IS-Drohungen an Deutschland Der Brandstifter aus Wien

In einem IS-Video ruft Mohamed Mahmoud wiederholt zu Anschlägen in Deutschland auf. Der Österreicher ist berüchtigt, seine Drohung richtet sich auch an die Kanzlerin. Dem Verfassungsschutz gilt er als einer der gefährlichsten Hetzer.

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Mohamed Mahmoud: Das Foto zeigt ihn in Deutschland 2012
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Mohamed Mahmoud: Das Foto zeigt ihn in Deutschland 2012


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Mohamed Mahmoud lässt sich heute "Abu Usama al-Gharib" nennen. Abu Usama, der Fremde. Mit Österreich will er nichts mehr zu tun haben, seinen Pass hat er verbrannt, doch seine Herkunft klingt durch jeden seiner Sätze. Auch seine nun veröffentlichte Videobotschaft richtet sich an die alte Heimat Österreich. Er wurde in Wien geboren, sein Vater floh einst aus Ägypten.

Seit Mittwoch kursiert ein fünfminütiges Video des "Islamischen Staats" (IS), mit dem der 30-Jährige zu Anschlägen in Österreich und Deutschland anstiften will. Er richtet sich an Einzeltäter, die sogenannten "einsamen Wölfe". Seine Botschaft an potenzielle Attentäter: "Nimm ein großes Messer", das reicht schon.

Mahmoud ist ein Propagandakrieger. Seit einem Jahrzehnt verbreitet er Dschihadisten-Videos, anfangs für andere, dann übernahm er selbst die Hauptrolle. Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet Mahmoud seit Jahren. Er gilt den Beamten als einer der gefährlichsten Islamisten im deutschsprachigen Raum: Kaum ein anderer wirbt so aggressiv junge deutschsprachige Menschen für den Dschihad an.

"Unsere Waffe ist das Internet", sagte er dem SPIEGEL im April 2012. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Mohamed Mahmoud gerade in einer Einzimmerwohnung in Hessen. Die Miete bezahlte seine Frau.

Schon als Teenager versuchte er sich als Dschihadist

Sich selbst hält er für berufen, auch das erzählte er dem SPIEGEL. Deshalb lässt er sich in seinem missionarischen Eifer bisher auch durch nichts abbringen. Er sagt: "Die meisten großen Führer haben erst nach ihrem Tod die richtige Anerkennung erlangt."

Sein Vater wurde einst verfolgt als Mitglied der verbotenen Muslimbruderschaft in Ägypten. Er floh nach Österreich. Mahmoud wuchs in Wien auf. Mit 17 brach er die Schule ab - und verschwand für acht Monate. Er soll über Italien in den Irak gereist und in einem Terrorlager, von einer al-Qaida-nahen Gruppe, ausgebildet worden sein. In Iran, nahe der irakischen Grenze, wurde er festgenommen und nach Österreich zurückgeschickt.

Offenbar stand Mahmoud danach weiter in Kontakt mit Mitgliedern des Terrornetzwerkes al-Qaida. 2005 begann er als Anführer der deutschsprachigen "Globalen Islamischen Medienfront" Propagandavideos der Dschihadisten und der Taliban zu verbreiten.

Als Mahmoud 2007 in einem Video mit Anschlägen in Deutschland und Österreich drohte, wurden er und seine Frau verhaftet. Bis 2011 verbüßte er in Österreich eine vierjährige Haftstrafe wegen Bildung und Förderung einer terroristischen Vereinigung. Als Knast-Veteran stieg sein Ansehen in Dschihadisten-Kreisen noch weiter.

Die Türkei ließ Mahmoud wieder frei

Nach Verbüßung seiner Strafe verhielt sich Mahmoud geschickter - und wurde immer mehr zur Herausforderung für den Rechtsstaat. Mit seinem salafistischen Verein "Millatu-Ibrahim" lotete Mahmoud die Grenzen der Meinungsfreiheit aus und achtete genau darauf, keinen Vorwand für eine erneute Inhaftierung zu liefern.

In den folgenden Jahren blieb Mahmoud rastlos. Als ihm Hessen 2012 mit Abschiebung drohte, zog er über Ägypten nach Libyen. Danach wollte er wie sein Gesinnungsgenosse, der Ex-Rapper Denis Cuspert, nach Syrien gelangen. Auf dem Weg dorthin wurde Mahmoud im März 2013 in der Türkei festgenommen. Erst im September 2014 kam er wieder frei - und tauchte unter.

Vermutet wurde damals, dass die Türkei ihn und 180 andere europäische Dschihadisten ziehen ließ, weil der "Islamische Staat" rund 50 türkische Geiseln, darunter Diplomaten, freiließ. Mehrere europäische Länder haben dem IS bereits Millionensummen an Lösegeld für ihre Geiseln gezahlt.

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Reine Videoansprachen reichen inzwischen nicht mehr aus, um in der deutschen Islamistenszene für Furore zu sorgen. Der Österreicher zeigt sich nun auf Fotos aus Syrien mit Leichen ohne Köpfen. Auch das jüngste Propagandavideo zeigt ihn lachend, während er eine gefesselte Geisel ermordet.

Früher machte Mahmoud Werbung für al-Qaida, nun eben für die Konkurrenz. Der deutschsprachige Propagandakrieger ist für den IS von großem Nutzen: Jeden Monat werden nach Schätzungen mehr als 1000 IS-Kämpfer allein durch die internationalen Luftangriffe getötet. Die Miliz braucht ständig neues Kanonenfutter aus Europa.

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Zusammengefasst: Mohamed Mahmoud wurde in Wien geboren, radikalisiert bei al-Qaida - und macht heute Werbung für den "Islamischen Staat". Den Terroristen gilt er als wichtiger Rekrutierer in der deutschsprachigen Islamistenszene. Nun erschien ein Propagandavideo, das erstmals komplett in deutscher Sprache gedreht ist. Mahmoud droht darin mit Anschlägen und lockt potenzielle Dschihadisten nach Syrien.

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