Terror in Syrien IS-Miliz lässt 19 Christen gegen Lösegeld frei

Die Uno warnt davor, Lösegeld an Dschihadisten zu zahlen - nun ist offenbar doch Geld geflossen: Kämpfer des "Islamischen Staates" haben 19 der 220 entführten assyrischen Christen gegen eine "Steuer für Nichtmuslime" freigelassen.

Mahnwache in Berlin: Mindestens 200 Christen sind noch in IS-Gefangenschaft
DPA

Mahnwache in Berlin: Mindestens 200 Christen sind noch in IS-Gefangenschaft


Bagdad - Die Extremisten des "Islamischen Staates" (IS) haben offenbar 19 der 220 in Syrien verschleppten assyrischen Christen gegen Lösegeld freigelassen. Das berichten die Nachrichtenagentur AFP und der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf das Assyrische Netzwerk für Menschenrechte und die Syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte.

Die 19 Geiseln seien mit zwei Bussen aus Schaddade, einer Hochburg des IS, zur Frauenkirche der Provinz Hassaka gebracht worden, sagte der Direktor des Assyrischen Netzwerks für Menschenrechte, Osama Edward. Ihre Freilassung hätten sie einem Religionsgericht der Dschihadisten zu verdanken. Laut CNN hat das "Gericht" über das Schicksal der anderen Geiseln noch nicht entschieden.

Der IS hatte in der vergangenen Woche mehrere Dörfer in der Provinz Hassaka überfallen und mindestens 220 Christen entführt. Edwards geht von 262 Entführten aus, darunter auch Frauen und Kinder. Der IS sehe das Lösegeld als eine Art Steuer, die von Nichtmuslimen zu entrichten sei, sagte er. Bei anderen Freilassungen assyrischer Christen im November seien 1700 Dollar (gut 1500 Euro) pro Geisel gezahlt worden.

Die Uno hatte vor wenigen Wochen dazu aufgerufen, kein Lösegeld an die Dschihadisten zu zahlen. Der Uno-Menschenrechtsrat hatte den IS-Extremisten am vergangenen Montag in einem Bericht vorgeworfen, sie griffen systematisch Angehörige bestimmter ethnischer und religiöser Gruppierungen an, um sie zu vernichten. Dazu gehörten neben anderen Jesiden, Kurden, Turkmenen und Christen.

Die assyrischen Christen machen etwa fünf Prozent der Bevölkerung Syriens aus. Die Minderheit lebt vornehmlich in der Provinz Hassaka.

vet/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.