Umstrittenes Video FDP-Politiker blamiert sich mit Frontbesuch

Wie kann man auf den Terror des "Islamischen Staats" reagieren? Mit Granaten, findet FDP-Politiker Tobias Huch - und verbreitet im Netz ein umstrittenes Video von seinem Irak-Besuch.

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Hamburg - Auf der schusssicheren Weste von Tobias Huch prangt ein schwarz-rot-goldener Aufnäher, über der schwarzen Hornbrille sitzt ein olivgrüner Armeehelm. Der FDP-Politiker lächelt in die Kamera und sagt: "Jetzt zeig' ich Euch, wie man seriös ein Interview mit Isis führt. Stellen wir ihnen einfach die Frage, ob das, was sie veranstalten, wirklich der Islam sei."

So beginnt ein Video, das Huch am Mittwoch auf Facebook postete, Titel: "Interview mit Isis an der Front bei Shingal". Die Stadt, deren arabischer Name Sindschar lautet, liegt im Nordirak. Dort hat Huch nach eigenen Angaben eine Woche lang Hilfsgüter verteilt. Dabei besuchte er auch kurdische Peschmerga, die dort gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat", kurz IS oder Isis, kämpfen. Wer allerdings tatsächlich ein Gespräch Huchs mit Dschihadisten erwartet, wird in dem Video enttäuscht.

Stattdessen schreibt Huch etwa in der Mitte des knapp 50-sekündigen Films die vermeintliche Interview-Frage mit einem Stift auf die Spitze eines Geschosses - offenbar eine Granate. Danach wendet sich der 33-Jährige wieder an die Zuschauer: "Wir werden's ihnen in den nächsten Tagen zustellen - mal schauen, wie die Antwort ist." Dann lächelt der FDP-Politiker noch einmal in die Kamera, hebt grinsend den Daumen, Blende, Schluss.

"Eigentlich war das eine PR-Show"

Man könnte das Video als fragwürdige PR-Aktion eines unbekannten Freidemokraten abtun. Das will Huch aber nicht gelten lassen. Der Mann sitzt im Vorstand der Jungen Liberalen in Rheinland-Pfalz und bezeichnet sich selbst in seinem Twitterprofil als "Quartalsirrer".

"Die in dem Video zu sehende Geste ist eine sehr alte militärische Tradition", erläuterte Huch seine Aktion auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Eine Nachricht auf einem Geschoss stärke die "Moral der Kämpfer", und: "Wir sollten nicht vergessen, dass die Kurdischen Kämpfer, egal ob Peshmerga oder YPG, an den Isis-Fronten unsere Freiheit verteidigen." Das Video trage die Botschaft, "dass wir auf den Isis-Krieg auch Antworten wissen".

Auf Facebook kommt Huchs Begründung nicht ganz so tiefsinnig daher, dort schreibt er salopp: "So stellt man seriös Fragen an die Terroristen und veranstaltet keine PR-Show für Isis." Damit bezieht er sich auf ein Interview des ehemaligen CDU-Politikers Jürgen Todenhöfer, der einem deutschen IS-Kämpfer kürzlich Sätze wie "Stecht sie ab mit dem Messer" entlockt hatte. In seinem eigenen Film sagt Huch dazu: "Man kann's nicht Interview nennen, eigentlich war das eine PR-Show und er war der Presseoffizier."

Der Film des Liberalen kommt bei den Usern nicht sonderlich gut an. Etliche Kommentare unter seinem Facebook-Post und auf Twitter fallen negativ aus - wobei Reaktionen wie diese hier noch zu den harmlosen Beiträgen zählen: "Das ist nicht seriös, nicht einmal satirisch, das ist zynisch."



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
harry_klein 22.01.2015
1. Ach herrjeh,...
.. der Tobias Huch, die Seriosität in Person. Erst hat er sich als "Erotikunternehmer" und Promotor eines "Altersverifikationssystems" für Internet-Pornos einen Namen gemacht. Jetzt lässt er Munition mit pornografischem Blick filmen. Solche Leute braucht die FDP bei ihrer Suche nach neuem Profil unbedingt. Weiter so!
erasmus89 22.01.2015
2. Was soll man zu so einer Gestalt
noch sagen? Typisch eben FDP. Intellektuell ganz unten, aber stets sich anbiedern. Was der Mann wohl nicht weiß, die Peshmerga weisen Mafia-ähnliche Strukturen auf, die ARD berichtete über ethnische Säuberungen im Nordirak gegen sunnitische Araber, zudem soll es Foltergefängnisse in Erbil geben. Die Peshmergas sind keine Armee, sondern Milizen, die ebenfalls erhebliche Menschenrechtsverletzungen begehen. Geht das denn schon wieder los wie in Syrien, wo angebliche Freiheitskämpfer wieder völlig blind geframed werden, um im Nachhinein wieder überrascht zu werden. Ich wette, dass wir in einem oder zwei Jahren einen Krieg zwischen irakischer Armee und Kurden sehen werden, weil es dem Westen natürlich nicht schnell genug gehen konnte, die Peshmerga zu bewaffnen.
promoexxl 22.01.2015
3.
Wo soll hier das Problem sein? Jeder normal denkende Mensch weiß, dass Dialog mit diesen Leuten unnütz ist, also kann man seine "Interviewfrage" auch auf eine Granate/Geschoss klatschen. Dass Leute meinen, dass das weder seriös noch satirisch, sondern zynisch sei... Tja who cares? Krieg hat im Regelfall nichts humoristisches/satirisches oder seriöses. Ich persönlich find die Aktion sogar nicht einmal unlustig und die Message ist relativ klar. Über Geschmack lässt sich bekanntlich ja auch (nicht) streiten aber Hauptsache die Empörungs- und Betroffenheitsmaschinerie läuft wieder an.
Zaunsfeld 22.01.2015
4.
Also echt mal ... wen interessiert dieser Clown? Die FDP ist am Ende und solche aufmerksamkeitsgeilen Typen wie er sind nur die letzten Zuckungen, bevor die Partei ganz in den Erinnerungen der Geschichte verschwindet. Die seriösen Leute haben die FDP doch schon vor 20 Jahren verlassen. Jetzt sind halt nur die drittklassigen Selbstbeweihräucherer, Nichtskönner, Nichtswisser und Nichtstuer zurückgeblieben. Spätestens nach der nächsten Bundestagswahl, wenn die FDP wieder die 5% reißt und zuvor schon aus den restlichen Landtagen geflogen ist, wird man sich an die FDP nur noch in der Weise erinnern, wie man sich an einen alten Nachbarshund erinnert, den man als Kind schon nicht leidern konnte und an den man sich nur erinnert, wenn man zu Familienfeiern zufällig mal wieder über die eigene Kindheit spricht.
hikaru 22.01.2015
5.
Ich finde das gut, was er da gemacht hat. Es bringt es mehr auf den Punkt als das meiste heuchlerische Gefasel.
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