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IS-Kämpfer aus Deutschland: Maurice, 15, Dschihadist aus Hessen

Sie sind jung, fanatisch und wollen Ungläubigen den Kopf abschneiden: Rachid und Maurice aus Hessen. Sie machen sich auf den Weg nach Syrien und wollen sich dort den IS-Terroristen anschließen. Was sie denken, zeigt ein SPIEGEL-TV-Beitrag.

Hamburg - Als Rachid und Maurice in einem hellgrün getünchten, schmucklosen Raum auf dem Boden sitzen und davon erzählen, wie sie den Ungläubigen die Kehle durchschneiden werden, glauben sie noch, es geschafft zu haben. Die beiden Deutschen aus Hessen haben einen langen Weg hinter sich, wurden von Schleusern über die türkische Stadt Gaziantep nach Syrien gebracht. Dort wollten sie sich den Truppen des "Islamischen Staats" (IS) anschließen und für einen islamischen Gottesstaat im Namen Allahs kämpfen. Doch statt beim IS landen die beiden im Juni dieses Jahres - was sie aber nicht ahnen - bei Kämpfern der "Freien Syrischen Armee".

Die Syrer, erbitterte Gegner der Dschihadisten, befragen die beiden Hessen, eine Videokamera läuft mit. Das Material, das SPIEGEL TV exklusiv vorliegt, gibt einen seltenen Einblick in die Gedankenwelt deutscher Nachwuchsdschihadisten. Maurice, ein untersetzter dicklicher Junge, redet als Erster. "Ich bin 15 Jahre alt. Vor einem Jahr war ich noch Christ, dann habe ich 'Gott sei gepriesen' ein Geschenk bekommen." Er meint damit, dass er zum Islam konvertierte. Dann prahlt Maurice damit, dass er Großes vorhat: "Jetzt will ich hier Dschihad machen. Auf dem Wege Allahs!" Der Deutschtürke, schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, lächelt unsicher. Sein Arabisch ist mehr als holprig.

Auch der 22-jährige Rachid, ein Deutschmarokkaner, redet ganz offen über seine Absichten, glaubt doch auch er, sie würden von IS-Kämpfern befragt. "Ich komme aus Wiesbaden von der Mechid-Moschee in Kostheim." Dann bedankt er sich bei den bewaffneten Kämpfern, die sie von den Schleusern übernommen und hierhergebracht haben. "Sie haben uns wie Brüder behandelt."

"Wir töten alle Ungläubigen"

Zur Bekräftigung hebt er die rechte Hand, macht mit dem Zeigefinger das Zeichen der Salafisten. Und damit ganz klar ist, was sie ab sofort beim IS wollen, bekräftigt Rachid: "Wir töten Schiiten, Alawiten, alle Kuffar." Mit der Hand fährt er sich über den Hals, zeigt, wie er den Kuffar, den Ungläubigen, den Kopf abschneiden will. Maurice, obwohl fast noch ein Kind, will da nicht nachstehen. Auf die Frage, ob er bereit sei zu töten, nickt der Junge. "Bereit. Ja, wenn es Kuffar sind."

Hilfe auf ihrem Weg nach Syrien, so erzählen die beiden, bekamen sie von einem gewissen Saifullah al-Almani. Übersetzt bedeutet sein Name "Schwert Gottes aus Deutschland". Saifullah scheint eine der zentralen Figuren im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu sein, wenn es darum geht, Nachwuchskämpfer zum IS zu schleusen. Nachdem ein SPIEGEL-TV-Reporter auf seinem Askfm-Profil Fragen zu den beiden Nachwuchs-Dschihadisten stellte, meldet Saifullah seinen Account ab.

Mehr zu Rachid und Maurice erfahren Sie an diesem Sonntag um 22.35 Uhr in einer Schwerpunktsendung bei SPIEGEL TV auf RTL. Titel der Dokumentation "IS - Terror im Namen Allahs". Reporter des Magazins waren in London auf den Spuren von "Jihadi-John", dem Henker des IS. Sie befragten IS-Kämpfer, die von kurdischen Peschmerga gefangen genommen wurden und interviewten die Chefs von BKA und Verfassungsschutz zur Situation in Deutschland. Außerdem berichtet der Journalist Yosef Abobaker erstmals im deutschen Fernsehen von seinen letzten Stunden mit der amerikanischen Geisel Steven Sotloff. Sotloff war von IS-Kämpfern ermordet worden.

SPIEGEL TV, Sonntag, 22:35, RTL

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insgesamt 268 Beiträge
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1. Politik und Presse mitschuldig
halsbeißer 21.09.2014
Wenn er des Köpfeabschneidens dann müde werden sollte und keine Lust mehr hat oder eine Sinnkrise bekommt, kann er sich immerhin auf die Wiedereingliederungsprogramme unseres Innenministers de Maizière verlassen. Dieser Eindruck wird jedenfalls durch eben jenen und die Presse vermittelt, anstatt potenziellen Dschihad-Reisenden klar zu machen, welche Konsequenzen sie damit besiegeln. Wir haben es doch auch schon hier in den Kommentaren explizit gelesen, wie davon ausgegangen wird, dass im Ausland begangene Terroraktivitäten hier später nicht verfolgt werden, weil sie sich nicht gegen Deutschland richteten. Damit machen sich Politik und Presse mitschuldig am florierenden Dschihad-Tourismus.
2. Wieso werden solche Leute
thkarlau 21.09.2014
Deutsche genannt? Weil sie hier geboren wurden etwa? Ist mein Sohn denn auch Chinese, wenn der in China geboren würde? Oder Afrikaner, wenn der in Kenia oder Tansania geboren wird? Ich finde es wirklich merkwürdig, wie hier mit offensichtlich anderen Ethnien umgegangen wird. Da wird in vorauseilendem Gehorsam jeder Deutscher genannt, nur weil er auf deutschem Boden zur Welt gekommen ist. Man mag die deutsche Staatsbürgerschaft haben, aber Deutscher im ethnischen Sinne ist man damit noch lange nicht. Andererseits wird auch ein Staatenloser nie seine Herkunft verlieren, er bleibt immer seiner Ethnie zugehörig. Also schreibt besser von deutschen Staatsbürgern oder Deutschtürke, Deutschmarrokaner usw., das ist einfach ehrlicher. Sonst könnte man fast glauben, Deutsche ziehen in den Krieg gegen die Ungläubigen.
3.
juyagar2012 21.09.2014
Den Ungläubign den Kopf abschneiden aha. Und warum so ein langen Weg nach Syrien und Irak? Hier in Deutschland bist Du doch umgeben von Christen, oder? Aha in Syrien ist es doch so einfach und dabei kannst sogar Geld damit verdienen oder? Frauen und Kinder tören, weil sie sich nicht wehren, DAS ist der Grund, nicht wahr? So ein Kick hast du nicht bei deinem perversen Killer-Videogames!. In einem Rechtstaat würdest Du entweder hinter Gittern oder in einem Irrenanstalt landen.
4. Ich hoffe nur,
sorrento48 21.09.2014
dass diese gemeingefährlichen und an Beschränktheit nicht mehr zu übertreffenden Vollidioten von ihrem "Gott" daran gehindert werden, auch nur ein einziges der von ihnen geplanten Verbrechen zu begehen. Im Luftraum über Syrien und dem Nordirak sind mittlerweile glücklicherweise so einige Wirkmittel unterwegs, die einen Beitrag dazu leisten könnten.
5. Der islamische Staat unter Kalif Abu Bakr Al Baghdadi ueber eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus WELTWEIT!
Beat Adler 21.09.2014
Der islamische Staat unter Kalif Abu Bakr Al Baghdadi ueber eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus WELTWEIT! Obwohl meiner Schaetzung nach weniger wie 5 % aller Muslime weltweit den Islamischen Staat unterstuetzen, sind das doch ein Volumen von ca. 30 Millionen Maennern im Kampfalter. Wenn nur jeder Zehnte so reagiert, wie die beiden Buben aus Deutschland, dann steht der Rest der Welt einer Armee von 3 Millionen, zu allem bereiten, Maennern gegenueber. Dazu Zita aus: http://www.nzz.ch/feuilleton/toeten-im-namen-allahs-1.18378020 Die Barmherzigkeit Allahs gilt nur den Bekehrten, gegen die Ungläubigen befiehlt er, mit dem Schwert vorzugehen. Darin gründet die theologische Not muslimischer Intellektueller: Sie können aufgrund ihrer religiösen Tradition den IS-Terror nicht prinzipiell verurteilen. Zitatende Es lohnt sich den NZZ Beitrag zu lesen. mfG Beat
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