US-Geheimdienstbericht IS verliert ein Fünftel seiner Kämpfer in Syrien und im Irak

Die Zahl der IS-Kämpfer in Syrien und im Irak ist seit 2014 deutlich zurückgegangen. Das berichtet das US-Präsidialamt und beruft sich auf einen Geheimdienstbericht. Darin werden auch die Gründe genannt.

IS-Flagge bei Rakka: Noch bis zu 25.000 Kämpfer in Syrien und im Irak
REUTERS

IS-Flagge bei Rakka: Noch bis zu 25.000 Kämpfer in Syrien und im Irak


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ist laut einem US-Geheimdienstbericht in Syrien und im Irak zunehmend geschwächt. Seit 2014 habe sie in beiden Ländern etwa ein Fünftel ihrer Kämpfer verloren, heißt es in dem Bericht, den das Präsidialamt nun veröffentlichte.

Demnach waren es vor zwei Jahren in beiden Ländern noch schätzungsweise 20.000 bis 31.500 IS-Kämpfer. Inzwischen gingen die USA von 19.000 bis 25.000 Mann aus, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. "Der IS hat erhebliche Verluste erlitten."

Als Gründe werden in dem Bericht demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Folgen von "internen Disziplinierungsmaßnahmen" aufgelistet. Zudem gebe es inzwischen für Ausländer größere Hindernisse, sich dem IS in Syrien anzuschließen. Hier zeigten die Maßnahmen der Staatengemeinschaft Wirkung, sagte Earnest (mehr Hintergründe über die Verluste des IS im Jahr 2015 lesen Sie hier).

Pressesprecher Earnest beim Briefing im Weißen Haus
AP

Pressesprecher Earnest beim Briefing im Weißen Haus

Es gibt allerdings auch eine Einschränkung, denn Earnest machte keine Angaben zu IS-Kämpfern in anderen Ländern. Die Islamisten aus dem Irak und Syrien könnten also auch dem Aufruf der IS-Führung gefolgt sein, in Libyen den Kampf für einen islamischen Gottesstaat aufzunehmen. In dem Bericht wurden weder Angaben zur Stärke des IS in Nordafrika noch in Südasien oder anderen Teilen des Nahen Ostens gemacht.

Die US-Schätzungen zu der Zahl der IS-Kämpfer in Libyen waren zunächst widersprüchlich: Während im Verteidigungsministerium von etwa 3000 die Rede war, sprachen andere amerikanische Regierungsvertreter von rund 5000.

Erst vor wenigen Tagen hatte der amerikanische Außenminister John Kerry erklärt, die internationale Anti-IS-Koalition werde ihren Einsatz gegen den IS in Libyen verstärken. Verteidigungsminister Ashton Carter sagte, man beobachte die Entwicklungen in dem Bürgerkriegsland sehr genau. Es sei allerdings noch keine Entscheidung über militärische Konsequenzen gefallen.

Die von den USA angeführte Koalition kämpft mit Luftangriffen gegen den IS, eine Bodenoffensive gibt es bisher nicht. Doch nach breiter Einschätzung wäre dies nötig, um die Miliz dauerhaft zu besiegen. Am Donnerstag erklärte nun Saudi-Arabien, sich an einer Bodenoffensive zu beteiligen, sollte die Koalition eine entsprechende Militäraktion starten.

Saudi-Arabien ist seit Ende 2014 Teil der Anti-IS-Koalition. Ein Sprecher des US-Außenministeriums wollte den Vorschlag nicht kommentieren. Carter sagte, man werde in der kommenden Woche in Brüssel über das Angebot diskutieren.

aar/dpa/Reuters

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