Bilanz der Luftangriffe auf Terrormiliz IS verliert im Irak kaum an Boden

Luftangriffe haben den Vormarsch des "Islamischen Staates" im Irak zwar gestoppt. Entscheidend zurückdrängen konnte die von den USA angeführte Allianz die Extremisten bislang jedoch nicht.

US-Kampfbomber (Archiv): Start von Flugzeugträger im Persischen Golf
DPA/US NAVY

US-Kampfbomber (Archiv): Start von Flugzeugträger im Persischen Golf


Washington - Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat seit Beginn der von den USA geführten Luftangriffe nur ein Prozent des von ihr gehaltenen Gebietes im Irak verloren. Dies teilte Pentagon-Sprecher John Kirby in Washington mit. Die durch die Luftschläge unterstützten kurdischen Peschmerga-Kämpfer und die irakischen Regierungstruppen hätten rund 700 Quadratkilometer vom IS zurückerobert. Die Extremistengruppe kontrolliere aber noch immer ein etwa 55.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Irak.

Die USA und ihre Verbündeten hatten im Irak vor gut fünf Monaten mit Luftangriffen gegen IS-Kämpfer begonnen. Auch wenn seitdem wenig Terrain zurückerobert worden sei, so handele es sich doch "um für den IS wichtige Orte", sagte Kirby. Zudem sei der Vormarsch des IS gestoppt und Zeit für die Ausbildung der irakischen Regierungstruppen gewonnen worden.

"Ich glaube, wir erkennen alle an, dass es nur ein kleiner Prozentsatz ist. Aber wir sind erst ein paar Monate dabei", sagte Kirby. Das US-Militär habe von Anfang an klar gemacht, dass der Kampf gegen die Dschihadistenorganisation "Zeit brauchen wird". Das westliche Militärbündnis Nato prüft eigenen Angaben zufolge derzeit eine Anfrage des Irak, die Verteidigung des Landes zu stärken.

Dem IS werden Massenmorde und Gewaltverbrechen an Andersgläubigen vorgeworfen. Die Terrormiliz hat in Teilen Syriens und des Irak ein Kalifat ausgerufen. Rund 60 Staaten sind am Kampf gegen den IS beteiligt. Dem US-Botschafter im Irak zufolge hat die Staaten-Koalition bislang angeblich mehr als 6000 IS-Kämpfer getötet.

Ausbildungseinsatz in Syrien

Unterdessen läuft der US-Militäreinsatz zur Ausbildung von syrischen Oppositionellen im Kampf gegen den IS an. In den kommenden Tagen werde ein erstes Truppenkontingent von etwa hundert Soldaten im Nahen Osten eintreffen, um den Einsatz vorzubereiten, sagte Kirby. In welches Land genau die Soldaten abkommandiert sind, erläuterte er nicht.

Katar und Saudi-Arabien sowie die Türkei haben sich als Standorte angeboten. Ziel ist es, im Frühjahr mit der Ausbildung der ersten Syrer zu beginnen, damit diese bis Ende des Jahres so weit sind, dass sie in ihr Land zurückkehren können. Die Lage in Syrien ist besonders kompliziert, denn dort tobt seit fast vier Jahren auch ein Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad. Die Opposition ist zersplittert. Ein Teil wird vom Westen unterstützt.

Insgesamt planen die USA nach Angaben von Regierungsvertretern, drei Jahre lang jährlich 5000 Kämpfer aus den Reihen der syrischen Opposition auszubilden. Dazu wollen sie insgesamt mehr als 400 US-Militärtrainer abstellen. Hunderte weiterer Soldaten sollen den Einsatz unterstützend begleiten.

Wegen beabsichtigter Unterstützung einer terroristischen Organisation ist eine 19-jährige Amerikanerin aus dem US-Bundesstaat Colorado zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die junge Frau war im September im Vorjahr am Flughafen von Denver auf ihrem Weg nach Syrien festgenommen worden, wo sie von einem IS-Kämpfer erwartet wurde, mit dem sie über das Internet eine Romanze geführt hatte. Dieser Mann hatte ihre Flugtickets bezahlt. Wie die Justizbehörden mitteilten, hatte die junge Frau vor ihrer beabsichtigten Abreise noch ein halbmilitärisches Waffentraining absolviert.

wit/AFP/Reuters/dpa



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