Vorstoß der Terrormiliz "Islamischer Staat" überrennt irakische Stadt Ramadi

Im Kampf um die antike Stadt Palmyra in Syrien ist die Terrormiliz IS zunächst zurückgeschlagen worden. Im Irak hingegen konnten die Extremisten die Provinzmetropole Ramadi komplett einnehmen. Die Behörden berichten von Hunderten Toten.

Feuer in Ramadi: "Soldaten des Kalifats haben die ganze Stadt gesäubert"
REUTERS

Feuer in Ramadi: "Soldaten des Kalifats haben die ganze Stadt gesäubert"


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat die letzten Stellungen der Regierungsarmee in der westirakischen Provinzhauptstadt Ramadi überrannt. Die IS-Verbände brachten den südlichen Bezirk Malaab am Sonntag vollständig unter ihre Kontrolle, bestätigten Sicherheitskreise in Bagdad. Die irakische Regierung kündigte an, schiitische Kampfeinheiten gegen die Islamisten einzusetzen.

In dschihadistischen Internetforen hieß es am Sonntag etwa, die "Soldaten des Kalifats haben die ganze Stadt Ramadi gesäubert". Dutzende irakische Sicherheitskräfte seien getötet worden und Hunderte "Abtrünnige" geflohen. Als Abtrünnige bezeichnet der IS Angehörige sunnitischer Stämme, die mit der Regierung in Bagdad verbündet sind.

Zuvor hatte der Sprecher des Gouverneurs der Provinz Anbar, in der Ramadi liegt, mitgeteilt, dass IS-Kämpfer die Kommandozentrale der irakischen Sicherheitskräfte in der Stadt eingenommen hätten. Bei den Kämpfen seien in den vergangenen zwei Tagen schätzungsweise insgesamt rund 500 Zivilisten und Sicherheitskräfte getötet worden, sagte Muhannad Haimur.

Assad-Truppen schlagen IS bei Palmyra zurück

Schon am Freitag hatten IS-Einheiten das Hauptquartier der Regierung in Ramadi erobert. Ramadi ist die Hauptstadt der Provinz Anbar im Westen des Irak und liegt rund hundert Kilometer westlich von Bagdad. Die irakische Regierung kämpft seit Monaten gegen die IS-Miliz. Der Fall Ramadis ist für sie ein herber Rückschlag.

In Syrien hingegen wurde die IS-Miliz nach blutigen Kämpfen um die antike Oasenstadt Palmyra zurückgeschlagen. Bei erbitterten Gefechten zwischen Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und der Terrormiliz starben nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte vom Sonntag Dutzende Kämpfer beider Seiten. Am Nachmittag sei der IS von Regimetruppen wieder aus Palmyra zurückgedrängt worden. Die Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in London, sie erhält ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen, haben sich in der Vergangenheit jedoch meist als glaubwürdig herausgestellt.

Die IS-Milizen waren am Wochenende zunächst weiter auf das Zentrum von Palmyra vorgerückt, das von Assad-Truppen gehalten wird. Sie gelangten damit in unmittelbare Nähe des berühmten Unesco-Weltkulturerbes. Nach Darstellung des regimetreuen Gouverneurs der Provinz Homs, Talal Barasi, drängten die Regierungstruppen den IS am Sonntag aber wieder aus seinen Positionen am Rand von Palmyra und von den umliegenden Hügeln zurück.

wal/dpa/AFP

insgesamt 5 Beiträge
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cededa 17.05.2015
1. Was mich mal interessiert...
... von welchen Truppenstärken sprechen wir hier eigentlich? "Dutzende Kämpfer" ist doch eigentlich pillepalle. Früher gab es Schlachten mit zig-Tausenden. Schickt da jede Seite nur 100 Leute hin? Drei Toyotas voll mit AKs?
Pränki 17.05.2015
2. Die Waffen des ISIL
Jetzt führen die Mordgläubigen schon seit geraumer Zeit einen Krieg. Ich frage mich, womit diese Leute eigentlich mehrheitlich schießen, noch in keinem Bericht habe ich das gelesen. Wenn die Standardausrüstung bekannt ist, kann man vielleicht darauf schließen, wer sie damit beliefert hat und immer noch beliefert. Anfangs habe ich gelesen, dass mal ein Lager Waffen des syrischen Militärs erobert wurde. Auch weiß ich als Zivilist nicht, wie weit man mit so einem Raub kommt.
mohsensalakh 17.05.2015
3. Dank deutsche und französische Waffenlieferung an IS!
"Saudi Arabien ist ein sicheres Land" sagte Gabriel zur Verteidigung für die Waffenlieferung an dieses Land. Dabei ist es mehr als sicher, dass Saudi Arabien so viele Waffen eigentlich gar nicht braucht und es ist auch mehr als bewiesen, dass die Saudis die Is-Terroristen mit Waffen versorgen - das ist den deutschen Politiker auch klar, unter anderem deshalb verkauft D Waffen an Saudis und nutzt dieses Land als ein Korridor für die Unterstützung der IS-Terroristen.
walter_de_chepe 17.05.2015
4. Meine Zweifel
Ich verstehe die Berichterstattung beim Fall von Tikrit nicht. SPON berichtete, als ob der IS am Ende wäre. Es scheint, als wären völlig unkritisch fremde Berichte übernommen worden. Diese "Gegenoffensive" war wahrscheinlich alles, was die irakische Armee leisten konnte.
fd2fd 18.05.2015
5. Seltsame Bezeichnungen
Es sind weder Assadtruppen noch Regimekräfte, sondern die syrische Armee und mit ihr Verbündete bzw. von ihr ausgebildete Paramilitärs wie die National Defense Force (NDF).
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