Kampf gegen irakische Islamisten Irans Präsident Rohani bietet USA Zusammenarbeit an

Der Vormarsch der Dschihadisten im Irak könnte zu ungewohnten Allianzen führen. Irans Präsident Rohani zeigte sich zur Kooperation mit den USA bereit. Zugleich bestritt er, dass Iran bereits Truppen ins Nachbarland entsandt hat.

Irans Präsident Rohani: "Irak in jeder Weise unterstützen und beraten"
AFP

Irans Präsident Rohani: "Irak in jeder Weise unterstützen und beraten"


Teheran - Im Kampf gegen die Dschihadisten-Gruppe Isis hat Irans Präsident Hassan Rohani eine Zusammenarbeit mit den USA in Aussicht gestellt. Auf die Frage, ob eine Kooperation mit dem Erzfeind möglich sei, sagte Rohani bei einer Pressekonferenz: "Wir können darüber nachdenken, wenn wir sehen, dass die USA Terroristengruppen im Irak und anderswo konfrontieren."

Rohani bekräftigte außerdem seine Unterstützung für die irakische Regierung, die er zuvor bereits dem Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in einem Telefongespräch zugesichert hatte. Sein Land sei bereit, dem Nachbarn im Rahmen internationalen Rechts beizustehen. Der Präsident dementierte jedoch Berichte, wonach Iran bereits Truppen in den Irak entsandt hat. "Wir werden unseren Nachbarn Irak in jeder Weise unterstützen und beraten, aber eine militärische Beteiligung ist nicht angefordert worden und steht auch nicht zur Debatte", sagte er.

Zuvor hatte das "Wall Street Journal" unter Berufung auf iranische Sicherheitskreise berichtet, dass der Iran drei Bataillone der Kuds-Brigaden in den Kampf gegen Isis in den Irak geschickt habe. Die Kuds-Brigaden sind Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden.

Die sunnitischen Extremisten von Isis haben in den vergangenen Tagen große Teile des Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Die Regierung in Bagdad wird wie die in Teheran von Schiiten angeführt. Isis betrachtet die Schiiten als Ungläubige, die ohne Rücksicht bekämpft werden müssen.

Zuversicht bei Atomverhandlungen

Rohani äußerte sich auf der im staatlichen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz zudem optimistisch zum Verlauf der internationalen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Er denke, dass es möglich sei, bis zum Ablauf der Frist am 20. Juli ein umfassendes Abkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland zu schließen. Noch bestehende Meinungsverschiedenheiten ließen sich durch guten Willen und Flexibilität beilegen.

Die Verhandlungen hatten zuletzt wenig Fortschritte erkennen lassen. Der Westen verdächtigt Iran, heimlich nach Atomwaffen zu streben. Die islamische Republik weist dies zurück und besteht auf ihrem Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie.

dab/Reuters/dpa

insgesamt 126 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tolate 14.06.2014
1. Tempora mutantur
So schnell kann´s gehen.
Kurt2.1 14.06.2014
2. .
Zitat von sysopREUTERSDer Vormarsch der Dschihadisten im Irak könnte zu ungewohnten Allianzen führen. Irans Präsident Rohani zeigte sich zur Kooperation mit den USA bereit. Zugleich bestritt er, dass Iran bereits Truppen ins Nachbarland entsandt hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamisten-im-irak-irans-praesident-bietet-usa-zusammenarbeit-an-a-975160.html
Die Schiiten formieren sich gegen die Übermacht der Sunniten und ihres von Saudi-Arabien gelenkten Söldnerheeres. Bleibt zu hoffen, dass die USA das Angebot des Iran annimmt. Einerseits können sie damit vorherige Fehler ein wenig korrigieren und andererseits lässt sich so das religiös-politische Gleichgewicht in der Region wieder herstellen.
Pegu 14.06.2014
3. Truppen im Irak
Klar streitet dies der Iran ab, die Elitegarde als Unterstützung in den Irak zu senden. Die Isis hat auch Internet und dürfte das Gerücht gelesen haben. Der Iran lässt sich doch nicht in die Karten schauen und sagt welches Blatt er hat.
Palmstroem 14.06.2014
4. Iran ist Teil des Problems
Das würde den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten nur vergrößern. Der Einfluss des Iran´s auf Maliki hat gerade die Versöhnung der Volksgruppen im Irak mit verhindert.
hjcatlaw 14.06.2014
5. Wenn es ernst
wird, ist selbst ein "Erzfeind" wieder willkommen! Das zeigt einmal mehr, wie hypokritisch Politik ist (surprise, surprise!).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.