Gazastreifen Mehrere Palästinenser bei Zusammenstößen mit israelischer Armee getötet

Mehrere Tausend Palästinenser haben sich zum "Marsch der Rückkehr" an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel versammelt. Bei Zusammenstößen sind mindestens 16 Araber getötet und Hunderte verletzt worden.

Demonstranten und Sanitäter am Grenzzaun zwischen Gaza und Israel
REUTERS

Demonstranten und Sanitäter am Grenzzaun zwischen Gaza und Israel


Der "Marsch der Rückkehr" hat zu den befürchteten Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Soldaten geführt. Mehrere Tausend Araber haben sich seit Freitagmorgen an mehreren Punkten in der Nähe des Grenzzauns versammelt, der den Gazastreifen von Israel trennt.

Nachdem sich einzelne Palästinenser der Sperranlage näherten, Reifen in Brand setzten und Steine warfen, eröffneten israelische Sicherheitskräfte das Feuer mit scharfer Munition. Bis zum Nachmittag wurden dabei mindestens sieben palästinensische Männer getötet; am Abend wurde die Zahl nach oben korrigiert - es wurde bekannt, dass mindestens 16 Menschen getötet wurden. Das jüngste Todesopfer war 16 Jahre alt. Das palästinensische Gesundheitsministerium teilte am Abend mit, rund 1100 Menschen seien verletzt worden.

Die Hamas, die in Gaza regiert, bezeichnete den "Marsch der Rückkehr" als friedlichen Protest, der bis zum 70. Jahrestag der "Nakba" am 15. Mai andauern soll. Mit Nakba, auf Deutsch: Katastrophe, bezeichnen die Palästinenser die Flucht und Vertreibung von Palästinensern im Zuge der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948.

Palästinenser verbrennen Trump-Poster
AFP

Palästinenser verbrennen Trump-Poster

Zum Auftakt des Protestes am Freitag errichteten Demonstranten zahlreiche Zelte im Grenzgebiet, Menschen schwenkten palästinensische Flaggen. Demonstranten verbrannten außerdem Bilder von US-Präsident Donald Trump.

Israels Armee betrachtet die Proteste als feindlichen Akt und sieht darin den Versuch der Hamas, den Grenzzaun zu demolieren und diesen möglicherweise in Scharen zu durchbrechen. Mehrere führende Hamas-Funktionäre hatten sich am Freitag unter die Demonstranten gemischt, darunter Ismail Haniyya, Chef des Hamas-Politbüros und Yehia Sinwar, Hamas-Chef in Gaza.

Yehia Sinwar beim "Marsch der Rückkehr"
AFP

Yehia Sinwar beim "Marsch der Rückkehr"

In einer kurzen Rede bekräftigte Haniyya den Anspruch der Hamas auf das gesamte israelische Staatsgebiet: "Wir werden mit dem zionistischen Gebilde nicht auch nur über ein kleines Stück Bodens in Palästina verhandeln", sagte Haniyya.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman warf der Hamas vor, sie setze das Leben ihrer palästinensischen Landsleute aufs Spiel. Jeder, der sich dem Grenzzaun nähere, bringe sich damit in Gefahr, warnte Lieberman.

Bereits in den frühen Morgenstunden hatte die Armee einen Palästinenser im Grenzgebiet getötet. Zeugen sagten aus, der 27-jährige Palästinenser Omar Samour habe auf einem Feld in der Nähe von Khan Younis in den Morgenstunden Petersilie geerntet, um sie später auf dem Markt zu verkaufen. Die israelische Armee teilte mit, der Mann habe sich verdächtig verhalten. Das Militär will die Berichte, laut denen das Todesopfer ein Landwirt war, prüfen.

syd/eth/dpa/AP/Reuters



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