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Islamisten-Streit: Hamas verbittet sich Einmischung der Qaida

Von Yassin Musharbash

Die Führung des Terrornetzwerks al-Qaida macht mobil gegen die radikalislamische Hamas: Die regierende palästinensische Organisation unterwerfe sich Israel, wettert Aiman al-Sawahiri in einem Video. Die Hamas hält dagegen: "Wir wollen palästinensisches Blut retten."

Berlin - In den Augen der al-Qaida ist die palästinensische Hamas vom rechten Pfad abgewichen: "Mit Bedauern teile ich der Gemeinschaft der Muslime mit: Herzliches Beileid für die verloren gegangene Führungskraft der Hamas! Sie ist in den Sumpf der Niederlage eingetaucht". So rechnet Qaida-Vize Aiman al-Sawahiri in einem aktuellen Video, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, mit den Islamisten ab.

Qaida-Führer Aiman al-Zawahiri: "Sumpf der Niederlage"

Qaida-Führer Aiman al-Zawahiri: "Sumpf der Niederlage"

Hintergrund der Empörung des Vize-Chef der dschihadistischen Internationale: Die Hamas hat vor gut einem Monat in der saudi-arabischen Stadt Mekka einen Kompromiss mit der Fatah-Bewegung geschlossen, auf dessen Grundlage der innerpalästinensische Bürgerkrieg beendet und eine Einheitsregierung gebildet werden soll.

"Hamas trampelt auf den Rechten der Gemeinschaft der Muslime herum", kommentiert al-Sawahiri, der Stellvertreter von Osama Bin Laden, diese Vereinbarung. Für ein Drittel der Ministersessel hätte die Hamas Palästina verkauft - "indem sie akzeptiert, was sie 'Anerkennung internationaler Abkommen' nennt". "Dies ist die Frucht der säkularen Demokratie", schimpft der ägyptische Qaida-Vize weiter. "Aber das Herumspielen mit Worten hat keinen Platz im Lexikon des Dschihad."

Das Sawahri-Video ist in jedem Fall aktuell, weil es Anspielungen auf die internationale Irakkonferenz vom Wochenende enthält, und wahrscheinlich authentisch, worauf das eingeblendete Logo von "al-Sahab" hindeutet, der Qaida-nahen Produktionsfirma, die seit Jahren Qaida-Videos fertigt. Allerdings sind dieses Mal keine bewegten Bilder zu sehen, lediglich ein Standfoto von Sawahiri mit einem Gewehr im Hintergrund.

Die Hamas-Führung wies die Angriffe heute entschieden zurück: "Bruder al-Sawahiri" habe sich geirrt, erklärte Khalil Abu Laila, ein ranghohes Hamas-Mitglied, vor Journalisten in Gaza. "Hamas hat Palästina nicht aufgegeben. Als wir die Mekka-Vereinbarung unterzeichneten, wollten wir palästinensisches Blut retten."

Hamas: Treffen mit Olmert "Misserfolg"

"Hamas regiert seit einem Jahr, hat aber die palästinensischen Grundsätze gewahrt", sagte Abu Laila weiter. Ein Treffen zwischen dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas von der konkurrierenden Fatah und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am gestrigen Sonntag bezeichnete er als Misserfolg. "Olmert will der Welt vorgaukeln, dass er in der palästinensischen Frage Fortschritte mache, aber dies ist ein durchsichtiges Spiel."

Es ist nicht das erste Mal, dass al-Qaida versucht, die Hamas mit Schelte oder Lob auf ihre Seite zu ziehen - und ebenso wenig ist es eine Premiere, dass die Hamas dies zurückweist. Insbesondere Aiman al-Sawahiri hat in den vergangenen Jahren immer mehr auf den "Dschihad in Palästina" gedrungen. Verschiedene nahöstliche Geheimdienste lassen durchblicken, dass er über Gefolgsleute in Ägypten sogar versucht, Qaida-Zellen im palästinensischen Gazastreifen aufzubauen.

Die Hamas ist zwar ebenfalls eine islamistische Organisation, die den bewaffneten "Dschihad" als Pflicht auffasst und Terroranschläge gegen israelische Zivilisten durchführt. Aber ihre Führung hat mehrfach betont, dass sich ihre "Anstrengungen" nur auf die "Befreiung Palästinas" und den "Kampf gegen Israel" erstrecken - sie also nicht Teil der internationalen Dschihad-Szene ist oder sein will.

Das Video von al-Sawahiri ist bereits die dritte Botschaft von islamistischen Extremisten in drei Tagen: Am Freitag hatte die irakische Gruppe "Pfeile der Rechtschaffenheit" ein Video von zwei deutschen Geiseln veröffentlicht, am Samstag drohte eine andere islamistische Gruppierung mit Angriffen auf deutsche und österreichische Ziele, falls die beiden Länder nicht ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen.

Mit dpa

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