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Kampf gegen Terror: Russland drängt auf weltweite Anti-IS-Allianz

Hollande und Putin 2014 in Moskau: Pakt gegen den IS Zur Großansicht
AFP

Hollande und Putin 2014 in Moskau: Pakt gegen den IS

Trotz des Streits mit der Türkei will Russland ein Bündnis gegen den IS schmieden. "Wir brauchen eine breite Anti-Terror-Front, eine echte Koalition." Frankreich zeigt vorsichtige Sympathie, China verstärkt seinen Kampf gegen Extremisten in Afrika.

Der französische Staatschef François Hollande ist derzeit viel unterwegs: Am Dienstag war er in Washington bei US-Präsident Barack Obama, am Donnerstag reist er nun nach Moskau zu Wladimir Putin. Hollande will einen Pakt gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat", kurz IS, schmieden. Doch bisher hat er - auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihn am Mittwochabend in Paris besuchte - vor allem Solidaritätsbekundungen nach den Terroranschlägen von Paris gehört.

Zudem wurde Hollandes Schulterschlussinitiative von dem Abschuss des russischen Kampfbombers an der syrisch-türkischen Grenze überschattet - wegen einer angeblichen Luftraumverletzung hatte die türkische Luftabwehr die russische Suchoi Su-24 attackiert. Putin reagierte danach mit scharfen Worten, ging Ankara massiv an, warf der Türkei einen Hinterhalt vor (lesen Sie hier mehr).

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Doch trotz der markigen Worte und Spannungen zwischen Moskau und Ankara strebt Putin wie Hollande eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus an. Das betonte der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow vor dem Treffen der beiden Staatschefs am frühen Donnerstagabend. Moskau wolle eine "breite Anti-Terror-Front, eine echte Koalition", sagte Rjabkow der Agentur Interfax. Dazu gebe es keine Alternative. Ein Ziel des Abschusses könne gewesen sein, die Bildung einer internationalen Koalition zu torpedieren, meinte Rjabkow. Dies dürfe nicht gelingen.

Russland und Frankreich fliegen - wie die USA - unabhängig voneinander Luftangriffe in Syrien, wo der IS Gebiete kontrolliert. Bereits nach den Anschlägen in Paris hatten Moskau und Paris engere Absprachen angekündigt.

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Für Putin, der seit der Annektion der Krim und dem Krieg in der Ostukraine politisch isoliert war, ist der Kampf gegen den Terrorismus eine Möglichkeit, wieder international mitzumischen. Allerdings steht Russland massiv in der Kritik, weil es mit seiner Intervention in Syrien den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Die russischen Luftangriffe konzentrieren sich bisher auf Stellungen von Rebellengruppen, die gegen das Regime von Assad kämpfen und Widerstand gegen den IS leisten.

Im Vorfeld von Hollandes Besuch in Moskau hatte die französische Regierung bereits klargemacht, dass sie sich eine Kooperation mit der Führung in Moskau nur unter Bedingungen vorstellen könne. Putin müsse den Druck auf Assad erhöhen, Fassbombenangriffe auf Zivilisten zu beenden. Zudem dringt Frankreich im Gegensatz zu Russland auf einen politischen Übergang ohne Assad.

China will Afrika im Kampf gegen Extremisten helfen

Der britische Premier David Cameron hatte Frankreich bereits eine enge Zusammenarbeit beim Anti-Terror-Kampf versprochen. Das sagte er Hollande bei einem Besuch in Paris am Montag. Cameron fordert die Beteiligung seines Landes an Luftangriffen in Syrien. Das Parlament verweigert dies bisher - am Donnerstag will Cameron deshalb im Unterhaus eine Erklärung abgeben.

Auch Peking kündigte an, seine Bemühungen, den Extremismus zu bekämpfen, zu verstärken. Der Fokus der Volksrepublik China liegt dabei auf Afrika. Man wolle enger mit afrikanischen Ländern zusammenarbeiten, um Anschläge wie zuletzt in Mali zu verhindern, hieß es. Außenminister Wang Yi sagte am Donnerstag, Peking werde die bilaterale Kooperation stärken. Details nannte er jedoch nicht.

Bei der Geiselnahme in einem Luxushotel in der malischen Hauptstadt Bamako waren vergangene Woche 19 Menschen gestorben, darunter drei Chinesen. Zu dem Angriff hatten sich zwei Islamistengruppen bekannt, die dem Terrornetzwerk al-Qaida zugerechnet werden.

Die Volksrepublik investiert traditionell in vielen afrikanischen Ländern, zudem bezieht sie einen großen Teil ihrer Rohstoffe von dort.


Zusammengefasst: Frankreichs Staatschef François Hollande will eine breite Anti-IS-Koalition schmieden. Auch Präsident Wladimir Putin will diese Allianz - trotz der Spannungen nach dem Abschuss einer russischen Maschine im türkisch-syrischen Grenzgebiet durch Ankaras Luftabwehr. A m Donnerstag treffen sich Hollande und Putin in Moskau. China kündigt an, seinen Kampf gegen Terror in Afrika zu verstärken.


heb/dpa

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insgesamt 90 Beiträge
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1.
ackergold 26.11.2015
Würde Russland den Krieg in der Ukraine beenden und die völkerrechtswidrig annektierte Krim zurückgeben, dann könnte dieses Ansinnen sogar gelingen.
2. und...
fatherted98 26.11.2015
...soll in dieser Allianz auch die Türkei als Geschäftspartner der IS eine Rolle spielen?
3. Nur ein Detail
crma 26.11.2015
Warum wurde in so vielen Artikeln geschrieben, dass Russland Gebiete und Rebellen bombardiert in denen der IS gar nicht vorkommet? Laut diesem Artikel beteiligen sich ja ebendiese Rebellen in den Gebieten ohne IS am Kampf gegen den IS. Die USA waren doch so gross darin öffentlich Lügen zu enttarnen, warum können sie nicht öffentlich sagen, wer zu ihnen gehört und wer nicht? Den IS kümmert es ohnehin nicht - wer denen nicht passt bekommt die Rübe deplatziert, ob gemässigter oder ungemässigter Rebell.
4. Respekt
docker 26.11.2015
Putin macht im Augenblick klassische, pragmatische Politik und ist damit mutlosen Zauderern wie Merkel erkenntnistheoretisch weit voraus .
5. Kampf um Afrikas Rohstoffe
robert.haube 26.11.2015
China tritt nun auch offensiver in den neokolonialen Kampf um Afrika ein. Wir haben damit die CFA-Franc Zone in West- und Äquatorialafrika, die als Einflussbereich von Frankreich mit Hilfe Deutschlands beansprucht wird und einen chinesischen Einflussbereich. Warten wir ab, was die USA machen.
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