Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Junge Selbstmordattentäter: Der IS prahlt mit seinen Kindersoldaten

IS-Kindersoldaten in der Nähe von Rakka: Eine ganze Generation wird indoktriniert Zur Großansicht
AP/ Raqqa Is Being Slaughtered Silently

IS-Kindersoldaten in der Nähe von Rakka: Eine ganze Generation wird indoktriniert

Die Jungen sind Teil der perfiden Strategie des IS: Dutzende Jugendliche hat die Terrormiliz laut einer Studie zuletzt als Selbstmordattentäter in den Tod geschickt - und brüstet sich im Netz damit.

Der Junge küsst die Hand seines Vaters ein letztes Mal. Dann klettert er in ein gepanzertes Fahrzeug, das mit Sprengstoff beladen ist. Seine Fahrt endet Minuten später. Das Kind sprengt sich mit dem Wagen in der Nähe von Aleppo in die Luft.

Er ist einer von 89 Minderjährigen, die zwischen dem 1. Januar 2015 und 31. Januar 2016 als Kämpfer oder Selbstmordattentäter in den Reihen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ums Leben gekommen sind. Das geht aus einer Studie des Combating Terrorism Center der US-Militärakademie West Point hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Für den Bericht haben die Autoren systematisch IS-Propaganda ausgewertet. Anders als Kriegsparteien in früheren Konflikten versuchen die Dschihadisten nämlich gar nicht erst zu verheimlichen, dass sie Jungen einsetzen. Im Gegenteil: Der IS veröffentlicht regelmäßig Videos von Trainingscamps, in denen Kinder militärisch gedrillt werden.

Die Terrorgruppe postet außerdem Fotos und ehrende Beschreibungen von Minderjährigen, die im Kampf getötet wurden oder sich als Attentäter in die Luft sprengten. Auch das Video des Jungen mit dem gepanzerten Wagen stellte die Miliz ins Netz.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie:

  • 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen starben als Selbstmordattentäter, die sich mit ihrem Fahrzeugsin die Luft sprengten, 33 Prozent fielen im Kampf. Sechs Prozent gehörten zu Propagandaeinheiten, die Kämpfer in der Schlacht begleiteten. Vier Prozent sprengten sich mit Sprengstoffgürteln zwischen Zivilisten in die Luft. Die übrigen 18 Prozent gehörten zu Kommandoeinheiten, die zuerst mit Schusswaffen auf ihre Ziele losgingen und anschließend Sprengsätze zündeten.
  • Rund 60 Prozent der getöteten Minderjährigen stammten aus Syrien und dem Irak. Doch auch Kinder aus dem Ausland starben für den IS - darunter Marokkaner, Briten, Australier und Franzosen. Das geht aus den Kampfnamen hervor, in denen der IS üblicherweise auf das Herkunftsland Bezug nimmt.
  • Die Zahl der verheizten Jungen steigt kontinuierlich. Im Januar 2015 hatte der IS drei minderjährige Selbstmordattentäter eingesetzt, im Oktober waren es schon sechs, und im Januar 2016 zählten die Autoren der Studie zehn Selbstmordattentate von Minderjährigen.
  • Der IS gibt das Alter seiner Kämpfer nicht an. Nach der Auswertung von Fotos der Toten gehen die Autoren der Studie aus, dass sechs Prozent von ihnen jünger als zwölf Jahre waren. 60 Prozent waren zwischen 12 und 16.
  • Die Jugendlichen ersetzen keine Erwachsenen. Stattdessen kämpfen sie Seite an Seite mit älteren Milizionären. Nach Einschätzung der Forscher ist das kein Zeichen von wachsender Verzweiflung. Vielmehr seien die Kindersoldaten Teil der psychologischen Kriegsführung des IS.

Selbst wenn die Terrormiliz in den kommenden Jahren militärisch besiegt werden sollte: Es wird lange dauern, eine ganze Generation von Kindern wieder zu reintegrieren, die vom IS indoktriniert worden sind.

syd

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ich sehe...
multi-moral 20.02.2016
nur eine vermmumte Bande, die feige sind sich zu zeigen. Und bitte, es ist genug diese Mörderbande als Staat zu bezeichnen und suggerieren!
2.
kaksonen 20.02.2016
Wenn man an die eigene Kindheit und Jugend zurückdenkt, versteht man, wie leicht es ist, Kinder davon zu überzeugen, dass sie nach dem Auslösen des Sprengsatzes im Paradies aufwachen werden!
3. Ein haufen loser
squashplayer 20.02.2016
Ist der is. War es im leben zu nichts gebracht hat, heuert da an. Das mit dem Kindern bedeutet m.e., dass sie ähnlich wie bei hitlers volkssturm keine Erwachsenen Soldaten mehr haben. Mit dem is ist es also bald zuende.
4.
Atheist_Crusader 20.02.2016
Verstehe nicht, wie man darauf stolz sein kann. Es ist nun wirklich nicht schwer, Teenagern (zwischen 12 und 16 ist man kein Kind mehr) irgendeinen Mist einzureden und sie dann für seine Zwecke zu verheizen. Das kriegen Sektengurus, Werbestrategen und andere Leute auch hin. Das ist keine Leistung. Gerade Jungs in dem Alter sind unwahrscheinlich dumm und leicht manipulierbar. Und wenn die dann noch in einer Gesellschaft leben, in der man höchstens in der Ehe mal Sex haben darf und selbst Masturbation schon als halbes Verbrechen gilt... und ihnen dann noch erzählt, dass sie in einen coolen Club kommen und 70 Mädels abkriegen... ja dann braucht es fast schon keinen Sprengstoff mehr, die gehen von ganz allein in die Luft. Der IS im speziellen (und islamische Staaten im Allgemeinen) schaffen doch diese restriktiven gesellschaftlichen Situationen, die junge Männer in solch einen Irrsinn treiben. Keine Arbeit, keine Bildung, kaum eine Möglichkeit sich zu amüsieren... und wenn man den Idioten dann auch noch einredet, dass der Westen und die Juden an allem Schuld seien und nicht die Unterdrücker aus den eigenen Reihen... dann hat man im Wesentlichen eine Massenproduktion für fanatische Gefolgsleute. Aber mehr als das hat mich die erste Zeile des Artikels angewidert. Die Eltern sind noch dabei, die Eltern lassen diesen Dreck zu und freuen sich wahrscheinlich noch über ihren Märtyrer. Selbst zentralafrikanische Kindersoldaten haben keine so beschissenen Eltern (die sind nämlich meistens tot). Aber Eltern, die zulassen, dass sich ihre Kinder für eine Horde Fanatiker opfern... solange solche existieren, sehe ich einen Frieden im Nahen Osten nur in weiter Ferne. Solange Religion selbst über so grundlegende menschliche Instinkte wie den Schutz der eigenen Kinder dominiert, kann man nicht davon ausgehen, dass man es mit vernunftbegabten Wesen zu tun hat.
5.
pauschaltourist 20.02.2016
In der Aufzählung fehlt die Beschreibung der diversen IS-Videos, die zeigen, wie die IS Kinder auf Menschenjagd (gefesselte Gefangene) schickt und die Kinder die Aufgefundenen anschließend erschießen lässt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Anzeige


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: