Besuche in Abu Dhabi und Oman Israels diplomatische Offensive am Golf

Drei diplomatische Coups in einer Woche - Israels Premier Netanyahu reist in den Oman, weitere Kabinettsmitglieder nach Abu Dhabi. Thema der Gespräche: Iran und Saudi-Arabien.

AFP/ Benjamin Netanyahu Official Twitter Account

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Als die ersten Töne der "Hatikva" erklingen, kann Miri Regev ihre Emotionen nicht zurückhalten. Sie weint. Israels Ministerin für Kultur und Sport ist sichtlich ergriffen davon, dass in Abu Dhabi die israelische Nationalhymne erklingt - obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) den Staat Israel bis heute nicht offiziell anerkannt haben.

Regev hatte das israelische Judo-Team in dieser Woche zu einem Wettkampf nach Abu Dhabi begleitet. Als der israelische Judoka Sagi Muki in seiner Gewichtsklasse triumphiert, wurde ihm zu Ehren die israelische Flagge gehisst und die Hymne gespielt. Eine Premiere: Bei bisherigen Veranstaltungen in der arabischen Welt mussten israelische Sportler ohne die offiziellen Symbole ihres Heimatlandes antreten.

Regevs denkwürdiger Auftritt bei der Siegerehrung war nicht ihr einziger Termin, mit dem sie in Abu Dhabi für Aufsehen sorgte: In Begleitung von VAE-Regierungsvertretern besuchte die Politikerin die Große Moschee in der Stadt, das drittgrößte Islamische Gebetshaus der Welt.

Miri Regev in Abu Dhabi
AP/ Ministry of Culture and Sport Israel

Miri Regev in Abu Dhabi

Regev sparte nicht mit Komplimenten für ihre Gastgeber: "Die Botschaft dieser Moschee ist eine Botschaft der Einigkeit und des Friedens", sagte die rechtsgerichtete Ministerin, die vor Jahren noch den islamischen Gebetsruf als "das Jaulen der Hunde Mohammeds" verunglimpft hatte.

Nur wenige Tage nach Regevs Besuch reiste in dieser Woche Israels Kommunikationsminister Ayoub Kara zu einer Konferenz nach Abu Dhabi. Er wünsche sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Staaten in der Region auf den Feldern "Frieden und Sicherheit", sagte der Politiker, der der drusischen Minderheit in Israel angehört.

"Israel ist ein Staat, der in der Region präsent ist und wir alle verstehen das"

Politisch noch weitaus brisanter ist jedoch der Besuch des israelischen Premierminister 500 Kilometer weiter östlich: Am vergangenen Freitag besuchte Benjamin Netanyahu gemeinsam mit seiner Ehefrau Sara den greisen und krebskranken omanischen Sultan Qabus in Muskat. Die geheimen Beziehungen zwischen beiden Ländern reichen bis in die Siebzigerjahre zurück. Bislang sind aber Ägypten und Jordanien die einzigen Länder in der Region, zu denen Israel diplomatische Beziehungen unterhält.

Deshalb war Netanyahus nun jüngste Oman-Reise ein diplomatischer Coup - 40 Jahre nachdem der Ministerpräsident Menachem Begin mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat das Camp-David-Friedensabkommen vereinbarte. Dieser Vertrag änderte den Nahen Osten von Grund auf, da es ein Deal zwischen Israel und dem - damals - wichtigsten arabischen Land war.

Netanyahus Visite wurde nach Angaben aus Jerusalem monatelang vorbereitet. Der israelische Geheimdienstexperte Ronen Bergman geht davon aus, dass Mossad-Chef Jossi Cohen sich persönlich eingebracht hat. Der Besuch seines Chefs dauerte dann zwölf Stunden. Bekanntgemacht wurde die Reise jedoch erst nach Netanyahus Rückkehr.

Benjamin Netanyahu und der Sultan von Oman betrachten eine Karte
AFP/ Official Twitter account of Israeli Benjamin Netanyahu

Benjamin Netanyahu und der Sultan von Oman betrachten eine Karte

Anschließend sagte der omanische Außenminister Yussuf bin Alawi bin Abdullah auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain: "Israel ist ein Staat, der in der Region präsent ist und wir alle verstehen das."

Netanyahu sprach in Oman vermutlich auch über Iran

Sein Herrscher, Sultan Qabus, gilt als verlässlicher arabischer Staatenlenker, der zudem über einen guten Draht nach Teheran verfügt. Mehrfach hatten sich in den vergangenen Jahren westliche und iranische Unterhändler unter seiner Ägide in Muskat getroffen, um am Atomabkommen zu arbeiten.

Netanyahu sprach davon, er habe mit Qabus "im Detail die Herausforderungen im Nahen Osten besprochen" - der Iran-Konflikt dürfte da ganz oben auf der Agenda gestanden haben. In der nächsten Woche reist der nächste israelische Politiker in den Oman, Geheimdienst- und Verkehrsminister Yisrael Katz. Im Mittelpunkt des Besuchs sollen die Pläne für eine Bahnlinie stehen, die Israels Mittelmeerhafen Haifa mit Muskat am Golf von Oman verbinden soll - über Jordanien und Saudi-Arabien. Für Israel ein Traum aus 1001 Nacht.

Israel setzt weiter auf den saudischen Kronprinz MbS

Israels Reisediplomatie bildet den vorläufigen Höhepunkt der Annäherung zwischen dem jüdischen Staat und den arabischen Golfstaaten:

  • Im Dezember 2017 besuchte erstmals eine Delegation von Religionsvertretern aus Bahrain Israel, mit ausdrücklicher Billigung des herrschenden Königs Hamad bin Issa.
  • Im April 2018 sprach Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman als erster offizieller Vertreter seines Herrscherhauses den Israelis das Recht auf ihr eigenes Land zu.
  • Seit dem Frühjahr 2018 öffnet Saudi-Arabien seinen Luftraum für israelische Passagierflugzeuge.
  • Bei den gerade stattfindenden Turn-Weltmeisterschaften in Katar darf das israelische Team unter eigener Flagge antreten.

Für Netanyahu ist die Visite im Oman ein diplomatischer Sieg auf ganzer Linie - in einer für ihn heiklen Zeit. Er forciert seit Langem die Zusammenarbeit mit dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien. Die beiden Feinde von einst haben sich zusammengetan, um ihren gemeinsamen Rivalen zu bekämpfen: die schiitische Republik Iran.

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Nun ist Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS) aufgrund des Mordes an Jamal Khashoggi bei weiten Teilen der westlichen Welt in Ungnade gefallen. Netanyahu aber braucht ihn im Kampf gegen Iran. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Israels Premier einem Bericht der "Washington Post" zufolge das Weiße Haus gebeten haben soll, MbS weiter zu unterstützen.

Am Freitag sagte Netanyahu bei einer Pressekonferenz, was im Istanbuler Konsulat geschah, sei schrecklich. Gleichwohl sei es für die Stabilität der Region wichtig, dass Saudi-Arabien stabil bleibe. Ein deutliches Indiz dafür, dass Netanyahu kein Interesse an einer Entmachtung des Kronprinzen hat.



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