Anti-IS-Mission USA fordern Einsatz von Nato-Flugzeugen

Die USA verlangen von der Nato mehr Unterstützung beim Kampf gegen den IS. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE drängen sie erneut auf den Einsatz von Awacs-Jets. Doch der Widerstand ist groß.

Awacs-Flugzeuge der Nato (in Geilenkirchen)
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Awacs-Flugzeuge der Nato (in Geilenkirchen)

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Die USA bedrängen die Nato, sich in den Krieg gegen den "Islamischen Staat" (IS) einzuschalten. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE forderten US-Diplomaten im Brüsseler Hauptquartier in den vergangenen Tagen, dass möglichst bald Awacs-Flugzeuge (Airborne Early Warning and Control System) der Allianz die Luftangriffe gegen Stellungen des IS in Syrien und Irak unterstützen sollen. Damit würde sich die Nato erstmals direkt an dem Luftkrieg beteiligen.

Die Maschinen mit den Radar-Pilzen auf dem Rücken könnten als fliegende Kommandozentralen eingesetzt werden und die Operationen der Kampfjets einer Militärkoalition aus verschiedenen Ländern steuern. Wenn sich die Nato für einen Einsatz entscheidet, würden auch Bundeswehrsoldaten mitfliegen. Die Truppe stellt rund ein Drittel der Awacs-Besatzungen, die 16 Flugzeuge sind in Geilenkirchen stationiert.

Die Forderung der USA ist der zweite Anlauf für eine direkte Beteiligung der Allianz am Krieg gegen den IS. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Washington ähnliche Wünsche innerhalb der Nato zur Sprache gebracht. Damals allerdings einigten sich die Nato-Partner lediglich darauf, die USA an anderen Schauplätzen mit Radar-Fliegern zu unterstützen und so beim Einsatz über Syrien zu entlasten. Militärs sprechen dabei von "backfilling".

Den USA geht diese Zusage nicht weit genug. Beim Besuch von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in den USA machte Barack Obama Anfang April hinter verschlossenen Türen klar, dass ihm ein "backfilling" nicht reicht. Vielmehr würden die Awacs über Syrien und dem Irak gebraucht. Nato-Diplomaten bestätigten, das Thema sei in Brüssel "wieder auf dem Tisch". Vor dem nächsten Nato-Ministertreffen Mitte Mai müsse entschieden werden.

Die Forderung aus den USA dürfte auch auf der Agenda des Treffens von mehreren Verteidigungsministern am Mittwoch in Stuttgart stehen. Pentagon-Chef Ashton Carter reist aus Washington an, um weitere Schritte im Kampf gegen den IS zu besprechen. Außer Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen werden Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Holland, Kanada, Spanien, Neuseeland, Australien und Dänemark erwartet.

Die Bundesregierung sieht einen Awacs-Einsatz kritisch

Obama hatte bereits bei seinem Besuch in Hannover Ende April mehr militärische Beiträge der Nato-Partner bei den Luftschlägen eingefordert. Zwar beteiligen sich fast alle Staaten der Allianz an der internationalen Koalition gegen den IS. Bisher aber hielt sich die Nato selbst zurück.

Gerade die Bundesregierung sieht einen Awacs-Einsatz, der bei einer Beteiligung von Bundeswehrsoldaten durch ein neues Bundestagsmandat legitimiert werden müsste, kritisch. Bei der Nato verweisen die deutschen Diplomaten stets auf den laufenden Beitrag der deutschen Luftwaffensoldaten, die mit ihren "Tornado"-Jets hochauflösende Bilder über Syrien und dem Irak schießen und so die Aufklärung für neue Angriffe unterstützen.

Innerhalb der Nato hält sich die Zustimmung zu einer Beteiligung der Allianz in Grenzen. Politisch sehen viele Staaten ein Engagement eher kritisch, da es eine weitere Provokation gegen Russland darstellen und zudem arabische Partner aus der "Koalition der Willigen" abschrecken könnte. Zudem fürchtet man, dass die Nato durch eine solche Mission automatisch auch in mögliche Pläne für eine spätere Bodenmission hineingezogen würde.

Rein technisch wären die Awacs-Flieger für die Koalition gegen den IS durchaus eine Hilfe. Statt vom Hauptquartier in Kuwait könnten die Mannschaften das Geschehen in der Luft und am Boden direkt beobachten und auch die Koordination zwischen der von den USA angeführten Koalition und Russland bei Luftangriffen verbessern.

In Deutschland sieht vor allem die SPD den Awacs-Einsatz als problematisch, die Radar-Flieger sind seit Jahren ein Politikum. Folglich ist auch von der Leyen vorsichtig. Als der ranghöchste deutsche Nato-Offizier Hans-Lothar Domröse vor einigen Monaten eine Beteiligung der Jets vorsichtig als militärisch sinnvoll einordnete, bekam er umgehend eine Abmahnung aus ihrem Haus.

Mittlerweile ist Domröse pensioniert. Die Wünsche der USA aber bleiben auf der Tagesordnung der Nato.


Zusammengefasst: Bisher beteiligt sich die Nato nicht direkt im Syrien-Krieg. Das würden die USA gern ändern. Sie fordern von dem Bündnis einen Einsatz der Awacs-Aufklärer über dem Krisenland. Doch bisher ist der Widerstand gegen eine solche Mission noch erheblich. In Deutschland sieht vor allem die SPD eine Entsendung der fliegenden Kommandozentralen kritisch.

insgesamt 25 Beiträge
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Theodoro911 03.05.2016
1. Das Verteidigungsbündnis NATO soll angreifen???
Wie daneben ist denn diese Forderung des Nobelpreisträgers O. Grossangriff auf ein Kalifat das auf keiner Karte zu finden ist? Da ist die Grossmacht überfordert und braucht Hilfe? Ich habe zwei Jahre gedient und sage so nicht. Bis heute waren die USA nicht in der Lage zu definieren wer der Gegner ist und wo er steht. Und sie verletzen dauernd vorsätzlich die Grenzen eines souveränen Landes mit Bomben-Aufklärungs und Nachschubflügen. Ein Fall für den Gerichtshof in Den Haag. Der Bündnisfall ist eindeutig nicht gegeben.
steviespeedy, 03.05.2016
2. Ich bin froh,
dass ich anerkannter Kriegsdienstverweigerer bin. Mich können solche Nachrichten nicht mehr aus der Ruhe bringen. Egal, welcher Kasper demnächst in Washington oder in Berlin regiert.
Reza Rosenbaum 03.05.2016
3. Asymmetrische Konflikte
Zitat von Theodoro911Wie daneben ist denn diese Forderung des Nobelpreisträgers O. Grossangriff auf ein Kalifat das auf keiner Karte zu finden ist? Da ist die Grossmacht überfordert und braucht Hilfe? Ich habe zwei Jahre gedient und sage so nicht. Bis heute waren die USA nicht in der Lage zu definieren wer der Gegner ist und wo er steht. Und sie verletzen dauernd vorsätzlich die Grenzen eines souveränen Landes mit Bomben-Aufklärungs und Nachschubflügen. Ein Fall für den Gerichtshof in Den Haag. Der Bündnisfall ist eindeutig nicht gegeben.
Wir leben im Zeitalter asymmetrischer Konflikte, ein Konzept, das sicherlich auch in Deutschland in etwa 10 - 20 Jahren verstanden sein wird. Sprechen Sie mal mit einem Franzosen oder Belgier darueber - der wird Ihnen das aus juengster Erfahrung erklaeren koennen. In einer sich schnell wandelnden Welt an alten Normen und Regeln festzuhalten ist ein grosser Fehler.
al3x4nd3r 03.05.2016
4.
"arabische Partner aus der "Koalition der Willigen" abschrecken": Soll heißen: Die arabischen Partner setzen ISIS absichtlich als Waffe ein? Was aber bombardieren sie denn in der Koalition?
stonecold 03.05.2016
5.
Zitat von Reza RosenbaumWir leben im Zeitalter asymmetrischer Konflikte, ein Konzept, das sicherlich auch in Deutschland in etwa 10 - 20 Jahren verstanden sein wird. Sprechen Sie mal mit einem Franzosen oder Belgier darueber - der wird Ihnen das aus juengster Erfahrung erklaeren koennen. In einer sich schnell wandelnden Welt an alten Normen und Regeln festzuhalten ist ein grosser Fehler.
Die Frage ist nun, wozu in diesem asymmetrischen Kampf gegen den IS AWACS-Flugzeuge zur Luftraumüberwachung notwendig sind, vor allem, da laut Artikel bereits ein Kommandozentrum in Kuweit existiert und auch Incirlik nicht so weit weg ist....
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