Irak IS ermordet mehr als 200 Zivilisten nahe Mossul

Sie sollen als menschliche Schutzschilde dienen: Erneut hat der "Islamische Staat" Tausende Menschen aus dem Umland Mossuls in die umkämpfte Stadt verschleppt. Hunderte, die sich weigerten, wurden ermordet.

Zivilisten auf der Flucht vor dem "Islamischen Staat"
AP

Zivilisten auf der Flucht vor dem "Islamischen Staat"


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach Angaben der Uno nahe der Stadt Mossul am Mittwoch 232 Menschen getötet. Die Hingerichteten hätten sich geweigert, Anordnungen zu befolgen, erklärte eine Sprecherin des Uno-Menschenrechtskommissars in Genf.

Die Extremisten hätten seit Beginn der Offensive vor knapp zwei Wochen rund 8000 Familien und damit Zehntausende Menschen aus der Umgebung Mossuls entführt und in die Stadt gebracht, um sie in der Nähe von militärischen Einrichtungen als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Viele von denjenigen, die sich dagegen sträubten, seien auf der Stelle erschossen worden, so die Uno-Sprecherin. Entsprechende Berichte, die die Uno dazu bisher erhalten hatte, seien noch unvollständig.

Derzeit läuft eine Großoffensive der irakischen Streitkräfte, die mit Unterstützung schiitischer und kurdischer Milizen den IS aus seiner letzten Hochburg im Irak vertreiben wollen. Die US-Armee meldet, die irakische Armee habe bei ihrem Vorstoß auf die Stadt aus südlicher Richtung 40 Dörfer vom IS zurückerobert. Das US-Militär beteiligt sich mit Luftangriffen und Spezialkräften am Boden an der Erstürmung Mossuls.

Von irakischer Seite hieß es, seit dem 17. Oktober seien bereits 93 Dörfer und Ortschaften im Umkreis Mossuls befreit worden. Zudem habe man 127 Autobomben und drei Tunnel der IS-Kämpfer zerstört. Seit Beginn des Einsatzes sind nach irakischen Angaben 772 Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" getötet worden. Weitere 23 seien festgenommen worden, teilte ein Sprecher mit. Das US-Militär hatte zuvor mitgeteilt, es seien bis zu 900 IS-Kämpfer getötet worden.

An der Befreiung Mossuls ist ein Bündnis von irakischer Armee, kurdischen Peschmerga und schiitischen Milizen beteiligt (mehr zu der brüchigen Allianz lesen Sie hier). Östlich von Mossul sind die Truppen bisher auf etwa sechs Kilometer an die Stadt herangelangt, im Süden sind sie noch etwa 35 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Die gesamte Mission laufe nach Plan, sagte ein Sprecher der irakischen Spezialeinheiten.

SPIEGEL TV Magazin

cht/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.