Nahostkonflikt Israel baut neue Mauern in Jerusalem

Eine Gewaltwelle erschüttert Israel. In Tel Aviv und drei anderen Städten dürfen arabische Israelis angeblich nun nicht mehr an Schulen arbeiten. In Jerusalem werden neue Betonsperren errichtet, in Beersheba kam es zu einer Schießerei.

Neue Mauer in Ostjerusalem: Sie soll ein jüdisches und ein arabisches Viertel trennen
DPA

Neue Mauer in Ostjerusalem: Sie soll ein jüdisches und ein arabisches Viertel trennen


In Israel herrscht nach immer neuen Anschlägen auf einzelne Bürger ein Klima der Angst. Nun sollen mindestens vier israelische Städte, darunter Tel Aviv, die Beschäftigung von Arabern in Schulen verboten haben. Israelische Eltern hätten aus Angst um ihre Kinder gefordert, dass arabische Hausmeister oder Reinigungskräfte entlassen werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Nach erneuten Messerattacken auf Israelis hat die israelische Regierung am Sonntag weitere Sicherheitsmaßnahmen verkündet: Unter anderem hat die Polizei jetzt mehr Rechte und kann Personen ohne konkrete Verdachtsmomente kontrollieren. Außerdem wurde in Jerusalem eine Betonmauer aufgestellt, um ein arabisches und ein jüdisches Viertel voneinander zu trennen. In das jüdische Viertel Armon Hanatziv seien immer wieder Steine geworfen worden, hieß es als Begründung. Die Mauer solle in den nächsten Tagen noch verlängert werden.

In ganz Ost-Jerusalem hat die Polizei zahlreiche Straßensperren errichtet. Elf Straßen seien nicht mehr befahrbar, berichtet die israelische Zeitung "Haaretz". Zudem seien mehrere Checkpoints errichtet worden. Bis zu zwei Stunden müssten Anwohner dort warten, um durchgelassen zu werden.

Schießerei an Bushaltestelle

Am Sonntagabend kam es zu einer Schießerei im Busbahnhof in der südisraelischen Stadt Beersheba. Drei Menschen wurden getötet, darunter auch der Attentäter. Mindestens elf weitere Menschen - vier Soldaten und sieben Zivilisten - seien verletzt worden, teilte die Armee mit.

Seit Monatsbeginn sind bei gewaltsamen Zusammenstößen mehr als 40 Palästinenser und sieben Israelis gestorben. Ein Auslöser der Gewaltwelle ist unter anderem der Streit um die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem.

Die Palästinenser werfen Israel vor, die heilige Stätte immer stärker für sich zu vereinnahmen: Die Zahl jüdischer Besucher auf dem Plateau des Tempelbergs, wo der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee stehen, hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Nach der derzeit gültigen Regelung dürfen Juden und andere nicht-muslimische Besucher den Tempelberg zwar besuchen, aber nicht dort beten.

Französische Diplomaten hatten in New York angeregt, internationale Beobachter auf dem Jerusalemer Tempelberg zu stationieren. Israel lehnte diesen Vorschlag ab - und warf Frankreich vor, den "Terrorismus zu belohnen". "Israel ist nicht das Problem auf dem Tempelberg, Israel ist dort die Lösung", sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu am Sonntag bei einer Kabinettssitzung.

In der kommenden Woche will sich nun US-Außenminister John Kerry um eine Entspannung der Lage bemühen. Er werde dazu in Berlin mit Netanyahu zusammenkommen, kündigte er am Sonntag an. Danach wolle er auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprechen. Netanyahu wird am Mittwochabend zu einer Unterredung im Bundeskanzleramt erwartet.

vet/Reuters/dpa



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