische Übung gedacht um sein Munitionsarsenal zu verjüngen und der Rüstungsindustrie einen Gefallen zu tun?
5.
kimba_2014 03.10.2014
So langsam kommt mir der Krieg gegen den IS wie ein Scheingefecht vor, welches nur den einzigen Zweck verfolgt militärisch in Syrien tätig werden zu können. Die IS wird mit allerlei hochtechnisierten Waffen bekämpft und kommt militärisch trotzdem weiter voran. Man gibt vor den IS zu bekämpfen, hat aber stattdessen Assad im Visier. Wenn ich mich an die Erlebnisse von Leuten erinneren, die in der Wehrmacht an der Invasionsfront gekämpft haben, so hatten diese meist schwere Verluste durch die Übermacht der alliierten Luftwaffen. Beim Durchqueren offenen Geländes wurden sie schon innerhalb weniger Minuten von Jagdbombern aus allen Richtungen her angegriffen, als wären diese aus dem Nichts gekommen. Dies war aber vor fast siebzig Jahren; heute kann man trotz neuester Technik dem IS keinen Einhalt gebieten. Wo sind die "Apaches" der USA? Damit alleine könnte man dem IS schon jede Bewegung in der Wüste unmöglich machen. Ich glaube langsam, man will den IS gar nicht wirklich bekämpfen. Die Luftschläge mit Raketen auf einzelne Trucks ist wie Granaten auf Spatzen zu feuern, teuer und ineffektiv.
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Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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