Buddhisten hetzen gegen Muslime Hassprediger im Mönchsgewand

In Sri Lanka eskaliert die Gewalt gegen die muslimische Minderheit. Dort gilt Ausnahmezustand - doch die Übergriffe gehen weiter. Auch in Thailand und Burma verbreiten Mönche Hass.

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Es ist nicht viel übrig geblieben von den Geschäften und Gebäuden, die in der vergangenen Woche im Hochland von Kandy in Sri Lanka niederbrannten. Zwar patrouillierten Dutzende Soldaten am nächsten Tag vor den Balken und verkohlten Ruinen mit Helm und Waffe in der Hand. Weitere Anschläge verhinderten sie damit aber nicht: Kurz darauf standen wieder Häuser in Flammen, die der muslimischen Minderheit des Landes gehören.

Das Motiv der Brandstifter ist offenbar Rache. Vergangene Woche war ein Buddhist von einer Gruppe Muslime in Kandy umgebracht worden. Nun gilt in ganz Sri Lanka Ausgangssperre, das beliebte Urlaubsziel befindet sich offiziell im Ausnahmezustand, und der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und WhatsApp wurde zwischenzeitlich gekappt.

Sicherheitskräfte an dem Tatort in einem Vorort von Kandy
AP

Sicherheitskräfte an dem Tatort in einem Vorort von Kandy

Die Regierung in der Hauptstadt Colombo will mit den Maßnahmen verhindern, dass die Anschläge bald das ganze Land überziehen. Schon seit Jahren hetzen ultranationalistische Mönche und radikale Organisationen wie Bodu Bala Sena die größtenteils buddhistische Bevölkerung gegen die muslimische Minderheit auf - vor allem über soziale Netzwerke.

Das gilt nicht nur für Sri Lanka. Auch in anderen Teilen Asiens, wie Thailand und Burma, verbreiten radikale Buddhisten ihre islamophobe Propaganda überall dort, wo eine muslimische Minderheit angeblich unterdrückt werden muss, um das eigene buddhistische Volk zu schützen.

Gewalt wird dabei toleriert, wenn sie angeblich nur der defensiven Verteidigung dient. Etwa in direkter Form, als Rache für ein Attentat auf Buddhisten, oder indirekt, wenn es um eine angebliche "Übervolkung" geht, wonach Muslime sich durch hohe Geburtenrate ausbreiten wollten.

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Thailand: Islamhass breitet sich in den Norden aus

Zwar sind die Gründe für die antimuslimischen Strömungen in den Regionen und betroffenen Ländern unterschiedlich. Die Hassprediger nutzen aber überall zunehmend soziale Netzwerke, um die öffentliche Stimmung zu beeinflussen.

Facebook-Screenshot einer Anti-Muslim-Gruppe

Facebook-Screenshot einer Anti-Muslim-Gruppe

In Thailand sind die antimuslimischen Ressentiments inzwischen auch im Nordosten angekommen. In Facebook-Gruppen wie: "Keine Moscheen im Nordosten" werden Muslime verhöhnt. In der Nähe von Khon Kaen haben Anwohner gegen eine Moschee protestiert, die dort errichtet werden sollte. Auch sie haben sich in Internetforen darüber ausgetauscht und organisiert.

Anders als im Norden Thailands kommt es in den südlichsten Provinzen Pattani, Yala und Narathiwat an der Grenze zu Malaysia seit vielen Jahren zu blutigen Zwischenfällen, meist zwischen muslimischen Aufständischen und thailändischen Sicherheitskräften. Während in ganz Thailand 92 Prozent der Bevölkerung buddhistisch sind, sind im Süden 85 Prozent der Anwohner Muslime.

Die Mehrheit der Tausenden Toten in dem Konflikt sind Muslime. Die Aufständischen griffen nach Berichten von unabhängigen Hilfsorganisationen aber auch gezielt Buddhisten an.

Jeder einzelne getötete Mönch sei ein religiöses Attentat, sagte Apichart Punnajanto dazu im Gespräch mit "Newsweek". Er ist einer der prominentesten Islam-Gegner des Landes und instrumentalisierte die blutigen Anschläge im Süden. So auch in einem Facebook-Eintrag von 2015, in dem er seine Unterstützer aufrief, für jeden im Süden des Landes getöteten Buddhisten eine Moschee niederzubrennen. "Ich will Rache", sagte er dem Magazin.

Wat Benchamabophit in Bangkok
Karl Vandenhole

Wat Benchamabophit in Bangkok

Viele Jahre lebte Apichart mitten im Stadtzentrum Bangkoks gleich neben dem Wat Benchamabophit. Der Tempel ist mit seinen weißen Fassaden und polierten Golddächern eine Touristenattraktion. Nur wenige Meter entfernt davon liegt das dazugehörige Kloster.

Wohnungen der Mönche neben Wat Benchamabophit
Karl Vandenhole

Wohnungen der Mönche neben Wat Benchamabophit

"Wer Gewalt legitimiert, ist kein richtiger Buddhist", sagt Sulak Sivaraksa, einer der prominentesten Buddhisten Thailands und Verfechter von Gewaltlosigkeit. "Buddha predigt uns Frieden und ein liebevolles, mitfühlendes Miteinander", sagt er. Benutze man diese friedliche Lehre, um daraus einen Nationalismus abzuleiten, bringe man diese in Gefahr. Mönche, die Hass säen, sollten sofort ihre Kutte abgeben.

Trotzdem bekam Apichart noch Rückendeckung von der Thailand Buddhist Organisation, die laut einer Stellungnahme trotz etlicher weiterer Hetz-Einträge kein rechtswidriges Verhalten bei ihm erkennen wollte. Im September vergangenen Jahres schritt schließlich die thailändische Regierung ein und ließ Apichart von der Polizei verhören. Anschließend musste er sein Mönchsgewand abgeben und kappte zwischenzeitlich seine Social-Media-Profile.

Burma: Gewalt gegen Muslime wird als Kampf gegen Terror legitimiert

Wozu der Hass auf Muslime führen kann, lässt sich in Burma derzeit am deutlichsten ausmachen: Das Militär geht seit Monaten brutal gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vor. Mindestens 7000 Muslime sollen getötet worden sein. Fast eine Million Menschen flohen aus Burma ins Nachbarland Bangladesch. Die burmesische Regierung erlaubt Untersuchungskommissionen nicht, die betroffenen Regionen zu betreten.

Selbst die De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi spricht von Terroristen, gegen die vorgegangen werde. Wieder geht es um Rache. Bislang hat sich in der burmesischen Gesellschaft kein Protest dagegen formiert. In Burma waren einer Untersuchung des Myanmar Centre for Responsible Business zufolge 90 Prozent der Hasskommentare im Netz aus dem Jahr 2015 gegen Muslime gerichtet.

Dass sich in Burma die Islamophobie besonders fest verankern konnte, liegt auch an ihm: Wirathu. Das "Time"-Magazin machte ihn zum Gesicht des "buddhistischen Terrors". Der Thailänder Apichart nannte ihn sein Vorbild.

"Time"-Cover mit Wirathu
AFP/ TIME

"Time"-Cover mit Wirathu

Im Interview behauptete Wirathu, die Muslime, die etwa vier Prozent der Bevölkerung ausmachen, würden den Buddhisten die Frauen stehlen und sie vergewaltigen. "Sie würden gerne unser Land besetzen, aber das lasse ich nicht zu", sagte er. "Wir müssen Burma buddhistisch halten." Sieben Jahre verbrachte er zu dem Zeitpunkt schon in Haft, weil er 2003 blutige Ausschreitungen gegen Muslime angefacht hatte. Für ihn sind aber die Muslime die "radikalen, bösen Menschen".

Die burmesische Regierung hat ihm inzwischen verboten, öffentliche Predigten abzuhalten. Auch damit lässt sich der Flächenbrand nicht mehr löschen: Seine sogenannte Buddha Dhamma Parahita Foundation hat nach eignen Angaben inzwischen Hunderttausende Mitglieder.



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