Terror-Miliz im Irak IS-Kämpfer verwüsten antike Stadt Nimrud

Sie fahren mit Bulldozern über Ruinen: Nachdem IS-Fanatiker Mossuls Museen verwüstet haben, zerstören sie nun die Ausgrabungsstätte von Nimrud. Das berichtet die irakische Regierung.

Wächter in Nimrud (Archivbild): Nach dem Zusammenbruch des Saddam-Regimes wurden bedeutende historische Orte bewacht
DPA

Wächter in Nimrud (Archivbild): Nach dem Zusammenbruch des Saddam-Regimes wurden bedeutende historische Orte bewacht


Bagdad - Erst verwüsteten sie die Bibliothek und das Museum in der irakischen Stadt Mossul, nun zerstören sie die Ruinen der Jahrtausende alten Stadt Nimrud: Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hätten begonnen, mit Bulldozern durch die antiken Stätten zu fahren, meldet das irakische Tourismusministerium auf seiner Facebook-Seite.

Ein Beamter der Antikenverwaltung bestätigt die Angaben. Bisher sei noch unklar, wie weit die Zerstörungen reichten. Es seien auch Lastwagen gesehen worden, die womöglich zum Abtransport von Kunstgegenständen verwendet werden sollen.

Die Extremisten stehen im Verdacht, sich teilweise durch den Verkauf von archäologischen Fundstücken aus Grabungen und Museen zu finanzieren.

Nimrud liegt im Nordirak am Ufer des Tigris rund 30 Kilometer südöstlich von Mossul und ist eine bedeutende assyrische Ruinenstätte. Die Stadt wurde um 1270 v. Chr. gegründet und war zeitweilig die Hauptstadt Assyriens. Der Name der Stadt leitet sich vom biblischen König Nimrod ab. Ausgrabungen brachten im 19. und 20. Jahrhundert Festungsruinen, Tempelanlagen, Obelisken und reich verzierte Reliefs hervor. Das irakische Altertumsministerium befürchtet nun, die bedeutenden Ruinen für immer zu verlieren.

Erst vor einer Woche hatten die IS-Dschihadisten ein Video veröffentlicht, das die Zerstörung assyrischer Kulturgüter aus der Provinz Ninive zeigt, darunter eine mehr als 2600 Jahre alte Figur. Der etwa fünf Minuten lange Film zeigt, wie Islamisten im Museum ihrer Hochburg Mossul mit großen Hämmern auf die Stücke einschlagen oder sie umstürzen, sodass sie zu Bruch gehen. Auch mit einem Presslufthammer gehen die Dschihadisten auf Statuen los.

In dem Video erklärt ein IS-Anhänger, die Statuen hätten Assyrern und anderen Völkern der Vielgötterei gedient. Auch der Prophet Mohammed habe alle Götzenfiguren zerstört, als er nach Mekka gekommen sei. Der IS beruft sich dabei auf eine Interpretation des Islam, die die bildliche Darstellung von Menschen und Gott verbietet.

Der Fall erinnert an die Buddha-Statuen von Bamian, die den Taliban in Afghanistan zum Opfer fielen. Vor 14 Jahren begann das damals in Kabul herrschende radikalislamische Regime damit, die beiden 38 und 55 Meter hohen Statuen aus dem 6. Jahrhundert zerstören zu lassen.

Die Unesco hat die Zerstörung in Nimrud verurteilt. Dieser neue Angriff rufe in Erinnerung, dass die im Irak wütende kulturelle Säuberung nichts und niemanden ausspare, sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa in Paris. Sie forderte die Verantwortlichen in der Region auf, "sich gegen diese neue Barbarei zu erheben".

vet/fab/dpa/Reuters

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Ursprung 06.03.2015
1. Weltweite Kriminalitaet
Diese kriminellen Hohlkoepfe gefallen sich in Medienwichtigkeit. Die Medien sind so, wenn auch nur benutzt und nicht kollusiv, deren Erfuellungsgehilfen. Und die Hohlkoepfe werden benutzt von unseren gewaehlten Hohlpfosten, damit diese den "Krieg gegen den Terror", also potentiell gegen alle Menschen erklaeren koennen. Anstatt, wie es deren Jobbeschreibung und dem Amtseid enstpraeche, diese Kriminellen zu jagen, zur Strecke zu bringen, abzuschalten, den Boden zu entziehen. Dazu wuerde eine gut ausgeruestete und ausgebildete internationale Polizei gehoeren, als Unterabteilung der UNO beispielsweise. Dafuer wollte ich die zwangweisen Steuergelder, die ich abfuehren muss, auch mitverwendet sehen Aber eine solche Weltpolizei hintertreiben die Politiker: es wuerde den eigenen Machtbereich einengen. Amerika will ja nicht mal einen internationalen Gerichtshof akzeptieren, also auch keine Polizei, die diesem Delinquenten zufuehren koennte. So wird das nichts mit unseren komischen Komikern und irgendeiner "Weltordnung" als weiterhin bloss neoliberal die arme Gea auszuschlachten, bis es in Kuerze partout nicht mehr weitergehen wird. Kriminelle sind als "Terroristen" schon mal das Menetekel fuer weltweites Scheitern der unsrigen Hohlkoepfe. Ausserdem ist jeder von uns, der zu Ramschpreisen Massenware aus Afrika, Bangladesch und China am naechsten Grabbeltisch kauft, mitschuldig am Parasitensystem des Neoliberalismus und damit dem Aufkommen weltweiter Kriminalitaet.
bigmick1907 06.03.2015
2. Das zeigt doch,
...das diese "Menschen" in der Gegenwart nichts verloren haben. Ich entwickele einen Hass gegen solche Unmenschen, die meiner Natur eigentlich widersprechen. Zum ersten mal in meinem (immerhin 45jährigen) Leben wünsche ich mir eine Aufrüstung der Bundeswehr zum Selbstschutz und eine UN-Resolution zur Auslöschung dieser Barbaren. Das meine ich wörtlich.
grubreg 06.03.2015
3. Diese Zerstörung erinnert
... besonders an die Räubereien in den Museen von Bagdad nach der Invasion der USA in Irak 2003. Die Zerstörungen und Diebstähle genau der wertvollsten Exponate wurden von den untätig zuschauenden GI's mit der Feststellung "Nicht unser Auftrag, das zu verhindern" bedacht...
grubreg 06.03.2015
4. Diese Zerstörung erinnert
... besonders an die Räubereien in den Museen von Bagdad nach der Invasion der USA in Irak 2003. Die Zerstörungen und Diebstähle genau der wertvollsten Exponate wurden von den untätig zuschauenden GI's mit der Feststellung "Nicht unser Auftrag, das zu verhindern" bedacht...
Kimmerier 06.03.2015
5. Weder Respekt vor Menschenleben noch vor Kulturgütern
Ähnlich wie die Nationalsozialisten entscheiden die Vertreter des "Islamischen Staates", welche Kulturgüter erhaltenswert sind und welche Menschen lebenswert sind. Machten die Nazis die ethnische Zugehörigkeit zum Kriterium für die Entscheidung, so ist es bei den Islamisten der "richtige Glaube" und die Frage, ob Mensch oder Kulturgut einer strengen Auslegung des Koran genüge tut. Selbst als Archäologe fällt es mir aber schwer, mich nun auch noch über die Zerstörung eines einmaligen Kulturdenkmals wie der Ausgrabungsstätten in Nimrud "aufzuregen" - angesichts des Leids, dass von IS-Kämpfern unzähliger Menschen angetan wurde und angetan wird, kann ich das nicht mehr. Und wenn mir ein Auspruch unseres ehemaligen Verteidungsministers zum Einsatz in Afghanistan eher Bauschmerzen bereitete, glaube ich heute doch, dass wenn schon nicht die Freiheit Deutschlands, so doch Werte, für die auch Deutschland einsteht, auch am Euphrat verteidigt werden sollten.
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