Tote Peschmerga "Islamischer Staat" steigt in Drohnen-Krieg ein

Drohnen sind fester Bestandteil des Anti-Terrorkriegs der USA. Doch auch Terroristen setzen sie immer häufiger ein. Nun hat der IS erstmals mit einer Drohne mit Sprengsatz Peschmerga-Kämpfer getötet.

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Es erinnert an den Mythos des Trojanischen Pferds: Eine Drohne der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kracht in der Nähe von Peschmerga-Kämpfern im Nordirak auf den Boden, sie bringen sie in ihr Camp - wenig später explodiert das Fluggerät dort. Zwei kurdische Kämpfer sterben, weitere Menschen werden verletzt, darunter zwei französische Soldaten.

So schildert der Sprecher der Koalitionstruppen im Irak, US-Oberstleutnant John Dorrian, den Vorfall, der sich bereits am 2. Oktober im Norden der IS-Hochburg Mossul abspielte und erst nun bekannt wurde. Andere Quellen berichten, die Drohne sei abgeschossen worden und beim Aufprall explodiert. Unklar ist auch, ob die Bombe mit einem Zeitzünder ausgestattet war.

Fest steht aber: Der IS hat eine handelsübliche Drohne mit einem Sprengsatz versehen und damit Peschmerga angegriffen. Die Drohne habe wie ein Styropor-Flugzeug ausgehen, sagt ein anderer US-Funktionär.

IS-Videos weisen auf Drohnen hin

Drohnen sind im Krieg in Irak und Syrien nicht unüblich. Sie sind jedoch vor allem ein fester Bestandteil im Kampf der USA gegen den Terror. Das US-Militär fliegt damit gezielte Angriffe auf Terroristen nicht nur in diesen Ländern, sondern auch im Jemen, Pakistan und Afghanistan und brüstet sich immer wieder mit militärischen Erfolgen.

Auch der IS veröffentlichte in der Vergangenheit Videos, die darauf hindeuten, dass die Terrormiliz Drohnen besitzt. Bislang nutzten die Islamisten die unbemannten Fluggeräte aber vor allem, um Aufnahmen für Propagandazwecke zu machen. Laut "New York Times" sollen die Fluggeräte seit Beginn des Jahres vermehrt im Kampf eingesetzt worden sein, zum Beispiel, um gegnerische Gebiete auszuspähen.

Demnach berichten Soldaten seit dem Sommer vermehrt von Drohnen in der Nähe von Stützpunkten und an der Frontlinie. Im Juli veröffentlichten die "Syrischen Demokratischen Kräfte" auf Twitter ein Bild, dass eine mit Sprengsätzen beladene Drohne des IS zeigen soll.

Drohnen sind leicht zu bekommen

Bislang ist der IS seinen Gegnern in der Luft unterlegen. Zwar sollen den Terroristen im Irak auch zwei Flugzeuge und Hubschrauber der irakischen Armee erbeutet haben. Doch vermutlich fehlen ihnen Piloten sowie fachkundiges Bodenpersonal und Techniker, um sie zu nutzen.

Drohnen hingegen sind einfacher zu bedienen - und es ist es nicht schwer, an sie heranzukommen. Im Gegenteil: Die Geräte sind im Handel freiverkäuflich, einige der genutzten Exemplare können zum Beispiel auf Amazon bestellt werden, sagt Dorrian. "Die Technik ist nicht sonderlich komplex."

Militäranalysten gehen davon aus, dass Drohnen in Irak, Syrien und anderswo ein Problem bleiben. In einem noch unveröffentlichten Bericht, der der "New York Times" vorliegt, warnt das "Combating Terrorism Center" in West Point davor, dass die von Terroristen genutzten handelsüblichen Drohnen in Zukunft mehr Ladung über weitere Strecken transportieren können. Künftig könnten mehr und höher entwickelte Drohnen den Spielraum der Terroristen erweitern und die Gefahr erhöhen, zitiert die Zeitung den Direktor des Zentrums, Don Rassler.

Im Pentagon ist diese Gefahr schon länger bekannt. Erst im Juli beantragte die Behörde 20 Millionen Dollar vom Kongress für den Kampf gegen IS-Drohnen. Es ist nicht nur das Risiko von Drohnenangriffen in Kriegsgebieten wie Irak oder Syrien, das das Pentagon und andere Sicherheitsbehörden auf den Plan ruft.

Handelsübliche Drohnen könnten - versehen mit kleinen Sprengsätzen - auch für Terrorangriffe in Europa, den USA oder anderswo genutzt werden. Das deutsche Bundeskriminalamt hält Drohnenangriffe beispielsweise auf Fußballstadien oder Massenveranstaltungen für möglich. Die Behörde hat deshalb nach eigenen Angaben eine Stelle eingerichtet, um den Markt für Drohnenabwehrsysteme zu beobachten und "Erkenntnisse der Länder und des Bundes zur Detektion und Abwehr von Drohnen zu bündeln".

Mit Material von Reuters und AP



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mhpr262 13.10.2016
1. Seltsames Foto
Ich bin selbst seit vielen Jahren Modellflieger, und das abgebildete Flugzeug hätte sich mit abgebildeten Ladung an Handgranaten ganz sicher nicht in der Luft gehalten. Schwer zu sagen wie groß der Flieger wirklich ist, aber mehr als eins oder höchstens zwei dieser Dinger hätte er nicht getragen. Allerdings ist das ja zum Terrorisieren der Gegner auch mehr als ausreichend.
sonntag500 13.10.2016
2. Eie sagte scho meine Mutter:
"Wie es in den Wald hinein schallt, schallt es auch daraus" Der IS mag zwar in seinen Ansichten im Mittelalter verhaftet, aber warum sollten sie nicht technisch auf dem Laufenden sein? Nun schlagen sie mit den Waffen zurück, hinter denen sich die Amerikaner verstecken, um uns weiß zu machen, ein Drohnenangriff sei etwas chirurgisches.
wolle0601 13.10.2016
3. So schwer solltes nicht sein
Drohnen sind auf Funkverbindungen angewiesen. An sich sollten sie dafür auch senden müssen, womit sie anmessbar sind. Für kommerzielle Produkte kann man dafür und für die Steuerung Standards festsetzen. Somit lassen sich elektronische Zäune um Gebiete ziehen, wo ma n keine Drohnen haben will.Was von diesem Standard abweicht kann dann wieder identifiziert und abgeschossen werden - vonanderen Drohnen, die das Sendesignal suchen zum Beispiel. Oder von Lasern. Schätze, um so ein kleines Ding zu erwischen braucht es nicht viel.
exil-teutone 13.10.2016
4.
... sang eine südwestdeutsche Blödelband. Wer davon überrascht ist, ist entweder fahrlässig uninformiert, oder grenzenlos naiv - auch wenn die Drohne eher wie ein Teenie-Hack aussieht, scheint sie offenbar genau das erreicht zu haben, was sie sollte - ein günstiges Einwegvehikel das wohl nur mit Hilfe von Sichtkontakt zu bekämpfen ist (für Radar ist es wohl zu klein).
coldwarrior 13.10.2016
5. Drohnen von Amazon?
Was haben die für eine Zuladekapazität? Reicht das um Handgranaten zu transportieren? Meine Drohne fliegt vielleicht 15min mit höchstens ein paar Gramm an den Kufen. Das ist doch Spielzeug bei Amazon! Es längst natürlich um psychologisch zu wirken. Aber wenn man es erstmal weiß ,schießt man die eben gleich ab,finde ich. Viel schlimmer finde ich,daß,auch im Spiegel, aus jeder IS Mücke ein Elefant wird. Wann reduziert man diese Typen auf das was sie sind; kleingeistige Hirnis
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