Krieg gegen Dschihadisten Putin nennt Anti-IS-Kampf "plump"

Der Westen ist schuld an der Ukraine-Krise, der Kampf gegen den "Islamischen Staat" ist unverantwortlich: Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einem Interview zum Rundumschlag gegen USA und Co. ausgeholt.

Russlands Präsident Putin: Scharfe Kritik am Westen
AP

Russlands Präsident Putin: Scharfe Kritik am Westen


Kairo - Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor einem Staatsbesuch in Ägypten den Kampf der US-geführten Militärallianz gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) scharf kritisiert. Durch "plumpes und unverantwortliches Eingreifen von außen" sei die Lage im Irak und in Syrien erst zu dem geworden, was sie heute ist, sagte Putin in einem Interview mit der ägyptischen Staatszeitung "al-Ahram".

Strategie und Taktik der von den USA geführten Allianz seien "unverhältnismäßig im Vergleich zu der realen Bedrohung", sagte Putin weiter. Die IS-Miliz hat seit Sommer vergangenen Jahres große Gebiete im Irak und in Syrien unter ihre Kontrolle gebracht und verfolgt dort ethnische und religiöse Minderheiten wie Jesiden und Christen brutal.

Putin ist von Montag an zu einem zweitägigen Besuch in Ägypten. Mit seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah el-Sisi will er über einen Ausbau der bilateralen Beziehungen und den internationalen Kampf gegen Terrorismus sprechen. Russland zählt zu den wichtigsten Verbündeten Ägyptens, fast die Hälfte des ägyptischen Getreidebedarfs wird aus Russland importiert.

Gegenseitige Vorwürfe

Die Beziehungen zwischen Putin und dem Westen sind seit Ausbruch der Ukraine-Krise vor mehr als einem Jahr angespannt. Kurz vor einem am Mittwoch geplanten Friedensgipfel in Minsk sagte er der Zeitung auch, dass die Gewalt in der Ostukraine eine Reaktion "auf einen vom Westen unterstützten Staatsstreich" in Kiew sei. Der Konflikt werde so lange andauern, wie sich die "Ukrainer nicht untereinander einig werden".

Westliche Staaten und die Regierung in Kiew werfen Putin vor, den Konflikt in der Ostukraine anzuheizen und den Aufständischen mit Waffen und gutausgebildeten Soldaten zu helfen. Die Führung in Moskau weist den Vorwurf der Waffenlieferungen zurück. Bei den Soldaten handele es sich um Freiwillige.

Putin, sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko sowie der französische Präsident François Hollande und Kanzlerin Angela Merkel wollen sich am Mittwoch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk treffen, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Die Arbeiten an einem Paket für eine umfassende Lösung sollen bereits an diesem Montag in Berlin fortgesetzt werden.

mxw/dpa

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