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Sankt Elias im Irak: IS sorgt mit Zerstörung von historischem Kloster für Empörung

Sankt Elias im Irak: Die Zerstörung von Sankt Elias Fotos
AP/DigitalGlobe

Das christliche Sankt-Elias-Kloster im Irak gilt als das älteste des Landes. Doch Satellitenaufnahmen zeigen: Der IS hat die heilige Stätte komplett zerstört. Die US-Regierung reagiert nun mit Empörung, der Vatikan mit Trauer. Die Uno spricht von einem Kriegsverbrechen.

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Mit Empörung - und Trauer - haben Politiker, Geistliche und Forscher auf die Zerstörung des Klosters Sankt Elias in der Nähe der irakischen Stadt Mossul reagiert. Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" haben die Stätte bereits im Jahr 2014 zerstört, doch erst jetzt sorgt der Fall international für Aufsehen. Die Nachrichtenagentur AP hat eine US-Firma damit beauftragt, Vorher-Nachher-Bilder von der Stätte zu erstellen - die Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung: Von den Mauern des rund 1400 Jahre alten Klosters ist nichts mehr zu erkennen.

Es sei bösartig und töricht gewesen, das Kloster in eine Geröllhalde zu verwandeln, sagte die Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokova. Sie nannte die Tat ein Kriegsverbrechen. Der Schritt zeige jedoch auch, "wie viel Angst die Extremisten vor der Geschichte haben": Denn je größter das Wissen um die Vergangenheit sei, desto eher könnten in der Gegenwart die scheinheiligen Begründungen der Extremisten für ihre Taten untergraben werden, sagte Bokova. "Unabhängig von ihren unbarmherzigen Verbrechen werden die Extremisten die Geschichte niemals auslöschen können."

Auch die US-Regierung verurteilt eigenen Angaben zufolge die Zerstörung von Sankt Elias durch den IS. "Sie führen weiter diese furchtbaren Taten aus, dabei wird nur umso deutlicher, wie kaputt ihre Ideologie ist", sagte Mark Toner, Sprecher des US-Außenministeriums.

"Es ist sehr traurig und dramatisch", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. "Leider werden geschätzte Stätten systematisch zerstört, die kulturellen, aber auch die religiösen und spirituellen."

"Sie haben es komplett zerstört"

Das Kloster wurde um das Jahr 590 errichtet, es galt lange als christliches Zentrum der Gegend um Mossul. Etwa 1743 ordnete ein persischer General seine Zerstörung an: Bis zu 150 Mönche weigerten sich damals, zum Islam zu konvertieren. Sie wurden hingerichtet.

Nach 2003 diente der Ort US-Truppen als Rückzugsort, erst später entdeckte ein Geistlicher unter ihnen die Bedeutung der Stätte. Es war der Beginn der Restaurierungsarbeiten.

Auf Satellitenfotos, die vor der Zerstörung aufgenommen wurden, seien 26 unterschiedliche Räume des Klosters zu erkennen gewesen, darunter eine Kapelle, sagte der US-Experte für Bildanalysen, Stephen Wood. Über die Nachher-Aufnahmen sagte er: "Bulldozer, schweres Geschütz, Vorschlaghammer und womöglich Sprengstoff haben die Wände aus Stein in ein Feld aus grauweißem Staub verwandelt. Sie haben es komplett zerstört."

Woods Angaben zufolge fand die Zerstörung zwischen dem 27. August und dem 28. September 2014 statt. Erst jetzt, mit der Veröffentlichung der Fotos, sorgt sie für Schlagzeilen. Der "Islamische Staat" hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche historische Stätten in Syrien und im Irak zerstört, darunter bedeutende Tempel in der syrischen Oasenstadt Palmyra.

Der Fall Sankt Elias sei ein weiterer Beleg für die Brutalität des IS, sagte nun US-Politiker Eliot Engel, der für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt und Mitglied im House Committee on Foreign Affairs ist. "Es macht mich krank, zu sehen, wie die IS-Terroristen Geschichte zerstören und Millionen mit dem Handel von Schätzen machen, die sie in diesen Stätten erbeuten."


Zusammengefasst: Die Terrormiliz IS hat das älteste christliche Kloster im Irak zerstört: Neue Satellitenaufnahmen zeigen, dass von dem rund 1400 Jahre alten Sankt-Elias-Kloster nichts geblieben ist. Die US-Regierung verurteilte die Tat als weiteren Beleg für die Brutalität des IS. Deutliche Kritik kam auch aus dem Vatikan und der Uno-Kulturorganisation.

aar/AP

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