Religiöser Wahn IS-Terroristen zerstören syrisches Kloster

Seit etwa 1600 Jahren hat es in dem syrischen Ort Karjatain ein Kloster gegeben. Das ist vorbei: Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hat die christliche Stätte mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht.

Der Fanatismus des IS: Bulldozer zerstören das Kloster Mar Elian

Der Fanatismus des IS: Bulldozer zerstören das Kloster Mar Elian


Die Ursprünge des Klosters Mar Elian reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück. In der syrischen Wüste gelegen, hat es Eroberer kommen und gehen sehen und allen Kriegswirren standgehalten. Den Fanatismus der islamistischen Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat das Bauwerk nur zwei Wochen heil überstanden.

Anfang August eroberte der IS die Kleinstadt Karjatain, an deren Rand das Kloster liegt. Nun sind die Terroristen mit Bulldozern angerückt und haben das Gebäude völlig zerstört. Das belegen Bilder, die von den Dschihadisten im Internet veröffentlicht wurden. Der IS begründet seine Tat damit, dass in dem Kloster neben Gott der heilige St. Elian angebetet worden sei, ein christlicher Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert. Im fundamentalistischen Weltbild des IS bedeutet das Gotteslästerung.

Das Kloster, das in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach neu errichtet oder restauriert worden ist, war eines der wichtigsten Zentren der syrisch-katholischen Kirche. Zum Fest des St. Elian pilgerten jedes Jahr am 9. September Tausende Syrer zu dem Wüstenkloster.

Kloster Mar Elian vor der Zerstörung

Kloster Mar Elian vor der Zerstörung

Doch das ist seit Ausbruch des Bürgerkriegs vorbei. Zwischenzeitlich beherbergte das Kloster bis zu 5000 Flüchtlinge, die meisten von ihnen waren Muslime. Dem Prior des Klosters, Pater Jacques Mourad, war es gelungen, für den Schutz der Menschen zu sorgen, auch weil er eng mit sunnitischen Würdenträgern zusammenarbeitete.

Im Mai wurde Pater Mourad verschleppt, vermutlich von IS-Unterstützern. Er teilt das Schicksal des Jesuitenpaters Paolo Dall'Oglio, der im nahen Kloster Mar Mussa lebte und vor knapp zwei Jahren ebenfalls entführt wurde.

Verschleppter Pater Joseph Mourad: Unklarheit über sein Schicksal
"AFP PHOTO / HO / R ZIAD / OEUVRE DORIENT

Verschleppter Pater Joseph Mourad: Unklarheit über sein Schicksal

Nachdem der IS Karjatain Anfang August eingenommen hatte, verschleppten die Dschihadisten laut Augenzeugen 230 Menschen aus dem Ort, darunter zahlreiche christliche Familien. 48 von ihnen seien inzwischen freigelassen worden, 110 habe der IS in seine inoffizielle Hauptstadt Rakka verschleppt, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte unter Berufung auf Quellen vor Ort. Das Schicksal der übrigen gut 70 Menschen ist ungewiss.

syd/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.