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Neue Studie: So baut der "Islamische Staat" seine Bomben

Fotostrecke: Die Bomben des "Islamischen Staates" Fotos
REUTERS

Sprengsätze gehören zu den wichtigsten Waffen des IS. Nun haben Forscher die Überreste solcher Bomben untersucht und die Herkunft der Bestandteile analysiert. Stoppen lässt sich der Bau wohl nicht.

Eineinhalb Jahre lang haben die Forscher gepuzzelt. Sie sammelten die Überreste der Sprengsätze ein, die der "Islamische Staat" im Irak einsetzte und in der syrischen Stadt Kobane. Danach spürten sie der Herkunft der Teile nach - den Kabeln, den Zündern, den Chemikalien. Sogar den Handys, die mit den Zündern verknüpft waren.

Das Ergebnis hat die "Conflict Armament Research" Forschergruppe, die von der Europäischen Union finanziert wird und sich auf die Lieferrouten von Waffen spezialisiert, nun in einem neuen Bericht vorgestellt.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Legalität: Die Bestandteile der Sprengsätze werden legal gehandelt, da sie ja auch für vieles andere eingesetzt werden. Das macht eine Regulierung oder gar Kontrolle umso schwieriger. Nur für Zünder und Zündkabel braucht es Export-Lizenzen. Die Zünder werden auch in der Industrie und im Bergbau verwendet und an entsprechende Unternehmen exportiert. Danach werden sie von kleinen Unternehmen weiterverkauft bis sie bei Unternehmern mit IS-Verbindungen enden

  • Internationalität: Die Spuren der Sprengsatz-Teile führten durch 20 Länder. So waren die Chemikalien in Brasilien, China, Rumänien, der Türkei, Belgien, den Niederlanden, im Irak und Iran hergestellt worden, die Zünder und Zündkabel in Indien, der Tschechischen Republik und Österreich

  • Nähe: Letzte Zwischenstation auf der Lieferroute waren naturgemäß kleine Unternehmen in unmittelbarer Umgebung des IS: in der Türkei, im Irak und im Libanon. Der IS bestellt nicht direkt per Großlieferung im Ausland, sondern ist auf viele kleine Zwischenhändler angewiesen. So wird auch eine mögliche Verfolgung der Spur erschwert.

  • Staatsversagen: "Viele Komponenten, die für die Herstellung selbstgemachter Sprengsätze verwendet werden, unterliegen keiner Transfer-Kontrollen", schreiben die Forscher. "Ihr Angebot in der Region wird kaum kontrolliert." Allerdings wäre eine solche Kontrolle auch extrem aufwendig. Im Falle von Zündern und Zündkabeln habe zumindest die Türkei ein Gesetz erlassen, das den Export solcher Komponenten verbiete. Doch die staatliche Überwachung sei offenbar nicht ausreichend

  • Schnelligkeit: In manchen Fällen dauerte es nur einen Monat, bis ein Bomben-Bestandteil vom Produzenten über Zwischenhändler beim IS gelandet war

Selbstgebaute Sprengsätze sind eine der berüchtigtsten Waffen des IS. Die Organisation setzt sie in großen Stile bei militärischen Offensiven ein, aber auch immer wieder, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren. Am Wochenende starben bei IS-Bombenanschlägen in Syrien mehr als 150 Menschen, viele wurden schwer verletzt.

ras

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