Finanzbericht der Terrormiliz Öl, Gas, Raub - die Geldquellen des "Islamischen Staats"

Der IS führt genau Buch über die von ihm besetzten Gebiete. Interne Dokumente der Dschihadisten verraten, wofür sie ihr Geld ausgeben - und woher es kommt.

Teuerster Posten Personal: Für Kämpfer gibt der IS am meisten Geld aus
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Teuerster Posten Personal: Für Kämpfer gibt der IS am meisten Geld aus


Der "Islamische Staat" (IS) ist berüchtigt, auch für seinen bürokratischen Eifer. Die Dschihadisten listen sorgfältig ihre Einnahmen und Ausgaben auf. Der Dschihadismus-Forscher Aymenn Jawad al-Tamimi hat interne Dokumente der IS-Buchhaltung veröffentlicht und übersetzt.

Der IS-Finanzbericht stammt aus der Provinz "Al-Kheir": So nennen die Dschihadisten die ostsyrische Stadt Deir al-Sor und ihre Umgebung sowie Teile der irakisch-syrischen Grenzregion. Es ist die Öl- und Erdgas-Provinz des IS. Die Bilanz umfasst den Zeitraum vom 23. Dezember 2014 bis 22. Januar 2015 - den dritten Monat im islamischen Kalender.

So schlüsselt der IS seine Einnahmen für Deir al-Sor auf:

  • Beschlagnahmungen: 44,7 Prozent
  • Öl und Erdgas: 27,7 Prozent
  • Steuern: 23,7 Prozent
  • Strom: 3,9 Prozent

Insgesamt umfassten die Einnahmen 8,4 Millionen Dollar. Der IS rechnet in der US-Währung. Irak und Syrien haben jeweils eigene Landeswährungen.

Obwohl Deir al-Sor der Öl- und Gas-Produzent der Dschihadisten ist, machten die fossilen Rohstoffe im Bilanzmonat weniger als ein Drittel der Einnahmen aus. Grund dafür dürften die internationalen Luftangriffe seit September 2014 sein: Sie haben viele Förderanlagen zerstört. Allerdings kann der IS immer noch in geringerem Umfang Öl auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Zudem bestehen Verträge zwischen dem IS und dem syrischen Regime.

Die wichtigste Einnahmequelle ist Raub

Mit "Beschlagnahmungen" meint der IS, dass er die Häuser und Güter der Menschen plündert, die geflohen sind oder die er zu Ungläubigen erklärt.

Mit "Steuern" ist ebenfalls Raub gemeint: Der IS erpresst Zwangsabgaben an Checkpoints. Vielerorts wird er bei Unternehmern und Ladenbesitzern auch durch Hausbesuche vorstellig und zwingt sie, Abgaben zu zahlen.

Mit "Strom" hält er es ähnlich: Der IS produziert selbst nichts davon, presst den Menschen aber eine Zwangsabgabe darauf ab.

Dass die Einnahmen des IS kaum wie Steuern für öffentliche Dienstleistungen zum Wohle aller Bürger ausgegeben werden, zeigt die zweite interne IS-Tabelle.

So schlüsselt der IS seine Ausgaben für Deir al-Sor auf:

  • Gehälter von Kämpfern: 43,6 Prozent
  • Ausgaben für IS-Stützpunkte: 19,8 Prozent
  • Behörde für Öffentliche Dienstleistungen: 17,7 Prozent
  • Moralpolizei: 10,4 Prozent
  • Behörde für humanitäre Hilfe: 5,7 Prozent
  • Öffentlichkeitsarbeit: 2,8 Prozent

Der IS wirtschaftet also vor allem in die eigene Tasche. Insgesamt gehen 76,6 Prozent der Ausgaben an seine eigenen Angestellten: Kämpfer, Moralpolizisten und -polizistinnen sowie PR-Angestellte.

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Seite 1
SachDebattierer 07.10.2015
1. EU Länder kaufen bei der IS Öl
... wusste vor einem Jahr die EU Botschafterin im Irak zu berichten (dann sind da mit hoher Wahrscheinlichkeit auch NATO Länder darunter). http://www.bz-berlin.de/welt/eu-laender-finanzieren-isis-durch-oelimport-2 Warum gibt es keinen investigativen Journalisten, der hier mal tiefer gräbt? Vielleicht braucht man eben jene EU Länder auch als Frontland gegen Russland, .... und daher darf in dieser Richtung nicht weiter ermittelt werden?
fritzyoski 07.10.2015
2. Finanzamt
"Mit "Steuern" ist ebenfalls Raub gemeint: Der IS erpresst Zwangsabgaben an Checkpoints. Vielerorts wird er bei Unternehmern und Ladenbesitzern auch durch Hausbesuche vorstellig und zwingt sie, Abgaben zu zahlen. " Also aehnliche Methoden wie das Finanzamt auch. Zwangsabgaben an Checkpoints. so etwas nennt man in Deutschland Maut.
localpatriot 07.10.2015
3. Viele Zeichen der Duldung
Während man in Europa die eigentliche Dimension dieser Bewegung zwar erkennt, jedoch die wirklichen Fundamente verschweigt, kann sich diese Bewegung frei entfalten. Seit langer Zeit gibt es in der Weltpresse Gerüchte dass sich die Bewegung nicht durch Erpressung und Enteignung, finanziert, sondern auch über andere Geldquellen durch Mäzene finanziert. Der Artikel ist in dieser Hinsicht irreführend und nur beschränkt aufklärend. Was ebenfalls fehlt ist die Relevanz der spezifischen Konfessionellen Verbindung, welche eine Trennung Bevölkerung von der Terrororganisation praktisch unmöglich macht. SPON fehlt heute der Mut fuer die meisten journalistischen Beiträgen Foren zu öffnen. Hier ist eine Ausnahme. MfG an alle Mutlosen im Forum, in Berlin und in Bruessel.
Theodoro911 07.10.2015
4. Wieviel ein IS-Kämpfer denn so verdient
im lokalen Vergleich bleibt unklar. Bei 100€/Mon lassen sich 35-40.000 Kämpfer unterhalten bei 200€/Mon nur 18-20.000. Schon ein kleiner Unterschied - oder nicht? Hat der IS noch andere Jobs zu bieten oder bedient er sich aus einem Riesenheer von Arbeitslosen? Sollte man auch nicht unerwähnt lassen. Dann würde das Bild wesentlich deutlicher und genauer für Unvoreingenommene.
hapebo 07.10.2015
5. Pecunia non olet!
Komisch beim Geld ist der Dollar gut,ist ja eine westliche/weltliche Währung. Also dieser ganze Zinnober mit der Religion ist doch nur Fassade. Die Brüder sind kriminelle, nicht mehr und nicht weniger.
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