Verschleppung und Morde durch IS Schicksal Hunderter Jesiden ungewiss

Im Norden des Irak sollen Hunderte Jesiden vom IS getötet oder verschleppt worden sein. Offenbar planen die Extremisten, Geiseln nach Syrien zu verschleppen. Eine Rettung wäre da kaum mehr möglich, fürchten jesidische Kämpfer.

Flüchtlinge aus der nordirakischen Stadt Tal Afar: Eine halbe Million Menschen auf der Flucht vor dem IS
AFP

Flüchtlinge aus der nordirakischen Stadt Tal Afar: Eine halbe Million Menschen auf der Flucht vor dem IS


Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sollen Berichten zufolge im Nordirak zahlreiche Jesiden getötet haben. Die jesidische Fortschrittspartei gab die Zahl der Opfer am Samstag mit mehr als 300 an, in anderen Berichten ist von bis zu 500 Opfern die Rede. Die nichtstaatliche Menschenrechtskommission im Irak meldet rund 70 Getötete.

Zu den Ermordungen der Mitglieder der religiösen Minderheit kam es demnach am Freitag in der Stadt Tal Afar, die nahe der vom IS kontrollierten Millionenmetropole Mossul liegt.

Der österreichischen Zeitung "Die Presse" sagte Jesiden-Kämpfer Adnan Shesho, ein Teil der Opfer sei enthauptet worden. Zudem würden die Terroristen "ein weiteres Massaker" vorbereiten. "In den nächsten Stunden und Tagen sollen weitere 1700 jesidische und auch christlich-assyrische Männer und Jungen vom IS nach Tal Afar gebracht und dort ermordet werden." Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Laut "Die Presse" fürchtet Shesho zudem, dass zahlreiche jesidische und christliche Frauen aus dem Nordirak nach Syrien verschleppt werden sollen. Die im Nordirak militärisch stark bedrängten IS-Truppen würden "auf ihrem Rückzug keine Überlebenden zurücklassen" wollen.

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Fotostrecke: Das Leiden der Jesiden

Selten gelingt die Flucht

Die Jesiden sind Kurden und lebten bisher vor allem in der Gegend um das nordirakische Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Beim IS-Vormarsch in die Region war vergangenen Sommer nach Angaben der Jesiden rund eine halbe Million Menschen geflohen.

Einem Mitglied der Menschenrechtskommission zufolge werden noch mindestens 3000 Jesiden von den Radikalsunniten gefangen gehalten. Entkommene Frauen hatten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von systematischen Vergewaltigungen, Misshandlungen, Zwangsehen und Zwangsübertritten zum Islam berichtet.

Am frühen Dienstagmorgen ist rund 40 Jesiden die Flucht aus der Gewalt der Terrormiliz gelungen, wie am Wochenende bekannt wurde. Zu den Umständen der Flucht wollte ein Sprecher der Minderheit keine Angaben machen. Unter den Geflohenen sollen 24 Kinder und zehn Frauen gewesen sein.

"Ungläubige", die zu töten sind

Im Dezember hatten kurdische Peschmerga-Kämpfer die IS-Miliz aus der Stadt Sindschar vertrieben. Seither wurden in der Gegend mehrere Massengräber mit Überresten getöteter Jesiden gefunden. Viele Muslime betrachten die Jesiden als "Teufelsanbeter", weil sie auch den "Engel Pfau" als zentrale Figur ihres Glaubens verehren. Der IS bezeichnet die Jesiden als "Ungläubige", die zu töten sind.

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Irak und Syrien: Leben im "Islamischen Staat"

Irakische Offizielle machen die Terrormilz derweil für eine Reihe von Anschlägen in Bagdad in den vergangenen Tagen verantwortlich. Erst am Samstagabend starben in der Hauptstadt bei einem Autobombenanschlag mindestens 13 Menschen, wie der Nachrichtensender Al Jazeera berichtete. Weitere 36 Menschen seien bei der Explosion im Zentrum der Stadt verletzt worden. Am Vortag hatte es 23 Tote bei drei ähnlichen Anschlägen in Bagdad gegeben.

Der Beobachtungsplattform "Site" zufolge veröffentlichte der IS am Samstag zudem ein Video, auf dem zu sehen sein soll, wie ein Junge einen mutmaßlichen Spion im Nordirak durch Schüsse hinrichtet.

mak/dpa

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voiceecho 03.05.2015
1. Eine Schande für uns!
Was in Syrien und Irak durch den IS passiert, ist eine Schande für uns im Westen. Wir schauen nur zu und reagieren garnicht oder sehr zaghaft durch Luftangriffe, die nichts bringen. Das alles 70 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, wo ein ähnliches verbrecherisches System wie der IS Millionen Menschen ermordet hat und wir uns vorgenommen, dass dies nie wieder passiert! Der IS ist ein faschistisches System, das Menschen kaltblütig ermordet, weil die eine andere Religion oder eine andere Einstellung haben und Frauen nicht als Menschen sieht. Die Geschichte wird uns unsere Zaghaftigkeit und Feigheit nie verzeihen. Wir haben nichts gelernt, nichts aus Bosnien, nichts aus Ruanda und nichts aus dem Sudan!
kraichgau12 03.05.2015
2.
Der Spon wird ja immer kreativer, wenn es ums drum rum reden bei dem Thema I geht.... das sind keine "radikal-sunniten" sondern Salafisten/Takfiri, also wörtliche Ausleger des Quorans. Die Quelle dieser worgetreuen Form des Islams ist KSA, sowie andere Golfstaaten,die schon seit den frühen 80ern alles finanzieren,was die Ausbreitung ihrer Lehre unterstützt..siehe dazu auch König Fahd Schule in Bonn..
pi1310 03.05.2015
3. voiceecho hat Recht...
wie im ersten Artikel von Voiceecho kann ich dem nur zustimmen. Sogar die UN versagt hier auf gesamter Breite. Es wird lustig zugeschaut wie hunderte von Menschen von Terroristen regelrecht abgeschlachtet werden. Das hat mit dem islamischen Glauben rein gar nichts zu tun. Die Welt sieht am Fernseher zu und nimmt dies wohl gar nicht mehr zur Kenntnis da es ja weit weg ist und es einem ja nicht betrifft. Hier in Hamburg findet man nich nicht einmal einen Weg die Koranverteiler auf den Hauptverkaufsstraßen einhalt zu gebieten die wenn sie ablehnen das Schriftstück anzunehmen als Ungläubige und sonst wie beschimpft werden.Das sind aber die Außenposten die Nachwuchs rekrutieren. Wo sind die muslimischen Verbände die auf die Straße gehen um den Fehlgeleiteten hier in Deutschland sagen ''Das ist nicht das was Mohammed prediget''. Die Menschheit hat rein gar nichts gelernt..vor allem Deutschland aus seiner Vergangenheit nichts. Es scheint ja auch kein Profit daraus zu entstehen. Deutschland schäme dich!!!
polykratius 03.05.2015
4. Islamismus
Das ist heutzutage die unheilige Vereinigung von Faschismus mit Satanismus und Sadismus. Jede Relativbetrachtung oder gar Verständnissucherei ist ein Ausweis primitivsten Rechtverständnisses gegen Leib & Leben des Individuums. Je besser und schneller dieser "apokalyptische Todeskult" des Salaf(asch)ismus eingedämmt und ausgemerzt wir, wo auch immer auf diesem Erdball, ist das beste. Und das auch und gerade im Namen aller normalen Muslime auf der Welt.
Beat Adler 03.05.2015
5. Kritik am Westen ist gut und noetig, Vorschlaege zur Besserung sind besser.
Zitat von voiceechoWas in Syrien und Irak durch den IS passiert, ist eine Schande für uns im Westen. Wir schauen nur zu und reagieren garnicht oder sehr zaghaft durch Luftangriffe, die nichts bringen. Das alles 70 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, wo ein ähnliches verbrecherisches System wie der IS Millionen Menschen ermordet hat und wir uns vorgenommen, dass dies nie wieder passiert! Der IS ist ein faschistisches System, das Menschen kaltblütig ermordet, weil die eine andere Religion oder eine andere Einstellung haben und Frauen nicht als Menschen sieht. Die Geschichte wird uns unsere Zaghaftigkeit und Feigheit nie verzeihen. Wir haben nichts gelernt, nichts aus Bosnien, nichts aus Ruanda und nichts aus dem Sudan!
Kritik am Westen ist gut und noetig, Vorschlaege zur Besserung sind besser. Bitte darum. mfG Beat
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