Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

IS-Zerstörungen im Irak: "Politik der verbrannten Erde"

Von

Dschihadisten im Museum von Mossul: IS-Anhänger zertrümmern Statuen Zur Großansicht
DPA/ Islamischer Staat

Dschihadisten im Museum von Mossul: IS-Anhänger zertrümmern Statuen

Jetzt soll es auch die Ruinen von Hatra getroffen haben: IS-Milizen zerstören Iraks Kulturschätze. Die Unesco ist besorgt - sie rechnet mit weiteren Verwüstungen.

Mossul, Ninive, Nimrud und nun womöglich auch Hatra: Der "Islamische Staat" (IS) verwüstet Iraks archäologische Stätten. "Wir befürchten, dass es in den nächsten Tagen und Wochen so weitergeht", sagt Axel Plathe, 58, Leiter des Unesco-Büros im Irak. "Der IS steht derzeit unter Druck im Irak", erläutert der Mitarbeiter der Kulturorganisation. "Das scheint eine Art Politik der verbrannten Erde zu sein."

Ninive und Nimrud waren einst Hauptstädte der Assyrer, mit riesigen, Jahrtausende alten Palastanlagen. Die Architektur der Ruinen von Hatra vereint römische, hellenische, arabische und persische Einflüsse.

Seit fast einem Jahr hat der IS das Gebiet unter seiner Kontrolle. Gleich nach ihrem Einmarsch in Mossul im Juli 2014 zerstörten die Dschihadisten dort eine Jahrhunderte alte Moschee mit dem Grab des Propheten Jona. Doch erst jetzt scheinen die Dschihadisten dem kulturellen Reichtum des Irak systematisch den Krieg erklärt zu haben.

Fotostrecke

8  Bilder
Fotostrecke: Sorge um die Ruinen von Nimrud
Denn Anfang des Monats hatte die bisher größte irakische Offensive gegen den IS begonnen: Mit iranischer Unterstützung soll zuerst die Stadt Tikrit zurückerobert werden, danach Mossul. Im Nordirak hatten kurdische Einheiten im Februar über 15.000 Quadratkilometer zurückerobert und rücken jetzt weiter vor. Die internationale Koalition fliegt zudem weiter Angriffe.

Vor allem die assyrischen Ruinen befinden sich in Gebieten, die der IS noch kontrolliert. Drei von Iraks vier Weltkulturerbe-Stätten sind dadurch bedroht. "Die Gefahr ist groß, dass noch sehr viel verloren geht", sagt Axel Plathe von der Unesco. Die archäologischen Stätten seien den Dschihadisten völlig ausgeliefert: "Es gibt keinen Schutz."

"Geiselnahme des kulturellen Erbes"

Eine Einschätzung der Schäden ist schwierig, weil es in den IS-Gebieten keine eigenen Experten der Uno mehr gibt. Die irakische Regierung hat zwar noch Kontakte - doch für die ist es lebensgefährlich, Fotos der beschädigten Ruinen zu machen. Erwischt der IS sie dabei, werden sie von der Terrormiliz als Spitzel Bagdads ermordet.

Die Unesco setzt daher auf aktuelle Satellitenbilder, um sich einen Überblick zu verschaffen. "In Hatra wissen wir noch nicht genau, was zerstört worden ist. Wir haben noch keine Aufnahmen gesehen", sagt Plathe.

Der IS instrumentalisiert Iraks Kulturerbe auf zynische Weise: Einerseits behaupten die Dschihadisten, es handele sich um Götzen, die vernichtet werden müssen. "Andererseits füllen sie mit dem Verkauf von Gegenständen auf dem Schwarzmarkt ihre Kriegskasse", sagt Plathe. Wie hoch die Einnahmen des IS durch den illegalen Handel sind, ist unklar.

In Hatra habe der IS sogar mitten in den Ruinen sein Lager errichtet, berichtet der Unesco-Experte. "Wenn das stimmt, wäre dies eine Geiselnahme des kulturellen Erbes", sagt Plathe. Denn die internationale Koalition kennt die Koordinaten der archäologischen Stätten genau - sie sollen von den Luftschlägen verschont werden.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
wahe 09.03.2015
wozu noch Weltkulturerbe-Stätten ausrufen, wenn im Ernstfall keiner da ist, der sie beschützen kann.
2. Kultur- und Geschichtsverstand
grumpy53 09.03.2015
Wie kann man von Menschen, die andere köpfen, Kinder als lebende Bomben einsetzen, die nur Terror und Gewalt über andere bringen und die sich angeblich auf ihren Glauben beziehend alle anderen ausrotten wollen, Respekt vor Kunst und Kultur erwarten? In Kriegen wurden Kunst- und Kultur oft zerstört, verschleppt oder verkauft, warum sollte in diesem Fall ausgerechnet so eine extremistische Gruppe anders handeln. Es gibt immer wieder Wahnsinnige, die das Grauen toppen, um sich selbst aufzuwerten. All die Energie, die in Tod und Zerstörung und Gewalt und Unterdrückung eingebracht wird, könnte sinnhaft eingesetzt, die Welt für alle verbessern.
3. Bilderstürmer
darthmax 09.03.2015
kein neuer Vorgang bei unseren Religionisten, gab es schon bei Ägyptern, Römern , Christen, Protestanten und nun auch bei den Islamisten. Es wird immer so weitergehen, ein Glück, dass vieles in westlichen Museen gerettet ist.
4. Die
steinaug 09.03.2015
UNESCO ist also besorgt. Das wird den IS bestimmt beeindrucken.
5. Alles ist dokumentiert. Wir werden es wieder aufbauen..
Respekt voreinander 09.03.2015
Nach so vielen Morden im Nahmen ihres Götzen, ist das nur konsequent. Das gab es leider immer. Die IS- Täter hoffen, das etwas "Ewigkeit" von diesen ewigen Spuren der Menschheit auf sie abfärbt. Den Gefallen wird die Geschichte nicht tun. Betrachten wir diese Narren mit christlichem Mitgefühl. Wir sollten aber nun endlich beginnen diesem mafiösen System das Wasser (Geld) abzugraben. Darin liegt nämlich die einzige Lösung gegen den IS. Alles andere ist Augenwischerei!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia



SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: