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Bericht von Menschenrechtlern: IS-Milizen verkaufen jesidische Frauen als "Kriegsbeute"

Jesidische Frauen auf der Flucht: Grausame Verbrechen durch IS-Kämpfer Zur Großansicht
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Jesidische Frauen auf der Flucht: Grausame Verbrechen durch IS-Kämpfer

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" verübt Menschenrechtlern zufolge grausame Verbrechen an andersgläubigen Frauen im Irak. Sie werden vergewaltigt und als Bräute an Terrorkämpfer verkauft.

Al-Rakka, Hamburg - Die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach Angaben einer syrischen Menschenrechtsorganisation mehr Gräueltaten begangen als bislang bekannt. Die Extremisten sollen jesidische Frauen verschleppt und später verkauft oder an ihre eigenen Leute verteilt haben. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag.

Insgesamt sind demnach rund 300 Frauen und Mädchen im Irak entführt und als Kriegsbeute nach Syrien verschleppt worden. Das Schicksal der meisten sei unklar. Es gebe mindestens 27 dokumentierte Fälle von Frauen, die für rund tausend Dollar, umgerechnet etwa 760 Euro, an IS-Kämpfer verkauft worden seien, so die Beobachtungsstelle. Vor ihrem Verkauf als Braut seien die Frauen gezwungen geworden, zum Islam zu konvertieren. Die Opfer seien als "Beute aus dem Krieg mit den Ungläubigen" bezeichnet worden.

Einige syrische Araber und Kurden versuchten den Angaben zufolge zwar, die Frauen zu kaufen und dann freizulassen. Doch IS habe die Frauen nur an Kämpfer aus den eigenen Reihen verkauft.

Hunderte Frauen werden im Gefängnis festgehalten

Die britische Tageszeitung "Daily Mail" sowie die US-Nachrichtenseite "The Daily Beast" berichten von grausamen Details: Im Badusch-Gefängnis im nordirakischen Mossul befinden sich demnach seit Juni Hunderte verschleppte Frauen - nicht ausschließlich Jesiden, sondern auch Angehörige anderer Minderheiten. Einer kurdischen Politikerin zufolge würden die Frauen im Gefängnis vor die Wahl gestellt: Entweder sie konvertieren zum Islam und werden verkauft - oder sie werden mehrfach vergewaltigt und zu Tode gequält.

Opfer würden gezwungen, bei ihren Familien anzurufen, die sich die Misshandlungen am Telefon anhören müssen. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt. In dem Gefängnis sind den Zeitungsberichten zufolge bereits mehrere Kinder geboren worden; die Babys seien den Müttern direkt nach der Geburt weggenommen worden.

Die Angaben lassen sich aus der Ferne kaum überprüfen, sie sind aber plausibel. Darauf deuten unter anderem Augenzeugenberichte aus den vergangenen Tagen und Wochen hin. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezieht ihre Informationen von einem dichten Netz aus Informanten in Syrien. Vor der Beobachtungsstelle hatten schon Uno-Vertreter und Jesiden berichtet, dass jesidische Mädchen und Frauen von IS-Kämpfern getötet oder gekidnappt wurden.

"Unsere Frauen als Sklaven verkauft"

So sagte ein Jeside in Arbil kürzlich SPIEGEL ONLINE: "Die Terroristen haben Tausende Mitglieder unserer Gemeinde und andere Angehörige von Minderheiten wie Christen und Schiiten getötet. Sie haben [...] Frauen vergewaltigt und unsere Kinder umgebracht. Mehrere Hundert Menschen haben sie als Geiseln genommen, unsere Frauen haben sie als Sklaven verkauft."

Rund 200.000 Menschen sind auf der Flucht vor den IS-Extremisten. Die Terrormiliz IS hatte Anfang August große Gebiete in Syrien und im Norden des Irak eingenommen, in denen vor allem Jesiden leben. Radikale Muslime beschimpfen die Jesiden als "Teufelsanbeter".

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden rund 2500 Jesiden entführt. Neben Massenmorden würden die sunnitischen Extremisten im Irak systematisch Vergewaltigungen begehen und Menschen in die Sklaverei zwingen, so Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay. Sie sprach von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

lgr/AFP/dpa

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insgesamt 230 Beiträge
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1. Handeln
schnulli602 30.08.2014
...ist jetzt schnell gefragt. Wie lange will die Weltlich das noch ansehen? Ichverwarte von unserer Bundesregierung, dass sie sich zumindest mit Kampfflugzeugen an der künftigen Allianz beteiligt. Die IS muss gestoppt werden. JETZT
2. warten, reden und uns lächerlich machen
sevtrek 30.08.2014
Tja, wofür haben wir eigentlich die UN, EU- Battlegroups, NATO usw. Aber hier sind ja kleinliche politische Befindlichkeiten wichtiger, als unsere ach so tollen moralischen Lippenbekenntnisse. Wie war das 84% der deutschen Bevölkerung ist gegen Auslandseinsätze der BW? Tja ich glaube mindestens genauso viele Menschen in England und Frankreich waren 1939 gegen einen Krieg in Europa. Und was hat es ihnen zum Schluß eingebracht? Verrückte muss man bekämpfen. Und zwar selbst und vor Ort!
3. Das
amidelis 30.08.2014
Ist schlimmer als Sarajevo
4. wenn ein Aufschrei und Protest
against_all_odds 30.08.2014
gegen diese Barbaren, "imslamophob" ist, bin ich's gern und stehe voll dahinter!
5. Vierhundert Jahre
deltametro2 30.08.2014
hat es uns gekostet die Christen in ihre Schranken zu weisen, und jetzt kommen diese. Man muss sie in die Steinzeit zurückbomben bevor sie gefährlich werden.
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Jesiden-Vertreter im Irak: "Die Dschihadisten wollen uns ausrotten"

Die Minderheit der Jesiden
Wo leben die Jesiden?
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Die Jesiden stammen aus dem Irak, aus Syrien, Iran und der Türkei. Sie leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen Verfolgungen, Diskriminierungen oder Anfeindungen in ihren Heimatländern sind viele ins Ausland geflohen.
Wie viele Jesiden gibt es?
Genaue Angaben zur Zahl der Jesiden weltweit gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhängern.
Wie groß ist die Gemeinde in Deutschland?
Die Zahlen variieren auch in Deutschland - von um die 50.000 bis zu 120.000 Jesiden. Sie leben überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hat seinen Sitz in Oldenburg, in Hannover gibt es eine Jesidische Akademie.
Woran glauben die Jesiden?
Ihr Glauben enthält Elemente anderer Religione wie der Zoroastrier, Juden, Christen und Muslime. Die Jesiden glauben an einen Gott und verehren sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Dieser wird im Christentum und im Islam als "gefallener Engel" oder Teufel angesehen, weil er sich nicht vor Adam verbeugen wollte. Aus Sicht der Jesiden bestand der Engel aber mit seinem Verhalten eine Prüfung seines Glaubens zu Gott. Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen.
Wo befindet sich ihr wichtigster heilige Ort?
Er liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren. Jedes Jahr im Herbst kommen Zehntausende Menschen zu einer Wallfahrt in das Tal.

Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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