Militärdienst in Israel Netanyahus Jüngster rückt in Kampfeinheit ein

Der jüngste Sohn von Israels Premier Netanyahu ist zum Militärdienst angetreten - und das ganze Land schaut genau hin: Wird es wieder Wehrdienst light, wie beim großen Bruder? Ganz und gar nicht.

AFP

Jerusalem - In Israel gilt eine strenge Militärpflicht. Fast jeder junge Mensch muss dort seinen Wehrdienst ableisten - Frauen zwei Jahre, Männer drei Jahre lang. An diesem Montag ist ein Rekrut eingerückt, auf den das Land mit besonderer Aufmerksamkeit schaut: Avner Netanyahu, jüngster Sohn des Premierministers. Der allzu komfortable Wehrdienst seines älteren Sohnes Jair hatte Benjamin Netanyahu vor einigen Jahren massive Vorwürfe eingebracht.

Das soll sich nicht wiederholen, weshalb Avner seinen Dienst nun in einer Kampfeinheit antritt. Er werde in einer Späh-Einheit der israelischen Armee dienen, berichtete die israelische Nachrichtenseite "ynet" am Montag. Der 65-jährige Regierungschef und seine Frau Sara hätten ihren Sohn am Morgen begleitet. "Wir sind voll des Stolzes, aber natürlich auch der Sorge", sagte Netanyahu laut "ynet".

Bestbewachter Rekrut Israels

Netanyahus ältester Sohn Jair hatte ab 2009 in der Armeesprechereinheit gedient, die nicht an Kampfhandlungen beteiligt ist. Dem Regierungschef war daraufhin vorgeworfen worden, er halte seine eigenen Kinder von der Gefahr fern, mit der andere Soldaten konfrontiert sind. Jair galt damals als bestbewachter Rekrut Israels: Er wurde von einem persönlichen Bodyguard begleitet.

Jair sorgte zuletzt Anfang des Jahres für Schlagzeilen in Israel. Der Grund: Der 23-Jährige hatte die Liaison mit einer Norwegerin öffentlich gemacht. Ultraorthodoxe Kräfte im Land forderten daraufhin die Trennung des Paares. Der Premier müsse seinen Sohn zur Vernunft bringen. Der größte Teil der Israelis verfolgte die Debatte allerdings mit Kopfschütteln.

Premier Netanyahu selbst hatte in der Spezial-Kampfeinheit Sajaret Matkal gedient. Sie ist auf Terrorismusbekämpfung und nachrichtendienstliche Aufklärung spezialisiert. Sein Bruder Jonathan kam 1976 während einer Geiselbefreiungsaktion in Uganda ums Leben.

Politisch steht Netanyahu derzeit unter Druck. Seine Mitte-Rechts-Koalition steckt wegen eines umstrittenen Gesetzentwurfs in der Krise. Die Regelung soll den jüdischen Charakter des Staates stärken - was arabischstämmige Israelis faktisch zu Bürgern zweiter Klasse machen würde.

ler/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.