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Kampf gegen den "Islamischen Staat": US-Spezialkräfte bekämpfen Dschihadisten im Irak

Fotostrecke: US-Spezialkräfte im Irak Fotos
AP

Im Irak gehen seit Kurzem US-Bodentruppen gegen den "Islamischen Staat" vor. Nun sind ihnen gleich zwei Schläge gegen den IS gelungen. Rechtlich operieren sie in einer Grauzone.

Zwei Meldungen aus dem Irak lassen diese Woche aufhorchen: Tarkhan Batiraschwili, der als wichtiger Militärchef des "Islamischen Staates" gilt, wurde offenbar bei einem US-Luftangriff getroffen und schwer verletzt. Dies berichteten sowohl die US-Regierung als auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, eine Nichtregierungsorganisation mit Informanten-Netzwerk in Syrien.

Zuvor war es den USA offenbar gelungen, ein führendes IS-Mitglied im Irak festzunehmen und zu verhören. Diese Hinweise hätten zum Luftschlag auf Omar al-Schischani geführt, berichteten US-Medien unter Berufung auf ungenannte hochrangige Beamte im Pentagon. Offiziell bestätigen wollte Washington diese Darstellung nicht.

Die beiden Berichte belegen den Einsatz der US-Spezialkräfte, die seit Kurzem im Irak stationiert sind. Im Dezember hatte Verteidigungsminister Ashton Carter diese neue Mission angekündigt. Doch nur wenig ist über sie bekannt, obwohl es der größte US-Bodentruppen-Einsatz im Irak ist, seitdem die USA ihre Soldaten Ende 2011 aus dem Land abzogen.

Rund 200 US-Spezialkräfte sollen inzwischen im Irak sein

Es ist nicht einmal bekannt, wie viele US-Bodenstreitkräfte derzeit im Irak im Einsatz sind. Carter verriet im Dezember nur so viel: "mehr als 50". Nach Berichten von US-Medien sollen in den vergangenen Wochen rund 200 Spezialkräfte im Irak eingetroffen sein. Außer ihnen sind derzeit rund 3300 US-Soldaten als Militärausbilder im Einsatz.

Nach Berichten von US-Medien soll es sich bei den nun in den Irak verlegten Soldaten größtenteils um Mitglieder der Delta-Spezialeinheit handeln. Dies läge nahe, denn diese Truppe ist auf Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung spezialisiert.

Carter hatte angekündigt, die US-Bodentruppen im Irak sollten IS-Anführer ergreifen, Geiseln befreien und geheimdienstliche Erkenntnisse sammeln in Zusammenarbeit mit irakisch-kurdischen und irakischen Sicherheitskräften.

Wie genau die US-Spezialeinheiten im Irak vorgehen, ist nicht bekannt. In der Vergangenheit hatte der Umgang der USA mit Terrorverdächtigen im Irak für Skandale wie die Folterungen im Gefängnis Abu Ghuraib gesorgt.

Unklar ist, was die USA mit Kriegsgefangenen machen wollen

Bisher haben die US-Spezialeinheiten erst eine Person festgenommen, den kürzlich ergriffenen IS-Anführer. Doch je länger die Mission dauert, desto größer dürfte die Zahl der Gefangenen werden und desto drängender die Frage nach dem Umgang mit ihnen.

Nach Berichten von US-Medien wird der Gefangene derzeit in der irakisch-kurdischen Stadt Arbil von den US-Spezialeinheiten festgehalten und befragt. Namentlich ungenannte Pentagon-Beamte sagten der "New York Times", sie hätten das Internationale Rote Kreuz darüber informiert, dass sie ein IS-Mitglied dort festhielten. Ob die US-Regierung dem Roten Kreuz Zugang zu dem Gefangenen erlaubt, um zu überprüfen, ob die Rechte von Kriegsgefangenen eingehalten werden, ist nicht bekannt.

Die US-Regierung möchte unbedingt vermeiden, weitere ausländische Terroristen dauerhaft zu inhaftieren. Präsident Barack Obama will das Militärgefängnis von Guantánamo, wo derzeit noch mehrere Dutzend Menschen inhaftiert sind, vor Ende seiner Amtszeit schließen.

Vorbild könnte nun der Umgang mit der 26-jährigen Irakerin Nasrin Asad Ibrahim sein, besser bekannt unter ihrem Kampfnamen "Umm Sayyaf". Sie wurde im vergangenen Jahr von US-Spezialkräften festgenommen, drei Monate lang verhört und anschließend den irakisch-kurdischen Behörden in Arbil übergeben. Dort soll ihr nun der Prozess gemacht werden.

ras

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